17-Jährige vermisst heimische Seen und Wälder / In Mindener Gastfamilie sehr gut eingelebt
Seit rund sechs Monaten lebt die junge Finnin, die aus Klaukkala - einer Kleinstadt in der Nähe von Helsinki - stammt, bei Familie Eisberg in Minden. Inzwischen fühlt sie sich dort wie ein richtiges Familienmitglied. So versteht sie sich nicht nur mit ihren Gasteltern Stefanie und Jörg Eisberg, sondern auch mit den beiden Gastgeschwistern Jana (18) und Malte (15) sehr gut.
"Da ich seit der fünften Klasse Französisch spreche, wollte ich ursprünglich als Austauschschülerin nach Frankreich", erinnert sich Sanni. Bei einem Kurzbesuch in Paris habe sie dann jedoch festgestellt, dass die Franzosen sehr unhöflich gegenüber Ausländern sind. Im Internet habe sie dann geschaut, was die Deutschen über die Finnen berichten.
"Die meisten Deutschen fanden uns zwar etwas schüchtern, aber sehr freundlich", lacht Sanni. Und so habe sie kurzerhand beschlossen, nach Deutschland zu gehen. "Da ich zu dieser Zeit jedoch erst ein Jahr Deutsch in der Schule hatte, habe ich zunächst an einem Sprachkurs in der Nähe von Bremen teilgenommen", erzählt die 17-Jährige. Danach sei sie nach Minden gekommen. Zusammen mit ihren Gastgeschwistern besucht sie seither das Ratsgymnasium.
Alle sechs Wochen andere Kurse in der Schule
Mit den Lehrern und ihren Mitschülern verstehe sie sich zwar gut, das Schulsystem sei jedoch leider nicht sehr abwechslungsreich. "An meiner Schule haben wir fünfmal im Jahr Blockunterricht mit jeweils sechs bis acht verschiedenen Kursen, die wir frei wählen können", berichtet Sanni. "Gefällt mir der eine oder andere Kurs nicht, weiß ich, dass ich ihn in sechs Wochen nicht mehr besuchen muss." In Deutschland hingegen sei eine Woche wie die andere. "Das finde ich auf Dauer langweilig".
Auch Fremdsprachen spielten in Deutschland nicht so eine entscheidende Rolle wie in Finnland, sagt Sanni. "Wir lernen ab der zweiten Klasse Englisch und ab der fünften Klasse Französisch." Als Pflichtfach komme ab der siebten Klasse schließlich Schwedisch hinzu und wer wolle, könne später noch eine vierte Fremdsprache lernen. "Sprachen sind für uns sehr wichtig", erläutert Sanni. Im Gegensatz zu Deutschland, wo alle Spielfilme synchronisiert seien, würden in Finnland Filme in Englisch gezeigt. "Da muss man die Sprache dann zwangsläufig früh lernen", schmunzelt die junge Frau.
Außerdem verstehe kaum ein Ausländer Finnisch. "Als ich mich mit meiner älteren Schwester in Hamburg getroffen habe und wir uns in der U-Bahn unterhalten haben, haben uns einige Jugendliche ausgelacht, weil sie offensichtlich zuvor noch nie Finnisch gehört hatten", erinnert sich die Finnin. Inzwischen habe sie einige deutsche Städte kennengelernt und besonders kleinere Städte seien zum Teil "sehr süß".
Pilze sammeln und Ruderboot fahren
Dennoch vermisst sie die finnischen Seen, auf denen sie mit dem Ruderboot unterwegs sein kann, die Wälder, in denen sie Pilze sammeln kann, sowie das finnische Roggenbrot. Zum Glück nicht verzichten musste Sanni auf einen regelmäßigen Saunabesuch. "Wir haben eine eigene Sauna", freut sich Jana. Und seit Sanni da sei, werde sie wieder regelmäßig benutzt.
Auch wenn ihre Gastschwester, die gerade ihr Abitur am "Rats" macht, zunächst ein Jahr Entwicklungsdienst im Senegal absolvieren möchte, hofft Sanni, dass sie sich in absehbarer Zeit in ihrer Heimat wiedersehen werden.