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11.05.2012
Ausweisprobleme: Ein Friseurbesuch mit ungeahnten Folgen
Tobias Kahnert scheitert nach Umstyling bei Passbeantragung und wirft Amt Willkür vor / "Im Sinne des Antragstellers"
VON DORIS CHRISTOPH

Minden (dc). Ein Friseurbesuch und eine Rasur standen zwischen Tobias Kahnert und seinem neuen Personalausweis. Weil der 28-Jährige nach dem Umstyling auf dem Foto anders aussah als in persona, lehnte das Bürgerbüro sein Foto ab.

Vorher und nachher: Tobias Kahnert versuchte, mit dem linken Passbild einen Personalausweis zu beantragen. Da sein Aussehen in der Zwischenzeit vom Foto abwich, lehnte das Bürgerbüro das Bild ab. Kahnert musste ein neues Foto machen lassen (rechts). | Foto: Doris Christoph

Tobias Kahnert nennt das "Willkür", Helmut Kruse, Leiter des Bürgerbüros verbittet sich diese Anschuldigung: "Wir müssen immer ein aktuelles Foto nehmen, um die Identität des Antragstellers bestätigen zu können."

Was war passiert? Kahnert hatte an einem Dienstag im Fotogeschäft ein Passbild von sich machen lassen, um einen neuen Personalausweis zu beantragen. Weil das Bürgerbüro am Tag darauf geschlossen war, habe er das Bild nicht gleich abgeben können, sagt der 28-Jährige. Kahnert nutzte die Zeit und ging zum Friseur, ließ die braunen Haare blond färben und nahm den Bart ab.

Als er am Donnerstag mit dem Foto im Bürgerbüro den neuen Personalausweis beantragen wollte, lehnte die Sachbearbeiterin das Bild ab. "Ihr sei dies eine zu starke Veränderung", gibt Kahnert das Gespräch wieder. Seine Argumente, das Bild sei keine 48 Stunden alt und das Blond wachse heraus, hätten nicht geholfen.

Kahnert ging daraufhin ein neues Foto machen, war aber mittlerweile so sauer, dass er sich beim Leiter des Bürgerbüros beschweren wollte. "Das sei jawohl klar, dass das Bild abgelehnt würde. Das könne ja auch mein Bruder sein", habe Helmut Kruse ihm erwidert.

"Ich glaube, das ist eine total subjektive Entscheidung", meint Kahnert aufgeregt. Deshalb probierte er es nach dem Gespräch mit Kruse noch einmal bei zwei weiteren Sachbearbeitern - mit dem alten Bild: "Der Letzte wollte das Foto annehmen", meint Kahnert. Amtsleiter Kruse habe es aber unterbunden. Der Streit eskalierte: Schließlich rief Kruse die Polizei, Kahnert musste mit ihr das Bürgerbüro verlassen und bekam einen Tag Hausverbot.

Helmut Kruse sieht die Sache anders: "Kein Kollege hätte es angenommen." Insgesamt habe Kahnert drei Sachbearbeiter und ihn selber angesprochen. "Das Kuriose ist ja, dass er aktuelle Bilder dabei hatte. Das hätte die Sache doch abgekürzt", meint Kruse. Er habe ein längeres Gespräch mit dem Antragsteller geführt und ihm den Standpunkt der Behörde erklärt: "Es muss erkennbar sein, dass die Person auf dem Foto auch tatsächlich vor einem steht." Bei Tobias Kahnert sei dies nicht der Fall gewesen.

Das Amt handele ausschließlich im Interesse des Antragstellers, betont Kruse. "Was ist, wenn der in eine Kontrolle kommt und ganz anders aussieht als auf dem Ausweis?" Nur vor Ort im Bürgerbüro könne die Identität wirklich geklärt werden. Deshalb müssten beispielsweise Frauen mit Kopftuch auch vor einer Sachbearbeiterin die Kopfbedeckung abnehmen, damit ein Abgleich mit dem Foto vorgenommen werden könne. Dafür gingen sie in ein Nebenzimmer.

