Gott sei Dank hat das Fahrzeug Sicherheitsgurte - in den alten Feuerwehrwagen sind die nämlich nicht standardmäßig vorhanden. Und so wird er schließlich unsanft wieder in den Sitz zurückgedrückt.
Mit einer Armada an Fahrzeugen sind die Männer und Frauen der Berufsfeuerwehr diese Woche zu Kanzlers Weide ausgerückt, um zunächst theoretisch die Eigenheiten der Fahrzeuge unter bestimmten Bedingungen zu pauken und dann selber ins Training einzusteigen. 60 Mitglieder der Berufsfeuerwehr und des Rettungsdienstes setzen anschließend Theorie in Praxis um und üben Vollbremsungen, Wendemanöver und Slalomfahrten. Ein Training, das im Notfall Leben retten kann.
Bei Einsatzfahrten sei das Unfallrisiko sieben Mal höher als bei normalen Touren, erklärt Martin Ruhe, Wachabteilungsleiter und Zugführer bei der Berufsfeuerwehr Minden. Das liegt nicht nur daran, dass bei Notfällen alles schnell gehen muss, sondern auch an den anderen Verkehrsteilnehmer. "Wenn wir mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs sind, müssen wir immer mit dem Fehlverhalten anderer rechnen." Rettungsgassen werden entweder erst gar nicht gebildet, oder ein Autofahrer scherrt in diese aus, um noch eben seine Vordermänner zu überholen - und kommt dabei den Einsatzkräften in die Quere. Manchmal werden auch falsche Beschreibungen vom Unfallort durchgegeben. Dann müssen die großen Fahrzeuge plötzlich in engen Gassen wenden. Da kann auch schon mal die Drehleiter in einer Häuserflucht stecken bleiben.
Beim Bedienen der Einsatzfahrzeuge seien Orientierungssinn und räumliches Denkvermögen gefragt, zählt Wolfgang Friedrich von der Unfallkasse NRW auf. Sie bietet das Fahrsicherheitsprogramm für Feuerwehren an. Eingeladen wurde sie vom Personalrat der Stadt Minden.
Bei der Feuerwehr müsse jeder jedes Fahrzeug fahren können, erklärt Ruhe. "Manchmal ist man 24 Stunden für ein Fahrzeug eingeteilt. In anderen Diensten müssen Kollegen auch schon mal zwischen zehn verschiedenen Einsatzwagen wechseln", sagt der Zugführer. Ein Lkw-Führerschein CE, mit dem 40-Tonner gefahren werden dürfen, ist Voraussetzung. Kristina Bensmann beispielsweise fährt als Mitglied des Rettungsdienstes bei der Berufsfeuerwehr vor allem den Rettungswagen - im Vergleich zu den anderen Feuerwehrautos schon fast ein Mini. Aber bei ihrer Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr muss Bensmann auch die anderen Fahrzeuge bedienen können: "Darum ist so ein Training super." Bis sie ans Steuer darf, muss sich Bensmann aber erst mal in die Fahrzeugschlange einreihen. Denn erst sind zwei Kollegen im Wechselladerfahrzeug mit Abrollbehälter dran.
Auch ohne Gangschaltung alle Hände voll zu tun
Da helfen auch keine Seitenspiegel: Beim Wenden der tonnenschweren und meterlangen Feuerwehrfahrzeuge ist räumliches Denken gefragt. Und es gibt eine Rückfahrkamera.
Für ein normales Auto wäre Wenden in dem mit Hütchen abgesteckten Quadrat mit enger Ein- und Ausfahrt kein Problem. Aber der 28-Tonner nimmt quer stehend schon den ganzen Raum ein. "Das ist das schwierigste Fahrzeug", meint Martin Ruhe. Der ausgeklappte Unterfahrschutz des Abrollbehälters schwenke bis zu einem Meter aus. "Es ist schwierig, die Ausmaße einzuschätzen." Deshalb sitzen auch zwei Mann auf den Vordersitzen. Einer lenkt, der andere gibt Tipps - und die Rückfahrkamera hilft zusätzlich beim Einschätzen der Abstände. Bei dem Gekurbel hat man allerhand zu tun - darum gibt es auch keine Gangschaltung, das Blaulicht wird mit einem Tritt auf den roten Knopf im Fußraum eingeschaltet.
Nach der Wendeübung stehen Vollbremsungen auf dem Stundenplan. Martin Ruhe klettert hinters Steuer. Und schon gibt er Gas, das Fahrzeug legt sich in die Kurve und hält auf die rot-weißen Hütchen zu.