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03.05.2012
Angst bleibt der Begleiter beim Gassigehen
Nach Beißattacke geht das Ehepaar Puppe mit Snoopy nur noch ungern spazieren / Stadt stellt Hundehalter Auflagen
VON ANNE-LENA JASCHINSKI

Bad Oeynhausen (va). Gabriele und Armin Puppe wissen nicht mehr weiter. "Wir fühlen uns auf unserem eigenen Grundstück nicht mehr sicher", sagt das Ehepaar. Der Grund, warum die Puppes nur noch ungern in ihren Garten gehen, wohnt ein paar Häuser weiter, hat vier Pfoten, eine imposante Statur und einen ausgeprägten Hüteinstinkt. Bereits mehrmals kam es mit der Kangal-Hündin des Nachbarn zum Eklat. Doch die Hoffnung auf Hilfe durch die Stadt haben die Puppes aufgegeben.

Ihren Mischlingshund Snoopy lassen Armin und Gabriele Puppe nicht mehr alleine in den Garten. Zum Gassigehen nehmen sie Pfefferspray mit. Vom Ordnungsamt fühlen sie sich mit ihrer Angst nicht ernst genommen. Foto: Anne-Lena Jaschinski

Es ist der 31. Juli 2011. Armin Puppe geht mit dem Familienhund Snoopy spazieren. Plötzlich schießt die Kangal-Hündin Bella vom Grundstück ihres Besitzers auf den Mischling zu, beißt ihn in Rücken und Bauch. Armin Puppes Rufe und Schläge mit der Leine bringen nichts. Auch, als ein herbeigeeilter Nachbar Snoopy auf den Arm nimmt, lässt der Kangal nicht ab. "Unser Hund hat sich dann nach Hause geflüchtet und der Nachbarshund hinterher. Der Besitzer hat ihn nicht eingefangen bekommen", erinnert sich Armin Puppe.

Zusammen mit seiner Frau meldet er den Vorfall dem Ordnungsamt. Das stellt dem Besitzer des Kangalen Auflagen. Die Hündin muss außerhalb ihres Grundstücks eine Leine tragen. Außerdem muss der Besitzer durch eine entsprechende Einzäunung seines Grundstücks dafür sorgen, dass seine Hündin nicht stiften geht. "Leider hält sich unser Nachbar nicht an die Auflagen", sagt Gabriele Puppe. "Der Kangal war mehrmals in unserem Garten. Snoopy lassen wir alleine gar nicht mehr hinaus und zum Gassigehen nehmen wir Pfefferspray mit."

Kangalen sind eine Variante des Anatolischen Hirtenhundes, einem Herden- und Hütehund aus der Türkei. Die Tiere gelten als sehr dominant und müssen in ihrer Heimat oft eigenständig handeln. "Umso wichtiger ist eine adäquate Beschäftigung und konsequente Erziehung", sagt Hundetrainer Achim Rahe vom Pfotendorf. Diese Hunde hätten einen ausgeprägten Schutzinstinkt und verteidigten ihr Territorium aufs äußerste. In einigen Bundesländern sind Kangalen bereits auf der Rasseliste geführt und gelten somit als potentiell gefährlich.

An der Situation der Puppes änderte sich nichts. Auch nicht, nachdem sie sich wiederholt bei der Stadt beschwert hatten, weil die fremde Hündin in ihrem Garten stand oder ohne Leine spazieren lief. "Wenn wir uns beschwerten sagte man uns, wir sollen einfach darauf vertrauen, dass sich unser Nachbar an die Auflagen hält", sagt Gabriele Puppe. "Wir fühlen uns mit unserer Angst nicht ernst genommen." Erst, als bei einem weiteren Vorfall die Polizei eingeschaltet wurde, reagierte das Ordnungsamt. "Es stellte die Gefährlichkeit des Hundes fest", heißt es in einem Schreiben des von den Puppes eingeschalteten Anwalts, der Einsicht in die Akten beantragt hatte.

Dem Besitzer wurde das Halterecht für die Hündin entzogen, er darf ihn außerhalb seines Grundstücks nicht führen. Allerdings hat das Ordnungsamt nun seiner Lebensgefährtin, die mit ihm zusammen wohnt, das Halterecht zugesprochen. "Wir haben geeignete Maßnahmen getroffen. Der Kangal muss an der Leine geführt werden und einen Maulkorb tragen", sagt ein Sprecher der Stadt. "Wir führen auch zielgerichtete Kontrollen durch, ob die Auflagen eingehalten werden."

Mittlerweile haben ihre Nachbarn einen zweiten Kangalen angeschafft, bedauern die Puppes. "Wir haben keine Angst vor Hunden und sind nicht auf Streit aus, aber wir und auch andere Nachbarn fühlen sich in unserer Straße nicht mehr sicher. Muss den erst etwas passieren, bis das Amt eingreift?"

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Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 02.05.2012 um 23:10:31 Uhr

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