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21.04.2012
Einkaufszentrum: ECE-Planer zum Schlagabtausch bei Linken
Fluch oder Segen: Heftige Diskussion und harte Worte bei Veranstaltung zur Wesertorgalerie im BÜZ
VON NADINE CONTI

Minden (nec). Unter dem Titel "ECE-Wesertorgalerie - Fluch oder Segen für die Innenstadt" hatte die Linke erst zur Grundriss-Umgehung, dann zu Filmvorführung und Podiumsdiskussion im BÜZ geladen. Dabei stand die Antwort für die Veranstalter längst fest: Sie fürchten eine weitere Verödung der Innenstadt, wenn das geplante Einkaufszentrum im ehemaligen Hertie-Komplex Händler und Konsumenten aus der Fußgängerzone lockt.

Kritische Blicke auf die Rückseite des geplanten Einkaufszentrums. Detlef Müller (rechts) plädiert für einen Abriss des Hertie-Komplexes, um einen großen Platz und einen freien Blick zur Weser zu schaffen. | Foto: Conti

Unter den nicht ganz 30 Teilnehmern der Veranstaltung fanden sich denn auch überwiegend Skeptiker. Die Vertreter des Hamburger Investors ECE Nikolaus Thätner und Maria Sotirova stellten sich der Diskussion trotzdem - und fanden deutliche Worte.

Jetzt gelte es "Minden zu lernen", hatte der ECE-Entwickler Nikolaus Thätner noch vor Kurzem im MT-Gespräch angekündigt und einen intensiven bürgerschaftlichen Dialog zur geplanten Wesertorgalerie in Aussicht gestellt. Sein Auftritt bei der Center-kritischen Linken geriet allerdings eher zum Schlagabtausch. Einwände und kritische Hinweise, beispielsweise auf die Entwicklung in Hameln, wischte er routiniert vom Tisch.

Thätner ist einiges gewohnt, wie er selbst betont: "Ich war für das Center in Braunschweig verantwortlich - da hatten wir alles: Demos, Rechtsmittel, das gesamte Programm. Heute steht das Ding da und alle gehen hin. Drei Millionen Besucher täglich stimmen mit den Füßen ab - das sind Erfolge, die können sie hier nicht totreden. Unsere Center funktionieren!" behauptet er provozierend. "Ja, aber die Städte drum herum funktionieren nicht mehr!", schallt es aus dem Publikum zurück. "Ihre Stadt funktioniert ja heute schon nicht", kontert Thätner.

Die Fronten sind verhärtet. Vergeblich wirbt der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Bernd Müller für einen konstruktiven Dialog. "Wir haben hier die Chance, die Fehler, die in anderen Städten gemacht wurden, zu vermeiden", glaubt er. Solange der Bebauungsplan noch nicht entsprechend geändert sei, ließe sich über vieles verhandeln - über die Öffnung zur Bäckerstraße und damit zur Innenstadt beispielsweise, über die Anzahl der Ein- und Ausgänge des Centers oder die Menge der Stellplätze.

Daran will Gerhard Förster-Vehring von der Linken nicht recht glauben: "Es ist doch schon jetzt so, dass hier von der Verwaltung mal wieder Sachzwänge vorgeschoben werden, ohne dass über städtebauliche Alternativen überhaupt nachgedacht wird." Detlef Müller, ehemaliges Mitglied des "Innenstadtforums" und Verfechter einer alternativen Stadtplanung, liebäugelt unverhohlen mit einem neuen Bürgerbegehren gegen das Einkaufszentrum: Den Umbau des Rathausquartiers habe man ja schließlich auch verhindert. "Mein Nein haben Sie", sagt er zu Thätner gewandt.

