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28.05.2011
SONDERSEITEN TRAUER
Den Abschied individuell gestalten
Trauerfeier: Von der Wahl der Kapelle bis zur Trauerrede / Weltliche und religiöse Varianten
VON SABINE OTTERBECK

Minden (mt). Ist ein geliebter Mensch gestorben, sind viele Dinge auf den Weg zu bringen. "Das ist für die Hinterbliebenen inmitten ihrer Trauersituation natürlich nicht einfach", sagt Andreas Fechner vom Mindener Bestattungsinstitut Heinrichsmeier. Einen wichtigen Aspekt bilde die Trauerfeier als zentraler Moment des Abschiednehmens.

Auch christliche Symbole wie Kreuze sind zu finden.

Damit wird die Gedenkzeremonie zur Beerdigung oder zur Beisetzung bezeichnet", so Fechner. Grundsätzlich müsse man zwischen einer weltlichen und einer religiösen oder glaubensgerichteten Trauerfeier unterscheiden. Eine weltliche Trauerfeier orientiert sich an den nichtreligiösen Bedürfnissen und Lebensauffassungen des Verstorbenen bzw. seiner Angehörigen. Entsprechend wird oft bewusst auf liturgische Gestaltungsmerkmale einer glaubensgerichteten Feier verzichtet.
Kerzen haben eine große Symbolkraft. | Fotos: gms


Nach Abstimmung können verschiedene rituelle Gesten wie die Einbringung von Blumen in die Trauerfeier einfließen.

Geht man mit Blick auf die weltliche Trauerfeier jedoch ins Detail, werden auch dort bestimmte Riten und Rituale in den Ablauf integriert, die liturgischen Ursprungs sind. Dazu Andreas Fechner: "Man verwendet für die weltliche Trauerfeier einen ähnlichen Ablauf, wie bei einer religiösen, der sich als Wechselspiel aus Stille, Musik und dem gesprochenen Wort (Nekrolog) charakterisieren lässt." Die Ausgestaltung mit mehr oder weniger symbolträchtigen Devotionalien (Schmuck und Dekorationen mit teilweise symbolischer Bedeutung wie beispielweise Kerzen) spiegelt sich ebenso wieder wie Gesten der Trauerbewältigung. Letztere werden meist individuell mit den Hinterbliebenen abgesprochen und fließen als Bestandteil der Trauerfeier mit ein.

Entstanden ist die weltliche Trauerfeier mit der Kirchenaustrittsbewegung im 19. Jahrhundert aus praktischer Notwendigkeit. "Sie versteht sich jedoch nicht als Konkurrenz zur Religion, sondern als Bedürfnis von Menschen in nahezu jeder Gesellschaft, nach Ritualen in Grenz- und Übergangssituationen", führt der Bestatter aus. Das Gegenstück zur weltlichen Trauerfeier wäre somit die Absage an jegliche Feierlichkeit. "Keine Feier" wäre eine zwischenmenschlich nicht inszenierte, nicht individuell gestaltete Verbringung eines Leichnams oder der letzten menschlichen Überreste etwa auf einem Friedhof - auch dort ohne zeremonielles Denken. Die Nachfrage nach weltlichen Trauerfeiern steigt nach Aussage des Bestattungsunternehmens mit Sitz am Holzweg 2 auch in der Region. "Diese Art der Trauerfeier macht inzwischen rund ein Drittel aus", sagt Inhaber Reiner Wehrmann.

Info
www.mt-trauer.de

Bei einer christlichen Trauerfeier wird zwischen evangelischen und katholischen unterschieden, auch wenn viele Abläufe und Gestaltungsmöglichkeiten aus einer Liturgie stammen. "Die evangelische Trauerfeiern und Bestattungen stehen im Zeichen der Hoffnung auf Gott als Ursprung und Ziel des Lebens", beschreibt Fechner. Sich gegenseitig beizustehen, wenn der Tod in das Leben hereinbricht, gehört zu den großen Aufgaben christlicher Gemeinden. Die Trauerriten der Kirche erweisen sich vor diesem Hintergrund als oft jahrhundertealte Vorgänge. "Das gilt etwa für Gebete, die schon die Urgroßeltern am Grab getröstet haben", so Fechner. Sie gäben vielen Menschen dort Rückhalt, wo er am meisten benötigt wird. Außerdem böten Gebete und Lieder die Möglichkeit einer gemeinsamen Sprache gerade dort, wo der Tod sprachlos macht. "Sie sind außerdem Ausdruck eines liebevollen, von Hoffnung getragenen Abschieds."

Liturgisch steht bei der katholischen Trauerfeier die Verkündigung des Evangeliums im Vordergrund. "Die Persönlichkeit des Verstorbenen und dessen Lebensweg wird jedoch ebenfalls erwähnt", informiert Fechner. Das auf das Urchristentum zurückgehende Totengebet der römisch-katholischen Kirche soll den Verstorbenen Gott anempfehlen. Traditionell werden Bußpsalmen gebetet.

Dass die Trauerkultur im Wandel ist, zeigt ein Blick auf weitere Abschiedszeremonien. "Noch im 20. Jahrhundert kam man vielerorts an den drei Abenden vor der Beerdigung im Haus des Verstorbenen zusammen und betete im Kreis von Familie, Nachbarn und

Freunden den Rosenkranz", sagt Andreas Fechner. Mit dem Überführen des Leichnams in die Friedhofskapelle wird heute in den Gemeinden das Totengebet oft durch Vorbeter oder Gottesdienstbeauftragte gestaltet, die einen Wortgottesdienst oder eine Andacht mit den Gläubigen in der Kirche halten. "Häufig geht ihm ein Vaterunser oder ein Ave Maria voraus." Es diene auch als Abschluss der meisten anderen Totengebete. Außerdem kommt es im Schlussteil der Beisetzungsfeier vor.

"So individuell ein Mensch und seine zwischenmenschlichen Beziehungen sind, so individuell kann man seinen Abschied gestalten", resümiert Fechner. War es früher der tragende Gedanke, sich von der Liturgie beschränken zu lassen, entfalte die moderne Trauerkultur viele Möglichkeiten, ethische, moralische und religiöse Vorstellungen zu integrieren. "Die Trauerfeier selbst lässt uns als Hinterbliebene zusammenkommen, um zu gedenken, uns zu erinnern und uns zu verabschieden."

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 27.05.2011 um 01:16:40 Uhr

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