Drei Meter hohe Waschtrommel reinigt im Viertelstundentakt / Follmann festigt Standort Minden
Am gestrigen Donnerstag wurde die neue Anlage, in die das seit 1977 in Minden existierende Unternehmen 1,9 Millionen Euro investiert hat, offiziell eingeweiht.
Kernstück der komplizierten Anlage, die eine mittelgroße Halle füllt, ist hinter gelbem Gitter und Glas eine drei Meter hohe, auf einer Grundfläche von neun Quadratmetern aufgestellte Waschtrommel. In sie werden die sogenannten Produktionsansatzbehälter und Container mit einem Fassungsvermögen von 200 bis 2500 Liter, von ihren Inhaltsstoffen geleert, hineingehoben und für den nächsten Einsatz gereinigt. Der Deckel wird hydraulisch geschlossen und der Waschvorgang beginnt. Waschtemperatur 95 Grad, Kochwäsche also.
"Im Prinzip ist das genau wie bei einer häuslichen Waschmaschine," sagt Stefan Wernecke, der zusammen mit Dr. Thomas Damerau bei der Firma Follmann & Co die Geschäfte führt. Mit speziellen Laugen - bei Follmann werden unterschiedliche 5000 Chemikalien verwendet - werden die Reststoffe im Hauptwaschgang von den Kesselwänden gelöst, dann kommt der Nachspülgang und schließlich wird der Behälter getrocknet. Ein Waschgang dauert 15 Minuten und bei rund 13 000 Behältern und 10 000 Container, auch aus der Produktion der Schwesterfirma Triflex, ist auszurechnen, dass die Maschine fast rund um die Uhr laufen muss.
Sinn der Innovation sind nicht nur eine Verbesserung des Produktionsablaufs, der notwendige Ersatz einer nicht mehr ausreichenden Anlage und neue gesetzliche Vorschriften, sondern Follmann will auch "einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Umweltschutzes leisten". Bei diesem Verfahren kann die Nachbehandlung der Abluft entfallen, bei der durch Verbrennung das Klimagas CO2 entsteht, sagt Damerau. Dies sei ein wichtiger Meilenstein, um Umweltbelastungen so weit wie möglich zu vermeiden.
Dekantierung der Reststoffe
Der Großteil der Behälter wurde bisher weitgehend manuell im Mindener Werk oder bei einem externen Reinigungsunternehmen mit organischen Lösungsmitteln gereinigt. Zukünftig entfällt die aufwendige manuelle Reinigung, ebenso die Transporte per Lkw.
Gemeinsam mit dem Anlagenhersteller Renzmann aus Rheinland-Pfalz wurde in einem Zeitraum von insgesamt sieben Monaten die Anlage erstellt. Zu ihr gehören auch drei Silos, in denen die Waschlauge mit den gelösten Stoffen gereinigt, noch einmal durchspült wird bevor in einem Dekantierbehälter und einer Destillationsanlage die Feststoffe ausgesondert werden. Sie wandern in die Sondermüllverbrennung, das in der firmeneigenen Abwasseranlage zusätzlich behandelte gereinigte Spülwasser kann für den nächsten Waschgang wieder verwendet werden."Wir freuen uns über die Fertigstellung dieses wichtigen Investitionsprojektes, da wir mit dieser Reinigungsanlage die innerbetrieblichen Abläufe vereinfachen und gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag für die Verbesserung des Umweltschutzes leisten", betonte Geschäftsführer Damerau bei der Eröffnung vor zahlreichen geladenen Gästen.
"Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise werden wir auch weiterhin an unserem ambitionierten Investitionsprogramm festhalten, um auch in Zukunft weiter wachsen zu können. Der Standort Minden und die Sicherheit der Arbeitsplätze sind dabei von zentraler Bedeutung," sagte Damerau weiter. Derzeit befinde sich unter anderem eine völlige Neukonzeption der Lager- und Versandlogistik in Planung, mit deren Umsetzung im nächsten Jahr begonnen wird.
Weitere Planung auf vergrößerter Fläche
An der jetzt in Betrieb genommenen Waschanlage habe man 15 Monate geplant. Ursprünglich sei auch ein Grundstück in Päpinghausen in Betracht gezogen worden. Doch als das als Altholzlager genutzte Grundstück in der Nachbarschaft des Firmengeländes zur Verfügung stand, habe man zugegriffen. "Eine gute Fügung," freuen sich Damerau und Wernecke. Und für die noch freien Quadratmeter hat man auch schon Pläne. "Wir sind nach den Rückgängen aufgrund der Krise wieder auf dem Weg nach oben, haben die angemeldete Kurzarbeit früh beenden können und planen keinen neuen Antrag," blicken die Geschäftsführer optimistisch in die Zukunft.
Fakten
1977 von Heinrich Follmann und seinem Sohn Dr. Rainer Follmann
gegründet, spezialisierte sich Follmann & Co zunächst auf
bauchemische Produkte und erweiterte dies 1980 um Druck- und
Beschichtungsmaterialien für dekorative (u. a. Tapeten) und
industrielle Endprodukte. 1984 wurde die Triflex KG gegründet. Von 1988 bis 2004 gehörte auch das bauchemische Unternehmen Alsecco zur Follmann-Gruppe. 2004 wurde ein Tochterunternehmen im russischen Voskresensk gegründet. Dort werden hochwertige Plastisole zur Veredelung von Tapeten produziert und Waren aus der Produktion von Follmann Minden umgeschlagen.
Seit 1998 steht Follmann & Co. gemeinsam mit Triflex unter dem Dach der Follmann Management Holding (FMH). Ihre Gesellschafter sind Dr. Rainer Follmann und sein Sohn Dr. Henrik Follmann.
Die Follmann Co & mbH Co KG setzt mit 276 Mitarbeitern, darunter 250 am Standort Minden (auf einem 62 550 Quadratmeter Gelände an der Karlstraße) 94 Millionen Euro (2008) weltweit mit dem Schwerpunkt auf West- und Osteuropa um. mit 40 Beschäftigten in Forschung und Entwicklung ist der Anteil sehr hoch.
Als "richtungsweisend" wurde das Unternehmen jüngst für seine
formaldehydfreien Klebstoffe in der Massivholzverleimung gelobt.
Triflex ist der führende europäische Spezialist für Flüssigabdichtungen und Kaltplastiken, die Dächer, Balkone und Parkdecks dauerhaft und sicher abdichten. Neuer Einsatzschwerpunkt sollen Abdichtungen bei Windenergie und Solaranlagen werden. (hn)
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