Vossieks Mühle klapperte seit 1810 am Forellenbach und war später Hotelbetrieb und Diskothek / Heute Wohnpark
VON OLIVER PLÖGER
Vlotho-Valdorf (va). Ältere Vlothoer bekommen glänzende Augen, wenn sie an Vossieks Mühle denken. Die Gastronomie in wahrhaft uriger Atmosphäre war lange beliebt. Name und Interieur erinnerten schon damals an die noch frühere Geschichte des Gebäudes: Mühlräder und Fotos kündeten von harter Müllerarbeit.
Einst war Vlotho die Stadt der Mühlen. Kein Wunder, der acht Kilometer lange Forellenbach führte von den "Sieben Quellen" am Bonstapel bis zur Einmündung in die Weser immer genügend Wasser. Und schon Wilhelm Meyer, Altverleger des Vlothoer Anzeigers, sprach von einem Gefälle von "vorzugsweise 200 Metern", das das Gewässer "zudem noch kraftvoll in Wallung" brachte. 20 Wassermühlen soll es zu Beginn des 19. Jahrhunderts deshalb hier gegeben haben. Die Mühle Vossiek war jünger, wurde 1810 von Zimmermeister Schröder erbaut. Zunächst als Graupen- und Bokemühle, ab 1819 nur noch als Mehlmühle, oder wie die Vlothoer sagten "Siekmühle." Dieser Name, so wiederum Wilhelm Meyer, sei eine Zuordnung zum Namen Siekmeier, der - und da wären wir wieder beim Erbauer - Schröder genannt wurde.
1830 ging die Mühle an den Müller Sasse, 1898 schließlich an Heinrich Vossiek über, der aus Halle zugewandert war. Er betrieb die Mühle einige Jahre in der angestammten Form, modernisierte 1913 aber grundlegend: für 45 000 Reichstaler errichtete er einen Neubau mit modernen Mahl-stühlen. Wilhelm Meyer: "Insofern hatte er den Kundenmühlen, so die gebräuchliche Bezeichnung, weil die Bauern ihr Getreide zur Zerkleinerung anlieferten, manches voraus. Die Bauern aber gingen immer mehr davon ab, ihr Brot selber zu backen und verzichteten auf die ausschließliche Verfütterung ihrer Getreideerzeugnisse."
Die Folge war absehbar: die "Kundenmühlen" wandelten sich zu "Handelsmühlen": sie mussten Getreide einkaufen und ihre Kunden - Bäckereien und Konditoreien - auf "geschäftsmännischer Basis" (Meyer) beliefern. Von der Vossieks Mühle aus waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Pferdefuhrwerke und schließlich auch ein Lastwagen im Einsatz. "Ich habe dort noch 1952 Kleie geholt", erinnert sich der Vlothoer Walter Bätz. Doch auch Vossiek konnte mit den immer größer und einflussreicher werdenden Großmühlen nicht mehr mithalten. Wie bei vielen Vlothoer Mühlen hatte das Klappern bald ein Ende. Das Gebäude blieb im Besitz der Familie, Vossieks machten die Mühle ab 1958 zur Gaststätte und Diskothek. "Mühlenkeller" und Hotel wurden weit über die Grenzen Vlothos hinaus bekannt und waren - wie es der Vlothoer Journalist Bodo Kohlmeyer betonte - "bis in die 80er-Jahre eine gastronomische Attraktion."
Heute ist das ehemalige Hotel ein modernisierter und anspruchsvoller Wohnkomplex. Und wer genau hinsieht, ahnt die große Vergangenheit.
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