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18.04.2012
Jeder dritte Verunglückte ist ein Radfahrer
Besorgniserregende Entwicklung auch in Minden und im Kreis feststellbar / Polizei setzt auf Schwerpunktkontrollen
VON STEFAN KOCH

Minden (mt). Die Radfahrerschelte von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und der Gewerkschaft der Polizei (das MT berichtete) trifft offenbar auch auf Mindener Verhältnisse zu. Jeder dritte Verunglückte in der Stadt ist ein Radfahrer. Ein leichtes Nachlassen des Trends stellen die Ordnungshüter zwar fest - das führen sie aber vor allem auf ihre Kontrollen zurück.

Selten sind Verkehrsverstöße von Radlern, wie auf diesem gestellten Foto, gleich derart gravierend. Dennoch ist ihre Beteiligung an Unfällen besorgniserregend. | Foto: Alex Lehn

Als "Kampfradler" hatte Anfang der Woche Verkehrsminister Ramsauer jene Verkehrsteilnehmer bezeichnet, denen die Einhaltung der richtigen Fahrspur oder die Beachtung der roten Ampel gleichgültig ist. Zugleich forderte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) höhere Geldstrafen bei Verstößen und sogar eine Kennzeichnungspflicht für Räder.

Probleme machen Radfahrer auch im Mühlenkreis. Nach Auskunft von Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Polizei in Minden-Lübbecke, sei es im Jahr 2009 zu 1049 Unfällen mit Schwer-, Leichtverletzten oder Toten gekommen. Bei 288 dieser Unglücke waren Radfahrer beteiligt. "Diese Entwicklung ist auch in den Folgejahren festzustellen."

Während kreisweit nur rund jeder fünfte Unfall in Verbindung mit einem Radfahrer steht, ist es in Minden jeder Dritte. "Die meisten Unglücksfälle mit Radfahrern gibt es in Minden", so Steinmeyer. Gefolgt werde die Weserstadt von Bad Oeynhausen und Espelkamp.

In diesem Zusammenhang verweist Steinmeyer auf eine Studie aus der Stadt Münster. Danach soll es dort täglich im Durchschnitt zu sechs Fahrradunfällen kommen. Allerdings geht die Untersuchung davon aus, dass eine weitaus größere Zahl nicht erfasst worden ist. "Auch im Kreis Minden-Lübbecke rechnen wir deshalb mit einer hohen Dunkelziffer."

Nach den Erfahrungen der Polizei haben in der Hälfte aller Fälle die Radfahrer den Unfall selbst verursacht. Die häufigsten Verkehrsverstöße seien dabei die Benutzung des falschen Radweges entgegen zur Fahrtrichtung, die Nichteinhaltung des Rechtsfahrgebotes und die Missachtung von Vorfahrtsregelungen, erklärt Steinmeyer. "Alkohol spielt im Kreis eher eine untergeordnete Rolle." Dennoch sei auch hier festzustellen, dass nach einer Party das Fahrrad kein geeignetes Verkehrsmittel für den Heimweg sei.

Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, hat die Polizei im vergangenen Jahr kreisweit sieben Schwerpunkteinsätze gegen das Fehlverhalten von Radlern gestartet. Insgesamt wurden 2011 2700 Verkehrsverstöße durch Radfahrer festgestellt. Bei Kindern blieb es überwiegend bei der mündlichen Verwarnung. Es gab zudem Verwarnungsgelder und Ordnungswidrigkeitenanzeigen. 2010 hat die Polizei nur 1500 Sanktionen gegen Verkehrssünder auf zwei Rädern erteilt.

Laut der Verkehrsunfallstatistik für den Kreis Minden-Lübbecke war von 2010 auf 2011 die Zahl der Unfälle mit Radfahrern von 252 auf 262 leicht angestiegen. Dennoch bewertet die Polizei ihre Arbeit durch Verkehrserziehungsprojekte in Schulen und die Schwerpunktkontrollen als erfolgreich. So hatte die Zahl der verunglückten Radfahrer zuletzt unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre gelegen.

Ob eine Kennzeichnungspflicht von Fahrrädern, wie von der GdP angeregt, zu noch mehr Sicherheit beitragen kann? "Es gibt bislang keine Erfahrungen, ob so etwas fruchtet", meint Klaus Kynast, Vorsitzender der GdP-Kreisgruppe Minden-Lübbecke. Als Bezirksbeamter auf dem rechten Weserufer wird er täglich Zeuge von Verkehrsverstößen von Radfahrern. Auch er glaubt, dass schärfere Sanktionen zu mehr Sicherheit beitragen. "Die Einsicht geht nur über das Portemonnaie."