"Wenn Sie das tun, ist die Innenstadt tot", prophezeit der ECE-Mann, "Sie werden hier nie wieder einen Investor finden". Gleichzeitig macht er deutlich, dass sich die angekündigte Bürgerbeteiligung aus seiner Sicht in engen Grenzen zu bewegen hat. "Sie können als Bürger keine Planungsentscheidungen treffen, das ist rechtlich nicht möglich", sagt er. Wer glaube, man könne als Bürger bei der Größe des Zentrums, der Anzahl der Stockwerke oder der Gestaltung der Fassade ein Wörtchen mitreden, sei im Irrtum - das sei allenfalls noch Aufgabe des Rates. "Sie können bloß ja oder nein sagen", stellt der Rechtsanwalt klar.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 20.04.2012 um 23:12:59 Uhr

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Kommentare
Da wird in die Zukunft geplant, was doch was schönes sein sollte. allerdings sieht es aktuell doch jämmerlich aus in der Innenstadt.Was ist in der Bäckerstr. eigentlich passiert??? Nachdem zuletzt das Pflaster aufgenommen wurde sieht es jetzt verheerend auf dem Pflaster aus, ein einziger Flickenteppich. Es sieht unordentlich und dreckig aus! Wer hat seinen Arbeitsplatz so verlassen? Will das jemand reparieren, oder sollte ich die Bäckerstr. besser meiden um mich nicht über diese vermüllte Straße zu ärgern. Wer das so abgenommen hat der hat in meinen Augen keinen Blick dafür ob etwas schön ist und sollte sich schämen den Mindenern einen solchen " Knüppeldamm" wie von den alten Römern zu hinterlassen. MfG

Die Arroganz quillt diesem ECE-Rechtsanwalt Nikolaus Thätner förmlich aus dem Hals. Mindenener steht auf bevor es zu spät ist, macht mit und zeigt der Kommunalpolitik und ECE wer der Souverän ist. Die Krake ECE umschlingt alle, besonders die Kommunalpolitiker.

Link unterdrückt

Viele Grüße aus Leer

@Joachim Schulz

Egal, ob kommunales Geschehen oder der Kommentarbereich hier: Ich halte es persönlich für gut und richtig, wenn Bürger in wichtigen lokalen Fragen deutlich ihre Meinung sagen. Sich mit der eigenen Lebenserfahrung einmischen, ist immer eine Bereicherung. .. Ob ich zu den "kleinen Wichtigtuern (gehöre) die sich gerne reden hören", sollen andere beurteilen.

Was das difu ist:
"Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) ist das größte kommunalwissenschaftliche Institut in Deutschland und wird als Gemeinschaftseinrichtung durch den Bund, das Land Berlin und mehr als 100 deutsche Städte, Regional-/Umlandverbände und Planungsgemeinschaften getragen." (Quelle: Wikipedia)

Ich würde hier einmal das Positionpapier Einkaufcenter der DIFU zu dem Thema empfehlen. Unter "Integration fördern" und "Resümee" stehen sehr interessante Punkte die derzeit von ECE und vielen Ratsmitgliedern nicht beachtet werden. Hier besteht mit Sicherheit Handlungsbedarf. Hier noch eine Studie ""Auswirkungen
Innerstädtischer Shopping Center auf die gewachsenen Strukturen der Zentren" von Diplom Ökonomin Monka Walther und Professorin an der Hafen City Universität Hamburg. Es ist doch erst einmal gut, dass jetzt endlich einmal die Diskussion angestossen und Bürger und Politik, hoffentlich jetzt ECE mehr auf die Finger schaut. Denn Wachsamkeit ist gefordert.

@Stefan, @Detlef Müller, haben Sie beide ein Mandat von einer Partei bzw. einer Bürgervereinigung die Sie hier vertreten, oder gehören Sie auch nur zu den "kleinen Wichtigtuern die sich gerne reden hören ?"

Übrigens, dieses Institut was sich DIFU nennt ist keine staatliche Instution, sondern nur ein privates Unternehmen auf Vereinsebene als e.V. Hier kann sich jeder eine Expertise zu verschiedenen Fachbereichen bestellen.

Speziell zum Thema ECE in Minden bestehen weder von dem DIFU, noch von den anderen genannten Quellen keinerlei Recherchen oder Gutachten. Also was soll der ganze Aufstand der obig genannten bezwecken ?



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