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10.05.2012
Aktionskreis will zweigeteilte Entwicklung der Innenstadt
Ein Investor für kleineres Einkaufscenter am Wesertor und Revitalisierung der Obermarktpassage/ "Bürger einbeziehen"
VON HANS-JÜRGEN AMTAGE

Minden (mt). Die Verantwortlichen in der Stadt Minden haben nicht aus den Einzelhandelspleiten am Wesertor und in der Obermarktpassage gelernt. Dieser Überzeugung ist der Aktionskreis Historische Kulturstadt.

Der Aktionskreis Historische Kulturstadt Minden fordert, dass am Wesertor eine kleinere Einkaufscenter-Entwicklung realisiert wird als zurzeit geplant. MT- | Luftbild: Edwin Dodd

Nachdem es vor fünf Jahren der Bürgerschaft mit einem Bürgerentscheid gelungen sei, eine stadtplanerische Fehlentwicklung im Rathausquartier zu stoppen, sei ein Ziel gewesen, eine ausgewogene Innenstadtentwicklung anzustoßen. Diese sollte neben dem Einzelhandel auch in ausreichendem Maß historische und kulturelle Belange berücksichtigen, erklärte der Sprecher des Aktionskreises, Dr.Herwig Schenk, nach der Jahreshauptversammlung des Vereins dem MT.

Dass diese Entwicklung trotz eines Masterplanes nicht erkennbar sei, könne am Versagen der Eigentümer von Hertie und des Einzelhandelsbereiches in der Obermarktpassage liegen. "Umso erstaunlicher finden wir, dass sich die Stadt aus dieser prekären Situation heraus wieder und fast bedingungslos einem Investor ausliefert." Bürgermeister und Ratsmehrheit behandelten den Hamburger Projektentwickler ECE mit seinem geplanten Großprojekt am Wesertor wie einen Heilsbringer in höchster Not, kritisiert der Aktionskreis. "Es soll Städte geben, in denen die Integration eines Einkaufszentrums in eine historische Altstadt gelungen ist", so Schenk. Der Aktionskreis könne jedoch nicht erkennen, wie das mit der ECE in Minden funktionieren solle.

"Dazu müssten einige grundsätzliche Forderungen erfüllt werden", ist der Sprecher überzeugt: "Bei allen Planungen ist aus Sicht der Fachleute in unserem Aktionskreis zu beachten, dass die Johanniskirche 800 Jahre Mindener Geschichte repräsentiert und das Quartier beispielsweise mit dem Bürgerzentrum Johanniskirchhof (BÜZ) ein wichtiges kulturelles Zentrum bildet."

Johannis-Quartier nicht weiter abtrennen

Das Einkaufscenter dürfe kein monolithischer Block werden, der das Johannis-Quartier endgültig von der übrigen Altstadt abtrenne, warnt der Aktionskreis. So sei das Center in einer offenen Projektion zu errichten, um die erforderliche Durchlässigkeit zu gewährleisten. "Das bedeutet, dass die öffentlichen Zugänge über den Marienwall und die Hellingstraße uneingeschränkt erhalten bleiben müssen." Von diesen Straßenflächen dürfe nichts an die ECE verkauft werden.

Von der Bäckerstraße her müsse eine bessere Verbindung hergestellt werden, die den Besucher der Stadt einlädt, dieses sehenswerte Quartier zu betreten - eventuell an einer anderen Stelle als derzeit, empfehlen Schenk und seine Mitstreiter. Denn dem Johannis-Quartier sei mit der Kaufhausbebauung aus den 1970er-Jahren übel mitgespielt worden. Neue Bautätigkeiten in diesem Areal müssten dazu genutzt werden, Fehler der Vergangenheit zu beseitigen und das Quartier wieder für die historische Kulturstadt Minden aufzuwerten."Wie weit der Projektentwickler ECE bereit ist, sich solchen Forderungen zu stellen, ist fraglich", sagt Herwig Schenk. Das bisherige Auftreten in Minden lasse das nicht erwarten.

Schon beim ersten Anlauf des Hamburger Investors im Frühjahr 2006, als es um die Entwicklung der Domhof-Galerie ging, habe er verkündet: "Es wird Frakturen geben. Die Nebenlagen werden nicht zu schützen sein", zitiert Schenk einen Bericht des Mindener Tageblattes vom 2. Februar 2006. Jetzt - beim zweiten Anlauf - erklärte der in Minden aktive ECE-Entwickler Nikolaus Thätner der Politik, dass er eine Stadt in der Stadt bauen wolle, ohne städtebauliche Ansprüche, in der sich Kunden wohlfühlen sollen. So wohl, dass sie kein Bedürfnis haben, das Center in die Umgebung hin zu verlassen. "Aus seiner Sicht werden die obere Bäckerstraße und der Scharn nach dem Bau der Wesertor-Galerie keine 1a-Lagen mehr sein, Markt sowie Obermarkt werde das Schicksal der Nebenlagen ereilen", so Schenk.

