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13.04.2012
"Die Jagd als Kulturgut schützen"
Gespräch auf dem Hof Thiesmeier über geplante Gesetzesnovelle / Auch CDU ist empört
VON MICHAELA PODSCHUN

Vlotho-Steinbründorf (va). "Wir sehen einfach keinen Reformbedarf. Es werden Probleme konstruiert." Hans-Werner Schäfer vom Hegering fand deutliche Worte zur geplanten Novellierung des Landesjagdgesetzes.

Landwirtin und Jägerin Tanja Thiesmeier (7. v. r.) hatte Besuch von weiteren Bauern, Mitgliedern des Hegerings und CDU-Politikern, darunter CDU-Landtagskandidat Dirk Fenner (4. v. r) und CDU-Generalsekretär Oliver Wittke (5. v. r.). VA-Foto: Podschun

Auf dem Hof von Tanja Thiesmeier in Steinbründorf trafen sich gestern Mitglieder des Hegerings, Landwirte und CDU-Politiker, um über den Entwurf der "alten" rot-grünen Landesregierung zu diskutieren.

Wie bereits berichtet, soll in der Novelle von Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) die Jagd aus Gründen des Natur- und Tierschutzes eingeschränkt werden. Oliver Wittke, Generalsekretär des Landesverbands Nordrhein-Westfalen der CDU, sowie der CDU-Landtagskandidat Dirk Fenner, waren ebenso wie Jäger und Landwirte empört. Oliver Wittke, nach eigener Aussage leidenschaftlicher Jäger, betrachtete die Jagd als ein wichtiges Kulturgut, das bewahrt werden müsse. Dass zahlreiche Tierarten zukünftig nicht mehr bejagd werden dürfen, hielt Wittke für unvernünftig. "Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass diese Einschränkung der Artenvielfalt Rechnung trägt." Wenn Tierarten - auch Rebhuhn und Schnepfe seien in der Diskussion - nicht mehr zum "Katalog der jagdbaren Arten" gehörten, werde eine Tür aufgemacht, die nicht mehr geschlossen werden könne. Es werde ein Konflikt zwischen Wald und Wild hergestellt.

Als Konsequenz sah Oliver Wittke "erhebliche Eingriffe ins Grundeigentum." Der CDU-Generalsekretär erzählte, dass er ein kleines Revier am Rande des Ruhrgebietes gepachtet habe. Im dortigen Mischwald gebe es Dammwild, Hasen und Füchse. Letztere müssten geschossen werden, um die geringe Hasen-Population zu schützen. "Die Jagd ist mehr als nur der Jagdschein. Wir tun etwas für die Gesellschaft." Wittke erinnerte daran, dass die Jagdsteuer reduziert worden sei und bis 2013 abgeschafft werde. Als Gegenleistung verpflichten sich die Jäger zur Bergung von Unfallwild.

Hans-Werner Schäfer erinnerte an Ausgleichszahlungen, die jährlich an über 600 landwirtschaftliche Betriebe für Fraßschäden an Grünland und Getreide gezahlt werden: "Auf rund zwei Millionen Euro pro Jahr beläuft sich die Summe, die NRW aus Naturschutzmitteln zahlt. Wildgänse richten sehr viel an." Laut Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung in Bonn werden heute im küstenfreien NRW mehr Grau-, Kanada- und Nilgänse erlegt als in jedem anderen Bundesland. Daher habe die "drastische Einschränkung" der Jagd auch Konsequenzen für die Bauern. Landwirt Falk Steinmann sagte: "Ich habe sehr viel Schwarzwild auf meinem Grünland. Wenn die Gesetzes-Novelle durchkommt, kann ich das Grünland wohl gar nicht mehr nutzen." Was Jägern und Landwirten ebenso sauer aufstieß sind die Forderungen der Natur- und Tierschutzverbände "NABU" und BUND". Eine Jagdausübung und Wildhege werde, so schätzte es Hans-Werner Schäfer ein, nicht nur in Frage gestellt, sondern abgeschafft (siehe Kasten).

Vlothoer Forum Natur könnte gefährdet sein

Bei der gestrigen Runde wurde das BUND-Positionspapier vom März als "Giftpapier" betitelt, das Auswirkungen auf das Vlothoer Forum Natur haben könnte. "Wir haben uns vor zehn Jahren mit heimischen Naturschützern zusammengetan, da uns die Natur am Herzen liegt." Dass nun der BUND von "oben" viele Forderungen an die Jagd knüpfe, sorgte für Unmut. Manch einer sah die Vlothoer Kooperation gefährdet.

Bernd Kortemeyer (CDU) fragte, wie sich die Gesetzes-Novelle aufhalten lasse. "Regen Sie eine öffentliche Debatte an", antwortete Oliver Wittke. Der Landesjagdverband prüfe Klagemöglichkeiten.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 12.04.2012 um 23:10:19 Uhr

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Kommentare
@jennerwein
Sie mussten ja nicht darauf antworten. Aber im Prinzip treffen die Zitate den Kern der Sache sehr wohl.

