Donnerstag, 09.09.2010
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26.02.2010
Smartphone statt Handy
Mobilfunk-Branche rüstet sich für den Boom der Datendienste

Barcelona (dpa). Die Mobilfunkbranche rüstet sich für den Durchbruch von Datendiensten auf dem Handy. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Software, die Mobiltelefone nützlicher machen soll.

Das Handy wird zum Alleskönner. Schon jetzt werden viele Zusatzfunktionen genutzt, mit der raschen Verbreitung der Smartphones wird auch die Internetnutzung deutlich zunehmen.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona wurden am Montag mehrere wichtige Allianzen angekündigt, die das Kräfteverhältnis in der Mobilfunk-Industrie verändern sollen. So taten sich Nokia und Intel zusammen, um mit einer neuen Software ein Komplettangebot über nahezu alle elektronischen Geräte hinweg zu bieten, vom Handy über Unterhaltungselektronik wie Fernseher bis hin zu Autoradios. Die Vision für das Betriebssystem mit dem Namen MeeGo ist, dass Nutzer überall auf ihre Programme und Daten zugreifen können. Nokia-Topmanager Anssi Vanjoki versprach, MeeGo werde nichts geringeres als "die nächste Computergeneration" sein. Nokia ist der weltgrößte Handy-Hersteller und Intel der mit Abstand führende Chipproduzent.

2009 war jedes siebte verkaufte Handy ein Smartphone. In diesem Jahr dürfte es bereits mindestens jedes vierte sein. Im kommenden Jahr wird schätzungsweise deutlich mehr als eine halbe Milliarde Menschen unterwegs mit Breitband-Verbindungen im Internet sein.

Programme für das Handy, sogenannte Apps, werden dabei immer wichtiger. Im Moment gibt es jedoch mehrere verschiedene Plattformen, die nicht miteinander kompatibel sind. So kann zum Beispiel ein Programm für Apples iPhone nicht ohne zusätzliche Programmierer-Arbeit auf Handys mit Googles Betriebssystem Android oder Nokias Symbian-Telefonen laufen.

Um die Spaltung zu überwinden, wurden in Barcelona gleich mehrere Projekte angekündigt. Zum einen gründeten 24 Mobilfunk-Anbieter, darunter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica, die "Wholesale Applications Community", die plattformübergreifend funktionieren soll. Zum anderen versammelte der Softwarekonzern Adobe große Mobilfunkpartner hinter seiner Programmierplattform "Air".

Damit könnte die Konkurrenz für Apple zunehmen. Der iTunes App Store des iPhone-Konzerns machte den Anfang für den Trend – und ist bisher auch der erfolgreichste mit mehr als drei Milliarden Downloads. Bei iTunes heruntergeladene Programme laufen aber auch nur auf Apple-Geräten.

Microsoft kündigte ein neues Smartphone-Betriebssystem an, mit dem der Windows-Riese zur neuen Konkurrenz aufholen will. In Geräten mit der neuen Software Windows Phone 7 wird unter anderem der Mediaplayer Zune integriert, mit dem der Softwarekonzern in den USA gegen Apples populäre iPods angetreten war. Die Smartphones sollen zudem auch als mobile Spielekonsole dienen. Erste Geräte mit Windows Phone 7 werden in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen.

Die Netzausrüster bereiten sich unterdessen auf die Explosion der Datenmengen im Mobilfunk vor. Smartphones und mobile Computer benötigen viel höhere Netz-Kapazitäten als zuvor. Ein Youtube-Video entspricht zum Beispiel 500 000 SMS. Bis 2015 werde sich die Zahl der Nutzer von mobilen PCs versechsfachen und der von ihnen produzierte Datenverkehr werde im Vergleich zu 2009 um das 50-fache anwachsen, erwartet der weltgrößte Netzwerk-Ausrüster Ericsson.

"Wir glauben, dass wir in den nächsten fünf Jahren drei Milliarden neue mobile Breitbandnutzer sehen werden", sagte Ericsson-Chef Hans Vestberg. Die Mobilfunkwelt steht deshalb an der Schwelle zu Netzen der nächsten Generation. Ericsson zeigt in Barcelona eine Testversion des UMTS-Nachfolgers LTE mit einer Übertragungsrate von einem Gigabit pro Sekunde. Das übersteigt bei weitem, was herkömmliche Festnetzanschlüsse, der heutige UMTS-Datenfunk und auch die ersten LTE-Verbindungen leisten.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2010
Dokument erstellt am 26.02.2010 um 17:47:42 Uhr
Letzte Änderung am 26.02.2010 um 19:03:27 Uhr

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