Gespräch auf dem Hof Thiesmeier über geplante Gesetzesnovelle / Auch CDU ist empört
Auf dem Hof von Tanja Thiesmeier in Steinbründorf trafen sich gestern Mitglieder des Hegerings, Landwirte und CDU-Politiker, um über den Entwurf der "alten" rot-grünen Landesregierung zu diskutieren.
Wie bereits berichtet, soll in der Novelle von Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) die Jagd aus Gründen des Natur- und Tierschutzes eingeschränkt werden. Oliver Wittke, Generalsekretär des Landesverbands Nordrhein-Westfalen der CDU, sowie der CDU-Landtagskandidat Dirk Fenner, waren ebenso wie Jäger und Landwirte empört. Oliver Wittke, nach eigener Aussage leidenschaftlicher Jäger, betrachtete die Jagd als ein wichtiges Kulturgut, das bewahrt werden müsse. Dass zahlreiche Tierarten zukünftig nicht mehr bejagd werden dürfen, hielt Wittke für unvernünftig. "Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass diese Einschränkung der Artenvielfalt Rechnung trägt." Wenn Tierarten - auch Rebhuhn und Schnepfe seien in der Diskussion - nicht mehr zum "Katalog der jagdbaren Arten" gehörten, werde eine Tür aufgemacht, die nicht mehr geschlossen werden könne. Es werde ein Konflikt zwischen Wald und Wild hergestellt.
Als Konsequenz sah Oliver Wittke "erhebliche Eingriffe ins Grundeigentum." Der CDU-Generalsekretär erzählte, dass er ein kleines Revier am Rande des Ruhrgebietes gepachtet habe. Im dortigen Mischwald gebe es Dammwild, Hasen und Füchse. Letztere müssten geschossen werden, um die geringe Hasen-Population zu schützen. "Die Jagd ist mehr als nur der Jagdschein. Wir tun etwas für die Gesellschaft." Wittke erinnerte daran, dass die Jagdsteuer reduziert worden sei und bis 2013 abgeschafft werde. Als Gegenleistung verpflichten sich die Jäger zur Bergung von Unfallwild.
Hans-Werner Schäfer erinnerte an Ausgleichszahlungen, die jährlich an über 600 landwirtschaftliche Betriebe für Fraßschäden an Grünland und Getreide gezahlt werden: "Auf rund zwei Millionen Euro pro Jahr beläuft sich die Summe, die NRW aus Naturschutzmitteln zahlt. Wildgänse richten sehr viel an." Laut Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung in Bonn werden heute im küstenfreien NRW mehr Grau-, Kanada- und Nilgänse erlegt als in jedem anderen Bundesland. Daher habe die "drastische Einschränkung" der Jagd auch Konsequenzen für die Bauern. Landwirt Falk Steinmann sagte: "Ich habe sehr viel Schwarzwild auf meinem Grünland. Wenn die Gesetzes-Novelle durchkommt, kann ich das Grünland wohl gar nicht mehr nutzen." Was Jägern und Landwirten ebenso sauer aufstieß sind die Forderungen der Natur- und Tierschutzverbände "NABU" und BUND". Eine Jagdausübung und Wildhege werde, so schätzte es Hans-Werner Schäfer ein, nicht nur in Frage gestellt, sondern abgeschafft (siehe Kasten).
Vlothoer Forum Natur könnte gefährdet sein
Bei der gestrigen Runde wurde das BUND-Positionspapier vom März als "Giftpapier" betitelt, das Auswirkungen auf das Vlothoer Forum Natur haben könnte. "Wir haben uns vor zehn Jahren mit heimischen Naturschützern zusammengetan, da uns die Natur am Herzen liegt." Dass nun der BUND von "oben" viele Forderungen an die Jagd knüpfe, sorgte für Unmut. Manch einer sah die Vlothoer Kooperation gefährdet.
Bernd Kortemeyer (CDU) fragte, wie sich die Gesetzes-Novelle aufhalten lasse. "Regen Sie eine öffentliche Debatte an", antwortete Oliver Wittke. Der Landesjagdverband prüfe Klagemöglichkeiten.
Sie mussten ja nicht darauf antworten. Aber im Prinzip treffen die Zitate den Kern der Sache sehr wohl.