Der Gutachterausschuss: 50 Jahre am Puls des Immobilienmarktes / Aktueller Bericht für den Landkreis Nienburg
Gerd Ruzyzka-Schwob, Dezernatsleiter für Wertermittlung und Bodenordnung in der Regionaldirektion Sulingen des LGLN, stehen 33 ehrenamtliche Gutachter zur Seite. "Es handelt sich um fachkundige Ingenieure, Architekten und Makler sowie Steuer- und Finanzfachleute, die je nach Bedarf in wechselnden Konstellationen tätig werden", erklärt er.
Der jährliche Grundstücksmarktbericht informiert seit 50 Jahren über Umsätze, Preisniveau und Preisentwicklung im Grundstücksverkehr in den Landkreisen Nienburg und Diepholz. "Rund 4800 Kaufverträge wurden ausgewertet - etwa ein Prozent mehr als im Vorjahr", erklärt der Dezernent. "Der Geldumsatz beträgt im Zuständigkeitsbereich 427 Millionen Euro und ist damit nochmals um rund sechs Prozent gestiegen."
In mittlerweile 1000 Bodenrichtwertkarten wurden etwa 40000 Bodenrichtwerte beschlossen, die den Grundstücksmarkt für alle Beteiligten transparent machen, erläutert Ruzyzka-Schwob weiter. Seit 1962 hat der Gutachterausschuss rund 16000 Expertisen über den Wert bebauter und unbebauter Grundstücke verfasst, die für Erbschaftsregelungen, Ehescheidungsverfahren, steuerliche Bewertungen, Zwangsversteigerungen, Enteignungen und vieles mehr benötigt wurden.
Bis zu 60 Euro in Stolzenau und Uchte
Im Südkreis Nienburg sind die günstigsten Bodenrichtwerte für Bauland in Voigtei und anderen kleinen Orten mit zehn Euro je Quadratmeter beschlossen worden. Am höchsten sind die Richtwerte in Stolzenau und Uchte mit bis zu 60 Euro je Quadratmeter. In den kleineren Orten ist ein annähernd stabiles Preisniveau für Bauland festzustellen.
"Durch den demografischen Wandel mit stetigem Bevölkerungsrückgang ist eine Belebung des Baulandmarktes insbesondere im ländlichen Raum schwierig", sagt Gerd Ruzyzka-Schwob. "Hier ist das Angebot häufig größer als die Nachfrage - Beispiele zeigen aber, dass bei geschickter Planung und Vermarktung auch heute noch Baugebiete erfolgreich umgesetzt wurden."
Aufgrund der großen Nachfrage nach Ackerland sind die Preise gegenüber dem Vorjahr im Südkreis Nienburg noch mal durchschnittlich um etwa 14 bis 18 Prozent gestiegen. Grünland weist hingegen ein weitgehend stabiles Wertniveau auf. Die höchsten Nienburger Ackerlandrichtwerte findet man in der Wesermarsch um Stolzenau mit 2,70 Euro.
Erstmalig flächendeckend ausgewiesen sind Bodenrichtwerte für forstwirtschaftliche Flächen ohne aufstehenden Baumbestand, diese betragen im südlichen Teil des Landkreises Nienburg 0,35 bis zu 0,40 Euro je Quadratmeter.
Im Landkreis Nienburg ist die Zahl der verkauften bebauten Baugrundstücke von 642 auf 599 etwas gesunken. Neben gewerblichen Immobilien und Mehrfamilienhäusern handelt es sich überwiegend um frei stehende Ein- und Zweifamilienhäuser, Reihenhäuser und Doppelhaushälften. Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser haben sich gegenüber dem Vorjahr als weitgehend stabil erwiesen.
Jährliche Berichte auch im Abonnement
Im Landkreis Nienburg kostet ein Haus der jüngsten Baujahrsgruppe außerhalb der Kreisstadt im Mittel 166000 Euro statt 172000 Euro im Vorjahr. Für Nachkriegsbauten der Baujahre 1946 bis 1969 liegt der Mittelwert bei 81000 Euro.
Der jährlich erscheinende Grundstücksmarktbericht kann in den Dienststellen des LGLN, Regionaldirektion Sulingen, in Sulingen, Nienburg und Syke von jedermann eingesehen und zum Preis von 50 Euro erworben werden. Im Internet steht er unter
www.gag.niedersachsen.de gebührenpflichtig zum Download bereit.
Auch Bodenrichtwerte werden jährlich vom Gutachterausschuss beschlossen und von der Geschäftsstelle im digitalen Bodenrichtinformationssystem erfasst. Im Internet stehen sie unter
www.gag.niedersachsen.de gegen eine Gebühr von fünf Euro bereit. Kostenlose Informationen zur Höhe der Bodenrichtwerte gibt es in der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses.