Tobias Kahnert scheitert nach Umstyling bei Passbeantragung und wirft Amt Willkür vor / "Im Sinne des Antragstellers"
Tobias Kahnert nennt das "Willkür", Helmut Kruse, Leiter des Bürgerbüros verbittet sich diese Anschuldigung: "Wir müssen immer ein aktuelles Foto nehmen, um die Identität des Antragstellers bestätigen zu können."
Was war passiert? Kahnert hatte an einem Dienstag im Fotogeschäft ein Passbild von sich machen lassen, um einen neuen Personalausweis zu beantragen. Weil das Bürgerbüro am Tag darauf geschlossen war, habe er das Bild nicht gleich abgeben können, sagt der 28-Jährige. Kahnert nutzte die Zeit und ging zum Friseur, ließ die braunen Haare blond färben und nahm den Bart ab.
Als er am Donnerstag mit dem Foto im Bürgerbüro den neuen Personalausweis beantragen wollte, lehnte die Sachbearbeiterin das Bild ab. "Ihr sei dies eine zu starke Veränderung", gibt Kahnert das Gespräch wieder. Seine Argumente, das Bild sei keine 48 Stunden alt und das Blond wachse heraus, hätten nicht geholfen.
Kahnert ging daraufhin ein neues Foto machen, war aber mittlerweile so sauer, dass er sich beim Leiter des Bürgerbüros beschweren wollte. "Das sei jawohl klar, dass das Bild abgelehnt würde. Das könne ja auch mein Bruder sein", habe Helmut Kruse ihm erwidert.
"Ich glaube, das ist eine total subjektive Entscheidung", meint Kahnert aufgeregt. Deshalb probierte er es nach dem Gespräch mit Kruse noch einmal bei zwei weiteren Sachbearbeitern - mit dem alten Bild: "Der Letzte wollte das Foto annehmen", meint Kahnert. Amtsleiter Kruse habe es aber unterbunden. Der Streit eskalierte: Schließlich rief Kruse die Polizei, Kahnert musste mit ihr das Bürgerbüro verlassen und bekam einen Tag Hausverbot.
Helmut Kruse sieht die Sache anders: "Kein Kollege hätte es angenommen." Insgesamt habe Kahnert drei Sachbearbeiter und ihn selber angesprochen. "Das Kuriose ist ja, dass er aktuelle Bilder dabei hatte. Das hätte die Sache doch abgekürzt", meint Kruse. Er habe ein längeres Gespräch mit dem Antragsteller geführt und ihm den Standpunkt der Behörde erklärt: "Es muss erkennbar sein, dass die Person auf dem Foto auch tatsächlich vor einem steht." Bei Tobias Kahnert sei dies nicht der Fall gewesen.
Das Amt handele ausschließlich im Interesse des Antragstellers, betont Kruse. "Was ist, wenn der in eine Kontrolle kommt und ganz anders aussieht als auf dem Ausweis?" Nur vor Ort im Bürgerbüro könne die Identität wirklich geklärt werden. Deshalb müssten beispielsweise Frauen mit Kopftuch auch vor einer Sachbearbeiterin die Kopfbedeckung abnehmen, damit ein Abgleich mit dem Foto vorgenommen werden könne. Dafür gingen sie in ein Nebenzimmer.
Auf die Erkennbarkeit biometrischer Daten komme es bei Passbildern nicht mehr an, klärt Helmut Kruse auf. Für die technische Überprüfung des Ausweises sei es wichtig, dass die Person auf dem Foto direkt und möglichst ohne zu lächeln in die Kamera schaue und die Augen auf einer bestimmten Bildhöhe seien. Ob jemand auf dem Foto Kontaktlinsen trage, obwohl er Brillenträger sei und umgekehrt, sei egal. Die Brille dürfe nur nicht spiegeln. "Und man kann sie zur Überprüfung ja auch ab- oder aufsetzen."
Jedes Jahr werden im Mindener Bürgerbüro rund 10000 Personalausweise und etwa 3500 Pässe ausgestellt. In der jüngeren Zeit mussten häufiger Bilder abgelehnt werden, so Kruse. Der Grund: Die Fotostudios glätteten in der Bildbearbeitung die Haut. "Stellen Sie sich vor: Da kommt Mario Adorf und auf dem Foto sieht er aus wie ein 20-Jähriger."
Kahnert hat mittlerweile seinen Ausweis. Bis zum erneuten Besuch im Amt ließ er aber erst einmal ein paar Wochen verstreichen. "Ich wollte, dass die Situation deeskaliert."