Junge Männer nutzen Dienst im Johannes-Wesling-Klinikum als Einblick in Praxis vor ihrem Medizinstudium
Der 20-jährige Mindener Matthias Witte hat nach seinem Abitur im vergangenen Jahr und einem dreimonatigen Auslandsaufenthalt in Peru im Oktober im Klinikum Minden seinen Bundesfreiwilligendienst begonnen. Beworben hatte er sich für die Neurochirurgie, aber gelandet ist er schließlich in der Zentralen Notaufnahme - und ist darüber auch sehr froh: "Hier haben wir Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern. Es ist unglaublich interessant, und ich lerne jeden Tag etwas dazu."
Sein "Bufdi"-Kollege" Benjamin Derksen ist ebenfalls 20 Jahre alt und wurde auf der Kurzliegerstation K02 des Johannes-Wesling-Klinikums eingesetzt. Nach einem Praktikum in der Chirurgie hat der Abiturient seinen Bundesfreiwilligendienst nahtlos angeschlossen. Beide wollen nach ihrer Zeit im Klinikum ein Medizinstudium beginnen. Während sich Matthias Witte bereits relativ sicher ist, dass es für ihn in den Bereich Unfall- oder Allgemeinchirurgie gehen soll, ist Benjamin Derksen noch nicht so festgelegt. Er hat aber noch bis Oktober Zeit, Eindrücke zu sammeln, denn so lange wird er hier im Klinikum arbeiten.
Matthias Witte vor seinem Einsatzgebiet, der Zentralen Notaufnahme.
Langeweile kommt gar nicht erst auf
Ein wirklicher Alltag kann zumindest in der Zentralen Notaufnahme nicht entstehen. "Klar gibt es auch mal ruhige Tage, aber meistens ist sehr viel zu tun", so Matthias Witte. Da es nicht vorhersehbar ist, wann Patienten eingeliefert werden, gibt es keinen strikten Zeitplan, wann was zu erledigen ist. "Bufdis" dürfen aufgrund ihrer fehlenden Qualifikation keine Medikamente geben oder Diagnosen stellen. Mit ihrer Arbeit unterstützen sie die Pflegefachkräfte und die Ärzte. Besonders beeindruckt war Witte vom Reanimationsraum. Zwar darf er im Moment nur zuschauen, aber er hofft nach dem Studium hier vielleicht eine Assistenzarztstelle zu bekommen und dann auch selbst helfen zu können.
Insgesamt arbeiten 64 Bundesfreiwillige in den Häusern der Mühlenkreiskliniken in Minden, Bad Oeynhausen, Lübbecke und Rahden. Deutlich weniger, als vorher während der Zivildienstzeit zur Verfügung standen. Damals gab es 119 Planstellen für "Zivis" - davon waren 87 Stellen besetzt. Das Ziel des Bundesfreiwilligendienstes orientiert sich am "Freiwilligen Sozialen Jahr". Es gibt dennoch einige Veränderungen in der Umsetzung.
"Nun können sich zum Beispiel Menschen aus allen Altersgruppen verpflichten, einen sozialen Dienst für die Gesellschaft zu übernehmen", erläutert Rüdiger Flache. Er ist Ansprechpartner für alle, die sich für den Bundesfreiwilligendienst bei den Mühlenkreiskliniken interessieren. Auch die Einsatzdauer des neuen Dienstes wurde verlängert. Jetzt kann man sich für die Dauer von sechs bis 24 Monaten engagieren.
Mühlenkreiskliniken und Freiwillige profitieren
Vor allem die "Bufdis" profitieren von dieser Zeit. Benjamin Derksen konnte während der Arbeitszeit auch mal den Chirurgen über die Schulter schauen und mit in den OP-Saal. Der Blick hinter die Kulissen hat ihn fasziniert, besonders die Arbeit der Anästhesisten. Noch ist er nicht sicher, ob die Chirurgie wirklich das Richtige für ihn ist, aber er wird noch acht weitere Monate im Johannes-Wesling-Klinikum Minden bleiben, sodass genug Zeit ist, sich Gedanken über die Zukunft zu machen.
Matthias Witte ist sich bereits sicher, dass er Chirurg werden möchte. Bisher hatte er noch keine Gelegenheit, mit in den OP zu gehen, doch das steht ganz oben auf seiner Wunschliste. In der Zentralen Notaufnahme hatte er schon viele Gelegenheiten, den Ärzten über die Schulter zu schauen. Dennoch hofft er sehr auf einen Tag im OP-Saal, um schon vor Studienbeginn einmal eine Operation miterleben zu können.
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