Besorgniserregende Entwicklung auch in Minden und im Kreis feststellbar / Polizei setzt auf Schwerpunktkontrollen
Als "Kampfradler" hatte Anfang der Woche Verkehrsminister Ramsauer jene Verkehrsteilnehmer bezeichnet, denen die Einhaltung der richtigen Fahrspur oder die Beachtung der roten Ampel gleichgültig ist. Zugleich forderte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) höhere Geldstrafen bei Verstößen und sogar eine Kennzeichnungspflicht für Räder.
Probleme machen Radfahrer auch im Mühlenkreis. Nach Auskunft von Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Polizei in Minden-Lübbecke, sei es im Jahr 2009 zu 1049 Unfällen mit Schwer-, Leichtverletzten oder Toten gekommen. Bei 288 dieser Unglücke waren Radfahrer beteiligt. "Diese Entwicklung ist auch in den Folgejahren festzustellen."
Während kreisweit nur rund jeder fünfte Unfall in Verbindung mit einem Radfahrer steht, ist es in Minden jeder Dritte. "Die meisten Unglücksfälle mit Radfahrern gibt es in Minden", so Steinmeyer. Gefolgt werde die Weserstadt von Bad Oeynhausen und Espelkamp.
In diesem Zusammenhang verweist Steinmeyer auf eine Studie aus der Stadt Münster. Danach soll es dort täglich im Durchschnitt zu sechs Fahrradunfällen kommen. Allerdings geht die Untersuchung davon aus, dass eine weitaus größere Zahl nicht erfasst worden ist. "Auch im Kreis Minden-Lübbecke rechnen wir deshalb mit einer hohen Dunkelziffer."
Nach den Erfahrungen der Polizei haben in der Hälfte aller Fälle die Radfahrer den Unfall selbst verursacht. Die häufigsten Verkehrsverstöße seien dabei die Benutzung des falschen Radweges entgegen zur Fahrtrichtung, die Nichteinhaltung des Rechtsfahrgebotes und die Missachtung von Vorfahrtsregelungen, erklärt Steinmeyer. "Alkohol spielt im Kreis eher eine untergeordnete Rolle." Dennoch sei auch hier festzustellen, dass nach einer Party das Fahrrad kein geeignetes Verkehrsmittel für den Heimweg sei.
Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, hat die Polizei im vergangenen Jahr kreisweit sieben Schwerpunkteinsätze gegen das Fehlverhalten von Radlern gestartet. Insgesamt wurden 2011 2700 Verkehrsverstöße durch Radfahrer festgestellt. Bei Kindern blieb es überwiegend bei der mündlichen Verwarnung. Es gab zudem Verwarnungsgelder und Ordnungswidrigkeitenanzeigen. 2010 hat die Polizei nur 1500 Sanktionen gegen Verkehrssünder auf zwei Rädern erteilt.
Laut der Verkehrsunfallstatistik für den Kreis Minden-Lübbecke war von 2010 auf 2011 die Zahl der Unfälle mit Radfahrern von 252 auf 262 leicht angestiegen. Dennoch bewertet die Polizei ihre Arbeit durch Verkehrserziehungsprojekte in Schulen und die Schwerpunktkontrollen als erfolgreich. So hatte die Zahl der verunglückten Radfahrer zuletzt unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre gelegen.
Ob eine Kennzeichnungspflicht von Fahrrädern, wie von der GdP angeregt, zu noch mehr Sicherheit beitragen kann? "Es gibt bislang keine Erfahrungen, ob so etwas fruchtet", meint Klaus Kynast, Vorsitzender der GdP-Kreisgruppe Minden-Lübbecke. Als Bezirksbeamter auf dem rechten Weserufer wird er täglich Zeuge von Verkehrsverstößen von Radfahrern. Auch er glaubt, dass schärfere Sanktionen zu mehr Sicherheit beitragen. "Die Einsicht geht nur über das Portemonnaie."
Einsicht fehlt laut Ralf Steinmeyer vielen auch bei der Benutzung des Fahrradhelms. Wenngleich dieser gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, macht die Polizei bei ihrer Verkehrserziehung Werbung für seine Verwendung. Der Pressesprecher der Polizei: "Wir stellen bedauerlicherweise fest, dass dieser lebensrettende Schutz sich immer noch nicht durchgesetzt hat."