Erster historischer Rundgang des Heimatvereins Friedewalde / Verzierte Klinkerfassaden / Einst drei Burgen an der Ösper
Der Weg führte von der Heimatstube durch den Ortskern. Ortsheimatpfleger Wilfried Bröer ging auf die Geschichte von Gebäuden ein.
Heimatvereinsvorsitzender Wilhelm Kleine kündigte einen informativen Rundgang an: "Unser früherer Schulmeister Wilfried Bröer wird sicher viel zu berichten haben". Ortsbürgermeister Karl-Christian Ebenau stellte das lebendige Dorfleben heraus.
Erinnert wurde am heutigen Alten- und Pflegeheim an die wechselvolle Geschichte des Gebäudes. Zuvor war es landwirtschaftliches Anwesen, Gastwirtschaft "Deutsches Haus", Lebensmittelladen, Saal und auch Schulraum. "Hier war der Mittelpunkt des dörflichen Lebens. Unvergesslich sind die Feuerwehr- und Gluckenfeste, die im Saal gefeiert wurden. Auch Elternabende und Rosenmontagsfeiern fanden hier statt", blickte Wilfried Bröer zurück.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts seien die Häuser nicht mehr nur im Fachwerkstil, sondern auch aus Ziegelsteinen gebaut worden, verwies der Ortsheimatpfleger auf das Klinkergebäude aus dem Jahr 1904. Bei der Gestaltung der Außenmauern habe man sich große Mühe gegeben. "Über den Fenstern und Türen wurden die Steine in Bogenform gemauert. Hinzu kamen Bänder in der Fassade", so Bröer.
Ein weiteres Thema war die Kirche, die mit ihrem außergewöhnlichen Baustil nicht zu den Dorf- und Weserkirchen gehört. Errichtet wurde das Friedewalder Gotteshaus von 1854 bis 1856 im Auftrag des preußischen Königs. Die Vorgängerkirche aus Holz war verfallen.
"Der Architekt Friedrich August Stüler hatte die weite Welt kennengelernt. Mit dem Baustil einer Basilika erinnerte er in Friedewalde an die frühchristlichen Kirchen. Dabei orientierte er sich an der klassischen griechischen und römischen Baukunst. Aus diesem Markt- und Gerichtsgebäude hat sich die Hauptform des christlichen Gotteshauses entwickelt", erklärte der Ortsheimatpfleger.
Die nächste Station war das Pfarrhaus, das im nächsten Jahr 100 Jahre alt wird. Das Vorgängergebäude ist von der Kirchengemeinde im Jahr 1818 erworben worden. Seitdem wird es als Pfarrerwohnhaus genutzt. Vorher war es die Alteburg.
Auch die Ösper spielte im historischen Rundgang eine Rolle. Der Bach zog die ersten Siedler mit den Höfen Maaßens, Schmees, Boarn bis Bartlinge an. Drei Burgen wurden in Öspernähe errichtet (Alteburg, Dinghorst und Himmelreich). Bröer berichtete, dass im Jahr 1877 oder 1878 eine Ösperbrücke aus Quadersteinen von Burg Himmelreich gebaut worden sei. Bei der Regulierung der Ösper habe man 1970 diese alte Überführung abgerissen und durch eine neue Brücke ersetzt.
Unter dem Motto "Wo einst die stolze Burg Himmelreich stand" blickten die Teilnehmer der Exkursion von der Holzhauser Straße auf das alte Burggelände. "Wir kennen nur das Herrenhaus auf der alten Zeichnung. Aber wo war Ende des 16. Jahrhunderts das Vieh aufgestallt, immerhin zwölf Pferde, 30 bis 40 Kühe, 60 Schweine und 300 Schafe? Für die Unterbringung des Getreides muss es auch Scheunen gegeben haben", so der Ortsheimatpfleger.
Weitere Stationen des Rundgangs waren der neue Friedhof von 1911, auf dem 1968 das Kapellengebäude errichtet worden ist, und die alte Molkerei, die bis 1969 in Betrieb war.
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