@franziskus:
Diese Zitate sind so nichtssagend, so plump, so am Thema vorbei, dass ich lange überlegen musste, ob es sich überhaupt lohnt, darauf zu antworten. Nur zum Beispiel: Ist es nicht auch Teil des göttlichen "Bauplanes", dass der Bär den Lachs fängt, um ihn zu verspeisen? Oder noch weiter: Ist nicht auch der Mensch in seiner schon seit Jahrzehntausenden bestehenden Funktion als naturnaher Jäger (das sage ich ganz bewusst so, denn der Trophäenjäger gehört sicher nicht dazu!) Teil des göttlichen Bauplanes?

@Georg: Das Töten von Tieren aus rein sportlichem Interesse geht natürlich gar nicht. Dass die Jagd, sofern sie einen sinnvollen Zweck verfolgt (schon oft zitiert: Regulation von Wildtierpopulationen in der Kulturlandschaft bzw. Fleisch-/Fellgewinnung innerhalb der kompensatorischen Sterblichkeit) dem Jagenden jedoch durchaus Freude bereiten darf, ja muss, steht dennoch außer Frage! Oder wie schizophren wäre es, wenn ein Metzger bei jedem Tier, dass er schlachtet in Tränen ausbrechen würde?

"Mitleid mit Tieren und ein guter Charakter sind derart eng miteinander verknüpft, dass man mit Gewissheit feststellen kann, dass niemand, der grausam zu Tieren ist, ein guter Mensch sein kann." (Schopenhauer)

"Ich will damit nicht andeuten, dass die meisten Jäger schwache Menschen sind, aber
meiner Erfahrung nach nutzen schwache Menschen oft genug die Möglichkeit, ihren Makel zu kompensieren, indem sie jagen oder mit Waffen und Messern herumspielen."
Zitat aus dem Sachbuch Die Seele des Mörders vom FBI - Profiler John Douglas

"Jetzt stellen Sie sich vor, da kommt eine Kugel geflogen und zerstört einen göttlichen Bauplan. Das war für mich der Grund, den guten Hirsch abzulehnen. Ich war damals vom jagdlichen Schiessen schon ferner denn je, weil auch der beste Schuss die Zerstörung eines göttlichen Bauplanes ist. Ich bin von Saulus zum Paulus geworden. Ich selber habe 54 Jahre gejagt, aber heute muss ich sagen, dass all der Zauber, mit dem sich die Jäger umgeben- wie z.B. dem toten Tier noch ein grünes Zweiglein zwischen die Zähne klemmen -, nur eine Tarnung des Mordes ist." Prof Richard Finke, Ex-Jäger

"Die vielgepriesene Waidgerechtigkeit dient der Volksverdummung und der Verdeckung strafbarer Handlungen. Sie bemäntelt tierquälerische Jagdmethoden mit falsch verstandener Traditionspflege." Rüsch (Jurist und Jäger; "Heuchler in grünen Loden")

Das rein sportliche Jagen von Tieren egal welcher Art und Gattung aus Vergnügungs- und Geltungssucht als "Kulturgut" zu betrachten ist einfach nur extrem abartig und eine reale Form der Perversion menschlichen Handelns und Denkens. Diese archaische Vorgehensweise sollte eigentlich in unserer heutigen Zeit schon eindeutig der Vergangenheit angehören und Menschen, die solch eine Meinung vertreten, sind eigentlich die ewig gestrigen die eindeutig aus der vergangenen Menschheitsgeschichte absolut nichts gelernt haben. Jagen ist sicherlich kein "Kulturgut", sondern "Mord" an der Natur, unserer Umwelt, der Erden und der Zukunft unserer Kinder!

"Der Jagd fallen jährlich zusätzlich ca. 400.000 Katzen und ca. 65.000 Hunde zum Opfer"

Und wieviele bedrohte Wildtiere (Vögel, Kleinsäuger, Amphibien und Reptilen) fallen diesen damit nicht mehr zum Opfer?
Wieviele Populationen bedrohter Wildtiere sterben aus, weil Katzen das Zünglein an der Waage sind?

Man muß hier ganz klar den Naturschutz vor den Tierschutz stellen. Fragt mal Natur-, keine Tierschützer nach freilaufenden Katzen ;-)

Ohne hier das Anfüttern bestimmter jagdbarer Tiere zu bewerten meine ich, Jäger sollten sich viel intensiver um das Problem herumstreunender Haustiere kümmern :D

Quellen dazu findet man zuhauf im Internet als free download (z.B. "impact feral cats wildlife"). Diese sollte aber man auch dahingehend bewerten können, daß Katzen nicht zur authochtonen Fauna gehören und durch den Menschen deutliche selektive Vorteile geniesst.

In diesem Sinne ein fröhliche Petri oder Waidmanns Heil!
Kalli



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