Gesamtbetriebsratsvorsitzender bekommt Besuch von Detektiven / Manteltarifverhandlungen als Grund vermutet
"Diese Bespitzelung verfolgt offensichtlich das Ziel, Roland Thomae strafrechtlich relevante Verfehlungen anzuhängen und ihn mit einer fristlosen Kündigung aus dem Unternehmen zu treiben", vermutet Verdi-Bezirksgeschäftsführer Werner Linnemann. "Und auch die Kollegen wurden zur Bespitzelung von Herrn Thomae aufgerufen", so Linnemann weiter.
Seit zwölf Jahren ist er Gesamtbetriebsratsvorsitzender der drei Klinikstandorte in Bad Oeynhausen und Bad Salzuflen. Die gehören zur Marx-Median-Gruppe.
Andreas Finkel, Verwaltungsdirektor der Median-Kliniken, wollte am Donnerstag mit Hinweis auf das schwebende Verfahren zu den Bespitzelungsvorwürfen nichts sagen. Belegen kann Roland Thomae die Aktivitäten der Detektei anhand von Protokollen, die er mit der fristlosen Kündigung erhalten hat. Gegen die geht Thomae nun gerichtlich vor. Er lässt auch zivilrechtliche Schritte gegen seinen Arbeitgeber prüfen. Das arbeitsrechtliche Verfahren liegt zurzeit beim Arbeitsgericht Minden. Doch da prüfen die Richter, ob sie sich für befangen erklären. Denn Roland Thomae ist dort seit mehreren Jahren als ehrenamtlicher Richter tätig.
Der Ton zwischen ihm und der Betriebsführung sei Mitte 2008 rauer geworden. "Ab Oktober habe ich keine Antwort mehr auf meine Briefe erhalten, und mir wurde vor Zeugen gedroht", berichtet Thomae.
Laut Protokoll der Detektei hat die Observierung von Roland Thomae und seiner Familie am 21. November 2008 angefangen. "Am 4. Dezember hat mich mein Sohn gefragt: ,Papa, merkst du was?`" Seit etwa anderthalb Jahren tauchten Leute bei ihm auf und befragten die Nachbarn, schilderte der Sohn seinem Vater. Zwei Tage später wurde es dann auch Roland Thomae schlagartig klar. "Schon auf dem Heimweg fiel mir der Wagen der Detektive auf." Zu Hause angekommen, zog er sich um, setzte sich ins Auto und fuhr "in der Gegend herum". Der Wagen verfolgte ihn von seinem Wohnort in Bad Salzuflen bis nach Detmold. "Auch diese Verfolgung findet sich im Protokoll der Detektei wieder", so Thomae.
Als Höhepunkt der Bespitzelung bezeichnet er die Vorgänge an Heiligabend. "Um 4.30 Uhr klingelte unser Telefon, ich kam nicht so schnell ans Telefon, sodass unser Anrufbeantworter ansprang."
Im Protokoll der Detektive liest sich die Situation so: "Die Zielperson war telefonisch nicht erreichbar, die Rollläden waren geschlossen. 4.45 Uhr Aufnahme der Überwachung. Um 10.30 Uhr suchte der Sachbearbeiter das Zielobjekt auf und fragte mithilfe einer sachdienlichen Legende die Frau, wo denn ihr Mann sei."
"Was haben meine Frau und meine Kinder mit den angeblichen Vorwürfen gegen mich zu tun?", fragt Thomae. Vorgeworfen wird dem Betriebsratsvorsitzenden, er habe seine Arbeitszeiten nicht eingehalten und drei Dienstfahrten nicht richtig abgerechnet. Der angebliche Schaden: 11,20 Euro.
Als Hintergrund der Bespitzelung vermutet Verdi die Manteltarifverhandlungen, an denen Roland Thomae maßgeblich beteiligt ist. "Wir waren in der Lage, Druck auf den Arbeitgeber auszuüben", erklärt Volker Hoppmann (Verdi). Seit Herbst hat der Betriebsrat die Dienstpläne der Klinikärzte abgelehnt, weil die Bereitschaftszeiten nicht als Dienste enthalten waren.
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