Elterninitiative setzt sich für Gesamtschule in Petershagen ein / Informationsabend zu Schulform gut besucht
Mit 60 Personen gut besucht war eine Informationsveranstaltung zum Thema "Gesamtschulen - Ein alternatives Angebot für Petershagen?" Dazu hatte die Gesamtschulinitiative in die Kindertagesstätte Bullerbü eingeladen. Aus der eingeladenen Ratspolitik waren Helga Berg (CDU), Ingo Ellerkamp (SPD) und Günter Wehmeyer (FDP) gekommen.
Referent war der stellvertretende Bundesvorsitzende der gemeinnützigen Gesellschaft für Gesamtschulen (GGG), Werner Kerski. Der frühere Gymnasiallehrer hat bis zum Sommer 2009 eine Gesamtschule in Hagen geleitet.
Ausgelegt wurden Unterschriftenlisten. Die Initiatoren fordern den Stadtrat umgehend zur Elternbefragung auf. Den Eltern und ihren Kindern müsse das entscheidende Wort bei der Frage der zukünftigen Schullandschaft zukommen. Deshalb sei die Befragung nicht nur in den bestehenden Schulen, sondern auch in den Kindergärten dringend notwendig, so der Begleittext.
Werner Kerski machte deutlich, dass sich die Gesamtschulen in vielen Ländern durchgesetzt hätten, nur nicht in Deutschland. "Es gibt bei uns mehr schlechte Schüler als in jedem anderen Land. Wir haben zu wenig Abiturienten, Studenten und Akademiker".
Ein Kernproblem sei die viel zu frühe Entscheidung für den weiteren schulischen Werdegang. Dabei sprach der Referent die Bemühungen der Grundschullehrer an, die Jungen und Mädchen realistisch zu beurteilen. Unmöglich sei es aber, eine Prognose für die weitere Entwicklung zu geben.
"Im Land Nordrhein-Westfalen haben wir 221 Gesamtschulen. Dort ging es in einer Umfrage bei den Abiturienten um die Eingangsempfehlung. Dabei kam heraus, dass 71 Prozent dieser Schülerinnen und Schüler das Abitur entgegen der Empfehlung gemacht haben", wusste Kerski.
Auf die Frage, ob diese Abschlüsse auch international vergleichbar seien, antwortete der frühere Gesamtschulleiter, dass es ein Zentralabitur gebe. Es existierten Standards, die eingehalten werden müssten.
Der Vorteil in der Gesamtschule sei, dass alle Schulabschlüsse vergeben würden. Die Unterschiedlichkeit der Kinder müsse man als Chance begreifen. Dabei sei es wichtig, die Verantwortung für das eigene Lernen zu organisieren. "Kinder, die aufgenommen werden, haben die Sicherheit, dass sie nicht die Gesamtschule verlassen müssen. Der Abschluss entscheidet sich oft erst in der 10. Klasse", machte Werner Kerski deutlich.
In der 5. Jahrgangsstufe besuchten die Schüler gemeinsam eine Klasse. Im Normalfall würden sie bis zur 10. Jahrgangsstufe von zwei Klassenlehrern begleitet. "Wichtig sind feste Ansprechpartner. Sie bieten Sicherheit".
In den Jahrgängen 7 oder 8 beginne die Differenzierung. Dann werde die Klasse in den Grund- und Erweiterungskurs, geteilt. In Beispielen stellte Kerski Pflicht- und Wahlfächer vor. "Zum Abitur benötigt man zwei Fremdsprachen", hob der Referent hervor.
An vielen Gesamtschulen werde der Zeitstunden-Unterricht praktiziert. Der Vorteil der 60 Minuten sei, dass mehr Ruhe einkehre. Angeboten würden sechs Stunden mit großen Frühstücks- und Mittagspausen. Der Unterricht in der Ganztagsschule ende um 15.45 Uhr. Jedes Kind habe das Recht auf Förderung.
Der Einführung einer Gesamtschule gehe die Bedarfserhebung in den Grundschulen voraus. "Vierzügigkeit ist Voraussetzung für eine Gesamtschule. Es muss mindestens 112 Eltern geben, die sagen: Unser Kind soll in die Gesamtschule", erklärte Kerski.
Schulamtsleiter Karl-Heinz Hucke wies auf die rückläufigen Schülerzahlen in der Stadt hin. Neben den Grundschulen habe man in Petershagen bereits Gymnasium sowie Haupt-, Real- und Förderschule.
Interessenten an der Gesamtschulinitiative können sich bei Melanie Redeker, Tel. 0 57 68/ 26 15 81, und Anja Grossmann, Tel. 0 57 68/ 94 11 82, melden. Informationen gibt es im Internet unter www.sektor 69.de.
Die Elterninitiative für gemeinsames lernen Petershagen hat eine neue Homepage. Zu finden ist sie unter: www.eigelp.de