MT-SERIE: WAS BRINGT DER GRÜNDERPREIS FÜR SCHÜLER?
Anfängerfehler hinter sich gelassen
Jugendliche berichten über Erfahrungen
VON NADINE CONTI
Minden (nec). Sie sind in der zehnten, elften oder zwölften Klasse. 16 Jahre oder älter. Eigentlich haben Schüler in diesem Alter genug zu tun: mit sich selbst und ihren Schulabschlüssen. Und doch entscheiden sich einige von ihnen, nächtelang über Businessplänen zu brüten. Freiwillig. Aber warum?
Janita Berlin gehört zu den Teilnehmern, deren Ehrgeiz selbst erfahrene Gründerpreis-Organisatoren verblüfft. Im vergangenen Jahr lag die damals 16-Jährige dem ZDF (immerhin offizieller Partner der Gründerpreis-Initiative) so lange in den Ohren, bis man ihr Azubis mit Kameraausrüstung schickte, um einen Werbespot für ihr fiktives Produkt zu drehen.
Mit Laurent Gauthier hat sie sich einen Unternehmerpaten gesucht, der bei Grohe selbst sehr jung in Führungspositionen aufgerückt ist. "Er ist fast so etwas wie ein Mentor für mich geworden", schwärmt die Schülerin des Freiherr-vom-Stein-Berufskollegs. Vor allem, weil er ihr und ihren Teamkolleginnen immer wieder Zielstrebigkeit eingebläut habe.
Für einen der vorderen Plätze im Bundeswettbewerb hat es dann trotzdem nicht gereicht. Woran das gelegen hat? "Nun ja", sagt sie und presst für einen Moment die Lippen aufeinander, "unsere Aufgabenverteilung war nicht so optimal und wir waren uns nicht immer einig." Das soll in diesem Jahr anders werden. Sie bewirbt sich mit einem komplett neuen Team, deren Mitglieder sie gezielt angesprochen hat.
Dieses Mal ist die Aufgabenverteilung klar - und daran, dass sie die Geschäftsführerin ist, besteht wohl auch kein Zweifel. War das die wichtigste Lektion aus dem vergangenen Wettbewerb? "Dass man eben auch mal unangenehme Entscheidungen treffen muss", sagt sie. Eine haben sie gerade getroffen, einvernehmlich, wie sie betont. Das Team hat jetzt ein Mitglied weniger.
Falls es dieses Mal auch nicht klappt, möchte Janita Berlin wenigstens ihre Erfahrungen weitergeben: Sie coacht zusätzlich noch ein jüngeres Team.
Auch Milena Jäger ist zum zweiten Mal dabei. Und auch ihr Team ist geschrumpft. "Im letzten Jahr waren wir noch zu fünft - aber wir hatten den Arbeitsaufwand unterschätzt, zwei von uns mussten für ihre Abschlussklausuren richtig pauken, da hatten sie für den Gründerpreis eigentlich überhaupt keine Zeit." Immerhin reichte es trotzdem für Platz neun im Bundeswettbewerb. Da müsste doch noch mehr drin sein, haben sich die drei Übriggebliebenen gesagt - und sich wieder angemeldet.
Welche Aufgabe beim vergangenen Wettbewerb die Härteste war? "Die Berechnung des Break-Even-Points", sagt Milena Jäger und verdreht die Augen. Diese Aufgabe habe sie eine Nacht gekostet. Es ist eben nicht einfach, den Punkt zu berechnen, ab dem das fiktive Produkt eines frei erfundenen Unternehmens theoretisch Gewinn einbringen könnte - und das Programm Excel dann auch noch dazu zu bringen, das grafisch einwandfrei umzusetzen. "Aber es gibt einem eben auch ein gutes Gefühl, zu wissen, dass so viel Arbeit am Ende honoriert wird."Als Elite-Veranstaltung will sie den Gründerpreis nicht verstanden wissen: "Also bitte, wir waren fünf ganz normale Gesamtschüler aus der Kleinstadt - und sind trotzdem zur Bundessiegerehrung nach Hamburg gefahren. Was ist denn daran elitär?" Einen Vorteil hätte man vielleicht hinterher, meint ihr Teamkollege Fabian Pape. "Bei Bewerbungen und so. Außerdem geht man halt ganz anders an Sachen ran. Dieses wirtschaftliche Denken wird in der Schule sonst nicht gelehrt."
Das sieht auch Simon Schnake so: "Lehrer sind dafür irgendwie nicht ausgebildet." Der Schüler erreichte mit seinem Team vom Wittekind-Gymnasium Lübbecke 2011 den siebten Platz im Bundeswettbewerb. "Wir hätten schon gern wieder mitgemacht, aber in diesem Jahr fehlte uns eine gute Geschäftsidee, außerdem stecken wir alle im Abi-Stress", erklärt Teamkollege Ricardo Wölker. Die Lübbecker zogen ihre Anmeldung zurück.
"Aber die Erfahrung war es in jedem Fall wert, allein schon die Möglichkeit mal mit Leuten zu reden, an die man sonst nie herankommt" - etwa bei der Preisverleihung in Hamburg. Bei Bewerbungen sei die Urkunde sicher auch von Vorteil. Schnake: ."Ich könnte mir schon vorstellen, irgendwann ein Startup zu gründen."
Gründerpreis: Wenn Schüler Chef spielen Der "Gründerpreis für Schüler" ist für den Bereich Wirtschaft das, was "Jugend forscht" für die Naturwissenschaften ist. Schüler gründen ein fiktives Unternehmen.
Der "Gründerpreis für Schüler" ist für den Bereich Wirtschaft das, was "Jugend forscht" für die Naturwissenschaften ist. Schüler gründen ein fiktives Unternehmen.
Was zählt, ist eine originelle Geschäftsidee. Dann brüten sie fast vier Monate lang über Unternehmensstrategie, Marketingplan und Preispolitik. Am Ende stehen ein kompletter Businessplan und eine professionelle Präsentation.
Die zehn besten Teams aus ganz Deutschland werden in Hamburg ausgezeichnet. Nicht selten ist ein Team aus dem Kreis dabei. Das "Mindener Modell" gilt als vorbildlich bei "Deutschlands größtem Existenzgründer-Planspiel". Das MT sprach mit Machern und Teilnehmern.
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