Grausamkeiten gegenüber Heimkindern in den 50er- und 60er-Jahren auch im Wittekindshof / Betroffene klagt an
Was Hildegard Neumeyer als Heimkind auf dem Wittekindshof erlebte, lässt sich kaum verarbeiten. Nach vielen Jahren sucht sie nun die Öffentlichkeit. Möchte aufmerksam machen auf die Grausamkeiten in den 50er- und 60er-Jahren, die so oft unter den Tisch gekehrt wurden. Nun, nach vielen Jahren, verspricht auch der Wittekindshof selbst schonungslose Aufklärung. "Das Thema war lange tabuisiert", sagt Prof. Dr. Dierk Starnitzke. Der Vorstandsprecher weiß, warum: "Es war ein Makel für die Anstalt."
Zehn Jahre lebte die heute 63-Jährige als Heimkind in der Diakonischen Einrichtung in Volmerdingsen. Inzwischen ist sie verheiratet, hat Kinder und wohnt in Bayern. "Ich war elf, als ich 1956 aus einem Kinderheim bei Lünnen auf den Wittekindshof verwiesen wurde", sagt Hildegard Neumeyer. Warum - das ist für sie nicht mehr nachzuvollziehen. Zehn Jahre Wittekindshof, von denen vor allem die ersten fünf Jahre Spuren hinterlassen haben: "Ich wurde von einer freien Schwester betreut", sagt Neumeyer. Was sie mit der erlebt habe und erleiden musste, habe weder etwas mit Liebe noch mit Engagement zu tun gehabt. "Sondern ausschließlich mit Menschenverachtung, Sadismus und permanenten Teufeleien." Da sei es kein Wunder, dass sie ein verstocktes, ängstliches Kind gewesen sei.
"Immer wieder gab es Schläge mit dem Kleiderbügel auf den Rücken - selbst bei nichtigsten Anlässen. Es wurde uns der Kopf auf den Holztisch geschlagen, wenn in der Mittagspause geredet wurde. Oder wenn wir uns widersetzt haben, wurde uns ein Medikament gespritzt. Danach war man benommen und nicht mehr handlungsfähig", beschreibt sie das Erlittene.
Im Gera-Haus hat die 63-Jährige damals gewohnt. Zusammen mit 20 anderen Kindern musste sie sich einen Schlafsaal teilen. "Irgendwann habe ich mal aus Versehen eine Puppe kaputtgemacht."
"Umgang mit Kindern ganz eindeutig anders"
Die Folgen waren fürchterlich. "Die Schwester hat mich in das Besinnungsstübchen gesteckt", erzählt Hildegard Neumeyer, und die sonst so resolute Stimme wird leise. Das sei ein Raum unterm Dach gewesen, das Fenster dunkel übermalt. "Ich war elf Jahre alt und wollte einfach nur sterben." Ein Schluchzen unterbricht den Satz, Tränen kullern. Es dauert einige Zeit, dann hat sich die 63-Jährige wieder gefangen. Leise erzählt sie davon, dass sie deshalb das Essen verweigert habe. "Aber ich wurde festgehalten und alles zwangsweise in mich hineingeschaufelt. Selbst Erbrochenes."
Mehrfach hat Hildegard Neumeyer das Gespräch mit den Verantwortlichen des Wittekindshofes gesucht. Zuletzt unter dem ehemaligen Vorstandssprecher Pfarrer Horst Ritter. Zufrieden ist sie mit dem Ergebnis ihrer Besuche nicht. "Ich möchte noch einmal das Gespräch suchen", sagt sie. Und trifft damit beim jetzigen Vorstandssprecher Starnitzke auf offene Ohren. Wobei er die konkreten Vorwürfe von Hildegard Neumeyer weder bestätigen noch dementieren kann. "Ich war nicht dabei. Aber sicherlich ist so etwas leider immer mal wieder passiert."
Vor allem in den 50er- und 60er-Jahren sei Gewalt in der Erziehung gängig gewesen. "Der Umgang mit Kindern war ganz eindeutig anders als heute", sagt der Pfarrer. Er selbst habe 1970 noch Prügel vom Lehrer in der Schule bezogen. Wobei man heute mit Skepsis auf diese Methoden blicke. "Wir können solche Erziehung nicht mehr gutheißen", sagt Starnitzke. Durch die damaligen Rahmenbedingungen (zu wenig qualifiziertes Personal) sei es oft zu Überforderungen gekommen - die Lösung waren Schläge. "Das ist aber keine Legitimation. Aber vielleicht kann man es dadurch erklären", sagt er. "Weil so etwas nicht mehr vorstellbar ist."
Hildegard Neumeyer jedenfalls setzt alles daran, auch das letzte Detail aufzuarbeiten. "Ich habe diese Jahre lange verdrängt", sagt sie. "Weil sie mich sehr belasten." Doch nun sei es an der Zeit, sich damit auseinanderzusetzen.
Über Gewalt gegen Kinder schweigt die Aktenlage
2012 feiert der
Wittekindshof 125-jähriges Jubiläum. Bis dahin soll und will der
Historiker Prof. Hans-Walter Schmuhl mit Assistentin Dr. Ulrike Winkler
die Chronik fertig haben. Er ist Spezialist für Diakoniegeschichte und
hat die dunklen Kapitel der Evangelischen Stiftung Volmarstein und
Bethel Freudenstadt aufgearbeitet. Für die Arbeit auf dem Wittekindshof
sucht Schmuhl unter anderem das Gespräch mit Betroffenen – Mitarbeiter
und Bewohner – und bekommt alle Unterlagen der Einrichtung. "Schläge
wurden damals nicht in Akten aufgenommen", sagt Dierk Starnitzke. So
etwas würde sich nur über Gespräche herausfinden lassen. Schmuhl, so
Starnitzke, sei extern und unabhängig und würde nichts unter den Tisch
kehren. Das zeige die schonungslose Offenlegung seiner Arbeit in
anderen Einrichtungen. (nisi)
verschiedene Sachen erzählt haben. Zum beispiel wurden die Mädchen auf den Wittekindshof (Gerahaus) ebenso auf deutsch gesagt mißhandelt.
Sie wurden mit einer Radioschnur verhauen.
Und teilweise bekamen sie sogar zur Nacht eine
Zwangsjacke um, damit die nicht auf Toilette konnten. Und bekamen obendrein noch schläge
Wie das Bett voll war.Bei den Jungs war es auch nicht anders. Den wurde in den Rippen geboxt.
Wie die Nachts zur Toilette wollten, bekamen sie
Schläge mit den Handfeger. Wer das lesen tut, sollte sich nicht scheuen da ein Kommentar Abzugeben. Wen das einer lesen tut, kommt es bestimmt bekannt vor. Also scheut euch nicht.