MT-Stadtgespräch: Bürgermeister-Kandidaten sprechen über Zukunft der Stadt und plaudern über eigenen Lebensweg
VON CARSTEN KORFESMEYER
Petershagen (cko). Vier Männer wollen Bürgermeister werden. Sie haben Ideen, Visionen, Meinungen - und oft liegt das Kandidaten-Quartett mit seinen politischen Ansichten gar nicht so weit auseinander.
Sechs Tage vor der Wahl tun sich Ingo Ellerkamp (SPD), Dieter Blume (CDU), Günter Wehmeyer (FDP) und Klaus-Günter Behrmann (FWG) nicht groß weh. Das MT-Stadtgespräch im Alten Amtsgericht zeigt aber, dass es in Petershagen eine Menge zu tun gibt. Jeder Bewerber hat seinen eigenen Weg, wie er an den "Baustellen" erfolgreich sein will.
In der von Lokalchef Hans-Jürgen Amtage, Redakteurin Monika Jäger und Petershagen-Redakteur Uwe Vinke moderierten Veranstaltung müssen die Kandidaten je ein Bild malen, wie sie die Stadt in sechs Jahren sehen. "Die Weser ist für mich das verbindende Element", sagt Blume bei der Interpretation seines Werkes, in dem es auch Wasserski und Wanderwege gibt.
"Naturschutz und Wirtschaft schließen sich nicht aus." Der CDU-Kandidat will im Tourismus einen Schwerpunkt setzen - und dann spricht er einen geheimen Wunsch aus, der das kulturelle Leben mächtig aufleben lassen dürfte: Den Bau einer Seebühne.
Dass alle das Beste für Petershagen wollen, überrascht nicht. "Ich möchte, dass die Menschen auch weiterhin sehr gut in den 29 Ortschaften leben können", sagt Ingo Ellerkamp. Der SPD-Politiker skizziert in seinem Bild auch den demografischen Wandel, dem er sich stellen will. Dazu zählen Schulen und Kindergärten. "Der Bereich Ganztag ist wichtig", sagt der Kandidat, der einen "roten Faden" für das Zusammenspiel gemalt hat.
Für Behrmann ist ein effektives Stadtmarketing sowie die Stärkung des "Wir-Gefühls" wichtig. In der Verwaltung sieht er eine Menge Möglichkeiten für Verbesserungen. Auf seiner Zeichnung ist eine Waage mit Eurozeichen zu erkennen, die für einen ausgeglichenen Haushalt steht. Ein durchgestrichener Kirchturm sorgt für ein wenig Irritation, bis der "Künstler" aufklärt. "Ich will kein Kirchturmdenken."
Ein Haus mit 29 Fenstern hat Wehmeyer gemalt, die für die Petershagener Ortschaften stehen. "Die sollen alle zusammenhalten", sagt der Lehrer und Landwirt aus Meßlingen. Die geöffnete Haustür symbolisiert die Verwaltung. "Wir sind immer ein offenes Haus."
In der knapp zweistündigen Veranstaltung geht es nicht immer um Politik. Wenn die Kandidaten aus ihrem Leben erzählen, unterscheiden sie sich am meisten voneinander. Als wichtiges Symbol bringt Blume Lasagne-Platten mit ("Bei Lasagne habe ich meine Frau kennen gelernt"), spricht über Familienleben und Berufswunsch als Kind. "Ich habe im Sandkasten mit Förmchen keine Akten gebacken."
Behrmann zeigt ein Bilderbuch für Babys, in dem seine erwachsenen Kinder einst blätterten. Die Familie ist auch bei ihm an vorderster Stelle. Vor dem Sprung von der Abteilungsleitung auf den Chefposten der Verwaltung hat er keine Angst. Im Leben des Windheimers spielt klassische Musik eine große Rolle.
Ingo Ellerkamp präsentiert ein blaues Frühstücksbrettchen. "Das haben wir von einer Nordseeinsel mitgebracht", sagt er. Es symbolisiert den gemeinsamen Start mit seiner Familie in den Tag. Der 35-Jährige plaudert über Ausflüge in den Zoo, seinen Traumjob "Bundeskanzler" und seine Qualitäten als Vater. "Vielleicht bin ich manchmal etwas zu ungeduldig."
Seine Heimatverbundenheit drückt Günter Wehmeyer damit aus, in dem er Mutterboden mit auf die Bühne nimmt. "Ich war mal in Amerika, um meinen Onkel zu besuchen", verweist er auf seinen ersten Flug. Ein weiterer Onkel sei Lehrer gewesen, was ihn zum Beruf führt habe: "Ich bin mit Leib und Seele Lehrer". Seine Erfahrungen will er als Bürgermeister weitergeben.
Der Schulneubau in Lahde soll das Reizthema sein, an dem sich die vier Kandidaten austoben können. Doch in dieser Frage weichen die Bewerber kaum voneinander ab. Behrmann hält den Baubeschluss zwar für etwas verfrüht, sieht aber dennoch Handlungsbedarf.
Ellerkamp sieht mittelfristig nur noch das Gymnasium "und daneben eine Schulform, über die wir noch reden müssen" in der Stadt. Auch für Blume stehen die Schulstandorte Lahde und Petershagen fest.
Dass sich in der Schullandschaft aufgrund sinkender Schülerzahlen etwas tun wird, stellt Wehmeyer heraus. Er fordert, bei den Debatten zum Neubau die Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. "Es wird mir zu viel auf dem Rücken der Schüler ausgetragen."
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