Einsicht fehlt laut Ralf Steinmeyer vielen auch bei der Benutzung des Fahrradhelms. Wenngleich dieser gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, macht die Polizei bei ihrer Verkehrserziehung Werbung für seine Verwendung. Der Pressesprecher der Polizei: "Wir stellen bedauerlicherweise fest, dass dieser lebensrettende Schutz sich immer noch nicht durchgesetzt hat."

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 17.04.2012 um 23:12:08 Uhr

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Kommentare
Kennzeichen an Fahrrädern sind völliger Unsinn. Die erste Frage ist doch: wo soll so ein Teil angebracht werden? Müssen sich Besitzer von MTB/BMX oder Rennrädern nun feste Schutzbleche anschrauben lassen? Und was ist mit den Inlinern, Fussgängern oder Hunden ? Eigentlich ist doch jeder Teilnehmer eine mögliche Gefahr. Wer kann hier eine Grenze setzen? Und was sollte bitte passieren wenn jemand verkehrswidrig handelt....darf ein Fussgänger ein *Laufverbot* bekommen wie ein Autofahrer eben ein Fahrverbot bekommt? Soll er dann auf Händen zum Supermarkt gehen? Sollte es nun amtliche Führerscheine für jede art von Fortbewegung geben?

@allrad
Ich glaube nicht, das viele Radfahrer etwas gegen Kennzeichen an Rädern haben, denn wenn ich mich als Radfahrer falsch verhalte und die Polizei in der Nähe ist, ahndet diese den Verstoß sowieso. Dafür brauchts kein Kennzeichen. Und wenn keine Polizei da ist, was soll dann das Kennzeichen. Ich notiere mir ja auch nicht die Kennzeichen von PKW´s wenn die bei Rot über die Ampel gefahren sind. Und das ein Radfahrer nach einem Unfall Fahrerflucht begeht, ist wohl eher die Ausnahme.

Und hier ein paar Urteile zu Geschwindigkeiten von Radfahrern:
"Radfahrer dürfen nur so schnell fahren, wie es von einem Radfahrer allgemein erwartet wird. Dies gilt vor allem, weil sie akustisch und optisch schlechter wahrnehmbar sind, als andere Kraftfahrer (OLG Karlsruhe, VRS 78, 329)."

"Auch auf einem 2,30 m breiten innerstädtischen Radweg darf ein Radler nicht mit 25-30 km/h fahren, wenn die Sicht zur Fahrbahn hin durch parkende Autos beschränkt ist. Der Radler musste für 2/3 des beim Unfall entstandenen Schadens aufkommen (KG, VerkMitt 1984, 94)."

"Auf Gehwegen ist auch dann, wenn mit einem Zusatzschild der Radverkehr zugelassen ist, gem. § 41 II Nr. 5e StVO mit Schrittgeschwindigkeit zu fahren (eine sehr versteckte Vorschrift, die auch dem Richter bislang unbekannt war, die aber nun einmal trotzdem gilt) (AG Berlin Mitte, Urteil vom 22. 3. 2004, Az. 113 C 3014/04)."

Siehe auch unter "pdeleuw" im Netz.

Ach Leutz, wenn es nicht alles so traurig wäre könnte man fast darüber lachen. Unfälle hier, schwere verletzungen da, früher haben sich 95% aller Verkehrteilnehmer an die Regeln gehalten. Heute sind es wohl nur noch geschätzte 60%.

Egal ob Radfahrer unbeleuchtet auf dem Gehweg engegengesetzt fahren, Fußgänger kreuz und quer über den Radweg, oder Autofahrer aus Einfahrten geschossen kommen oder gar Wege zu parken.

Irgenwie kotz mich das "ICH" immre mehr an. Warum lief das früher alles besser, drehen die Menschen immer mehr durch? Ist es die allgemeine unzufriedene Situation in Deutschland, Frust am Arbeitsplatz / Beziehung oder was???

SORRY, ich verstehe es nicht!!!

Im MT-Kommentarbereich als vogelfrei gelten:

1. Hundehalter
2. Radfahrer
3. noch offen

Gibt es Vorschläge für Platz drei? Ist ja unglaublich was für ein Hass den Radfahrern bzw. Hundehaltern hier entgegen schlägt. Wie diskriminierend man sich hier pauschal gegen Minderheiten ausdrücken darf erschreckt mich immer wieder. Lauter Verallgemeinerungen und eine extreme Wortwahl die ihres gleichen sucht.

1500km/jahr sind ca. 4 km/Tag=2km einfacher Weg. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von wohlwollenden höchstens 10km/Std (eher mehr) sind das max 2x 12min/Tag auf dem Fahrrad. Ich dachte hier prügeln echte Radprofis auf die anderen Verkehrsrowdys (Autofahrer, Fußgänger, Hunde, kleine Kinder.....) ein.
Ironie an:
Also Kompromiß:
Kennzeichen nur für Radfahrer die mindestens 1 Stunde/Tag das Fahrrad benutzen.
Ironie aus



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