30 000 Quadratmeter in einer Hand

"Der Innenstadt wäre nur dann wirklich gedient, wenn sich ein Investor fände, der sich gleichzeitig zweier Standorte annähme", erläutert der Aktionskreis. Mit einem Einkaufszentrum mit rund 15000 Quadratmetern Nettoverkaufsfläche am Wesertor und einer Obermarktpassage, deren Revitalisierung zu Ende geführt werde, könne ein Investor über insgesamt mehr als 30000 Quadratmeter Verkaufsfläche in Minden verfügen. "Dann blieben noch bis zu 12000 vertretbare Quadratmeter für die einzelhandelsgerechte Erschließung des Rathaus-Quartieres übrig, ohne dass es zur Verzerrung der Einzelhandelsstruktur in der Innenstadt käme", schildert der Aktionskreis. In der Obermarktpassage gäbe es reichlich Parkplätze und sogar schon einen Ankermieter, und Platz für C&A wäre für die Bauzeit am Wesertor dort auch.

Die Realität sehe aber anders aus. "Man weiß zwar nicht viel über die Pläne der ECE für die Wesertor-Galerie. Nach jüngsten Aussagen von Herrn Thätner muss man davon ausgehen, dass auf drei Ebenen eine Nettoverkaufsfläche von 25000 und eine Bruttonutzfläche von 36000 Quadratmetern entstehen soll." Mehr über die Vorgaben der ECE für die Erstellung des Bebauungsplanes kenne die Öffentlichkeit nicht.

"Der Aktionskreis fordert daher Bürgermeister Michael Buhre auf, die Bürger im Vorfeld der Festlegungen zu informieren und ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Meinung zu dem Großprojekt zu äußern - so wie es die Gemeindeordnung vorsieht", so Schenk.

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Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 09.05.2012 um 23:10:49 Uhr

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Kommentare
Ich bin Mindenerin, lebe aber seit vielen Jahren in Hamburg, der Heimat der ECE.

"Meine Stadt" ist Minden seit vielen Jahren nicht mehr. Die Bauplanung der Stadt war m. E. eine einzige Katastrophe .Es begann mit dem Bau der Stadtverwaltung am Domhof, der den Blick auf den Dom versperrte (mit dem Argument, so habe es früher auch ausgesehen) Die Politiker der Stadt haben vor vielen Jahren schon den Fehler gemacht, dass sie Karstadt und C & A nebeneinander in der Bäckerstraße angesiedelt haben, statt die "Zugpferde" auf verschiedene Standorte zu verteilen, um auch den restlichen Einzelhandel von den Kundenströmen profitieren zu lassen.

Wir haben hier im Alstertal ein sehr gut laufendes Einkaufszentrum der ECE, das leider das Überleben der kleinen Geschäfte der angrenzenden Stadtteile sehr schwer gemacht hat.

Ich bin früher sehr gern in Bad Oeynhausens Geschäften einkaufen gegangen. Die Stadt ist leider "tot" seit der Eröffnung des Einkaufszentrums "auf der grünen Wiese".

Warum sind die gewählten Volksvertreter nicht lernfähig? Ein Einkaufszentrum der ECE in der Bäckerstraße lässt den restlichen Einzelhandel der Stadt sterben.

iDas kann doch nicht gewollt sein. oder doch?

Leute, regt euch doch nicht so auf...
Sollen Sie doch "fordern" was sie wollen.
Interessiert doch eh keinen.
Und mit dieser Vereinigung hat es sich sowieso bald erledigt.

Leute, regt euch doch nicht so auf...
Sollen Sie doch "fordern" was sie wollen.
Interessiert doch eh keinen.
Und mit dieser Vereinigung hat sich sowieso bald erledigt.

Mir ist die Entwicklung der Innenstadt egal. Außer Lebensmitteln kauft meine 5-köpfige Familie bereits rund die Hälfte aller Güter in Internet. Keine Parkplatzgebühren, kein Gelaufe im Regen, eine maximale Produktauswahl, niedrige Preise. Da sich dieser Trend sicherlich weiter verstärken wird, sollte man zur Vermeidung weiterer Bauruinen ganz auf den Quatsch verzichten!

Alter, hau mal ab mit Johanneskirchhof. Wir wollen das Einkaufszentrum!



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