Die Eltern sollten dabei in die Rolle ihrer Kinder schlüpfen. Sie sangen gemeinsam mit den Schauspielern das Lied "Mein Körper der gehört mir allein; Du bestimmst über dein´ und ich über mein´", stellten Fragen, gaben Antworten, wie es auch die Kinder machen, wenn sie in den kommenden Wochen das Stück sehen werden.
Markus Brockmeyer und Andrea Hanheide zeigten mit Geschichten aus dem Alltag und Dialogen in kindgerechter Sprache, wie Situationen sexuellen Missbrauchs entstehen können und welche Möglichkeiten es gibt, damit umzugehen.
Da ist der Nachbar, der zunächst freundlich dem Jungen das Tennisspielen beibringen will, ihm dann aber unvermittelt an den Po fasst. Eine weitere Szene ist die gespielte Begegnung eines Kindes, das sich im Internetchat mit einem anderen Kind im Park verabredet und statt dessen an einen Mann gerät, der nicht Gutes im Sinn hat. Auch der Verwandte, der dem Kind sehr oft in bedrängender Weise zu nahe kommt, wird in Szene gesetzt.
In der Interaktion beschreiben die Zuschauer ihre Gefühle, erzählen auch von sich und was sie selbst in alltäglichen Situationen erleben. Darf man der Oma ein "Nein" entgegensetzen, wenn man die nassen Küsse nicht mag, wurde auch in diesen Zusammenhang gestellt? An wen kann man sich wenden, wenn man ein ungutes Gefühl hat und auch von manchen Erwachsenen, denen man von seinem Kummer erzählt, nicht ernst genommen wird?
Das Stück gibt Antworten auf diese und andere Fragen und vermittelt den Kindern, wie sie sich in solchen Situationen verhalten können. Drei Fragen werden an die Hand gegeben, um für sich selbst Entscheidungen treffen zu können.
Drei Fragen für zweifelnde Kinder
Die erste Frage: Habe ich ein Ja - oder ein Neingefühl in einer bestimmten Situation? Die zweite Frage: Weiß jemand, wo ich bin, wenn ich beispielsweise zu einem Nachbarn nach Hause eingeladen werde? Und die dritte Frage: kann ich sicher sein, dass ich Hilfe bekomme, wenn ich welche brauche? Beantwortet sich das Kind nur eine dieser Fragen mit "nein", so soll es sich der Situation besser entziehen oder an eine vertraute Person wenden.
Einem Zuschauer ging das Stück nicht weit genug. Er regte an, doch viel früher schon gegen die Ansätze von sexuellem Missbrauch zu intervenieren und dies auch in dem Theaterstück mehr herauszuarbeiten.
Dem setzten die Theaterpädagogen entgegen, dass es keineswegs Absicht sei, von vornherein schlechte Gefühle zu implizieren. Sicherlich sei es schön und wichtig, wenn der Opa mit dem Kind auf dem Schoß kuschelt und auch der Nachbar dürfe Kinder weiterhin ansprechen.
Klar sei aber auch, dass sexueller Missbrauch fast nie spontan passiert, sondern sich meist langsam entwickelt und vorbereitet wird. Es helfe nur, Kinder durch Wissen zu stärken und ihnen Strategien zu vermitteln, wie man sich verhalten kann, wenn jemand die eigenen körperlichen Grenzen überschreitet.
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