Auf die Erkennbarkeit biometrischer Daten komme es bei Passbildern nicht mehr an, klärt Helmut Kruse auf. Für die technische Überprüfung des Ausweises sei es wichtig, dass die Person auf dem Foto direkt und möglichst ohne zu lächeln in die Kamera schaue und die Augen auf einer bestimmten Bildhöhe seien. Ob jemand auf dem Foto Kontaktlinsen trage, obwohl er Brillenträger sei und umgekehrt, sei egal. Die Brille dürfe nur nicht spiegeln. "Und man kann sie zur Überprüfung ja auch ab- oder aufsetzen."

Jedes Jahr werden im Mindener Bürgerbüro rund 10000 Personalausweise und etwa 3500 Pässe ausgestellt. In der jüngeren Zeit mussten häufiger Bilder abgelehnt werden, so Kruse. Der Grund: Die Fotostudios glätteten in der Bildbearbeitung die Haut. "Stellen Sie sich vor: Da kommt Mario Adorf und auf dem Foto sieht er aus wie ein 20-Jähriger."

Kahnert hat mittlerweile seinen Ausweis. Bis zum erneuten Besuch im Amt ließ er aber erst einmal ein paar Wochen verstreichen. "Ich wollte, dass die Situation deeskaliert."

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 10.05.2012 um 23:27:55 Uhr

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Kommentare
Um in einer Behörde Hausverbot zu bekommen und unter Polizeibegleitung hinausgebeten zu werden, muss man sich schon derbe daneben benommen haben. Ich habe einige Jahre in der Kfz-Zulassung gearbeitet und weiß, was es heißt, von Bürgern, die ihren Willen nicht kriegen konnten, beschimpft und bedroht zu werden. Und als Behördenmitarbeiter muss man sich das auch noch gefallen lassen, weil man sonst ruckzuck eine Dienstaufsichtsbeschwerde am Hals hat. Schlimm, wenn solche renitenten Choleriker auch noch in der Tageszeitung ihre Bühne kriegen und alle abgedroschenen Klischees von Behördenwillkür, Überwachungsstaat und schlafenden oder kaffeetrinkenden Beamten bemüht werden. Autsch!

Also wer sich ein paar Wochen/Monate Zeit lässt sich einen Bart stehen zu lassen, dann aber von Heute auf Morgen ein radikales Umstyling macht um auf dem Amt dann ein palawer zu machen, hat meiner Meinung nach ein viel zu stark ausgeprägtes Geltungsbewusstsein.
Dabei ist es doch nicht schwer auch mal so ins Mindener Tageblatt zu kommen, ohne sich unötig Wichtig zu machen.
Er hatte die neuen Bilder bei sich und besteht darauf die alten Bilder einzureichen. Das nenne ich mal bockig, streitlustig, neurotisch und das zweite Bild unerotisch (kleines Wortspiel)
Tut mir für diesen Typen leid, aber an seiner Stelle würde ich von Minden wegziehen, oder nicht mehr vor die Tür gehen. Dafür kann man sich nur Fremdschämen. Auf solche Leute können wir in Minden verzichten. Pack schonmal Deine Sachen Du Vogel und Troll woanders rum.

Na, hoffentlich macht nicht noch jemand zwischen Antrag und Abholung ne "Geschlechtsangleichende Operation" durch und schaltet um von hellblond auf lange schwarze Locken !! ;+} - dann kriegt der alte Amtsschimmel ne' Herzattacke ! *lol*

@Rainer Clark
Immer noch nicht begriffen?
Es ist egal wie alt oder neu das Foto ist. Entscheidend ist dass man zu erkennen ist. Und auch nur bei der Beantragung des Ausweise. Alles danach ist egal, man hat ja ein Bild im Ausweis welches wirklich vom Ausweisinhaber ist da man bei der Beantragung drauf erkannt worden ist ;-)

@FreeSpeech

Vielleicht könntest du dich eeeetwas genauer ausdrücken?



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