Fluch oder Segen: Heftige Diskussion und harte Worte bei Veranstaltung zur Wesertorgalerie im BÜZ
Unter den nicht ganz 30 Teilnehmern der Veranstaltung fanden sich denn auch überwiegend Skeptiker. Die Vertreter des Hamburger Investors ECE Nikolaus Thätner und Maria Sotirova stellten sich der Diskussion trotzdem - und fanden deutliche Worte.
Jetzt gelte es "Minden zu lernen", hatte der ECE-Entwickler Nikolaus Thätner noch vor Kurzem im MT-Gespräch angekündigt und einen intensiven bürgerschaftlichen Dialog zur geplanten Wesertorgalerie in Aussicht gestellt. Sein Auftritt bei der Center-kritischen Linken geriet allerdings eher zum Schlagabtausch. Einwände und kritische Hinweise, beispielsweise auf die Entwicklung in Hameln, wischte er routiniert vom Tisch.
Thätner ist einiges gewohnt, wie er selbst betont: "Ich war für das Center in Braunschweig verantwortlich - da hatten wir alles: Demos, Rechtsmittel, das gesamte Programm. Heute steht das Ding da und alle gehen hin. Drei Millionen Besucher täglich stimmen mit den Füßen ab - das sind Erfolge, die können sie hier nicht totreden. Unsere Center funktionieren!" behauptet er provozierend. "Ja, aber die Städte drum herum funktionieren nicht mehr!", schallt es aus dem Publikum zurück. "Ihre Stadt funktioniert ja heute schon nicht", kontert Thätner.
Die Fronten sind verhärtet. Vergeblich wirbt der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Bernd Müller für einen konstruktiven Dialog. "Wir haben hier die Chance, die Fehler, die in anderen Städten gemacht wurden, zu vermeiden", glaubt er. Solange der Bebauungsplan noch nicht entsprechend geändert sei, ließe sich über vieles verhandeln - über die Öffnung zur Bäckerstraße und damit zur Innenstadt beispielsweise, über die Anzahl der Ein- und Ausgänge des Centers oder die Menge der Stellplätze.
Daran will Gerhard Förster-Vehring von der Linken nicht recht glauben: "Es ist doch schon jetzt so, dass hier von der Verwaltung mal wieder Sachzwänge vorgeschoben werden, ohne dass über städtebauliche Alternativen überhaupt nachgedacht wird." Detlef Müller, ehemaliges Mitglied des "Innenstadtforums" und Verfechter einer alternativen Stadtplanung, liebäugelt unverhohlen mit einem neuen Bürgerbegehren gegen das Einkaufszentrum: Den Umbau des Rathausquartiers habe man ja schließlich auch verhindert. "Mein Nein haben Sie", sagt er zu Thätner gewandt.
"Wenn Sie das tun, ist die Innenstadt tot", prophezeit der ECE-Mann, "Sie werden hier nie wieder einen Investor finden". Gleichzeitig macht er deutlich, dass sich die angekündigte Bürgerbeteiligung aus seiner Sicht in engen Grenzen zu bewegen hat. "Sie können als Bürger keine Planungsentscheidungen treffen, das ist rechtlich nicht möglich", sagt er. Wer glaube, man könne als Bürger bei der Größe des Zentrums, der Anzahl der Stockwerke oder der Gestaltung der Fassade ein Wörtchen mitreden, sei im Irrtum - das sei allenfalls noch Aufgabe des Rates. "Sie können bloß ja oder nein sagen", stellt der Rechtsanwalt klar.