Was bringt der Gründerpreis für Schüler? / Drei Unternehmerpaten berichten über ihre Erfahrungen
Auf die Frage, was ihn an der Zusammenarbeit mit den Schülern am meisten überrascht habe, antwortet Andreas Stelter: "Wie ambitioniert die sind, wie straight, wie zielorientiert." Aber, lacht er, vielleicht spielten einem da ja auch die eigenen Vorurteile einen Streich. "Von Nullbock-Generation ist hier jedenfalls nichts zu merken."
Der Ingenieur betreut bei der ABB Automation Products GmbH seit einigen Jahren den Gründerpreis für Schüler und die ähnlich gestrickte Initiative "Jugend denkt Zukunft". Das Engagement seines Arbeitgebers in diesem Bereich hält er für absolut logisch: "Das ist Teil der Unternehmensphilosophie und Gründungsgeschichte der ABB." Immerhin bewege sich der Technologiekonzern mit seinem weitverzweigten Netzwerk in einer Branche, die auf ständige Innovationen und neue Ideen angewiesen sei. Jugendliche sind in der Lage, Visionen und Ideen zu liefern, auf die man so sonst nicht kommt - davon ist er überzeugt.
Unternehmerpate Andreas Stelter von ABB ist begeistert vom Ideenreichtum der Schüler. | Foto: Conti
"Die gehen da einfach viel unbefangener ran, sind nicht schon von vorneherein so limitiert und festgefahren in ihrem Denken." Natürlich gehe es für ihn und ABB auch darum, Freude an Technologie zu vermitteln, Imagepflege und Nachwuchsförderung zu betreiben. "Es ist schön zu sehen, wie bei manchen da doch der Funke überspringt." Und noch eine Beobachtung hat ihn verblüfft: "Da gibt es - nicht immer, aber oft - eine ganz klare Rollenverteilung. Die Mädchen organisieren und treiben voran, die Jungs tüfteln an technischen Problemen. Wenn man das so sieht, muss man sich eigentlich fragen, warum wir in Deutschland nicht viel mehr Unternehmensgründerinnen und Managerinnen haben."
"Nun ja", schränkt Jörg Reinhardt von Dragon Consulting ein, "was wir in einem solchen Wettbewerb zu Gesicht bekommen, ist natürlich auch nur ein kleiner und eben sehr engagierter Teil der Schülerschaft." Der IT-Spezialist und Unternehmensberater hat sich von einer Ex-Praktikantin zur Teilnahme am Gründerpreis überreden lassen - und war dann so begeistert, dass er sich im darauf folgenden Jahr wieder zur Verfügung stellte. "Es macht schon Spaß zu sehen, wie sich die Schüler weiterentwickeln", sagt er. Anfangs kämen sie oft mit so einer Konsumentenhaltung, "so nun erzähl uns doch mal was", total unvorbereitet. "Da haben wir dann klar gemacht: So läuft das nicht. Ihr müsst schon sagen, was ihr wirklich wissen wollt und wo ihr Hilfe braucht." Und plötzlich dreht sich da etwas. Die Schüler übernehmen Verantwortung, werden ehrgeizig, arbeiten viel strukturierter und zielorientierter. "Um es mal frech zu formulieren: Die fordern jetzt richtig."
Seine Rolle sieht er im Wesentlichen darin, für ein Stück wirtschaftlichen Realismus zu sorgen - denkt über Mitbewerber und Patente nach, mahnt er gern oder wirft ein kritisches Auge auf die Finanzplanung und Preiskalkulation. "Das sind sicher Dinge, die ein Lehrer nicht leisten kann." Und als Unternehmer glaubt er, damit auch einen kleinen Beitrag zu leisten, um der Ausbildungsmisere entgegen zu wirken. "Wir merken eben auch, dass es gerade in Städten wie Minden, wo viele nach dem Abitur erst einmal weggehen, nicht einfacher wird, gute Auszubildende zu finden - da ist der Gründerpreis eine echte Chance."
Probleme, Auszubildende zu finden, habe Grohe als internationaler Konzern nicht, behauptet Detlef Spigiel, Personalvorstand der Grohe AG in Düsseldorf. "Wir engagieren uns seit Jahren in diesem Bereich, bilden deutlich über Bedarf aus und betreuen unsere Azubis sehr intensiv." Imagepflege, die Affinität zum Produkt und zur Marke steigern - klar seien das Motive, die eine Rolle spielen, gibt er unumwunden zu. "Darüberhinaus setzen wir an jedem Produktionsstandort andere Schwerpunkte, was unser soziales Engagement angeht", erläutert er. Und in Porta habe sich der Geschäftsführer Laurent Gauthier eben für den Gründerpreis für Schüler entschieden.
Heimische Firmen engagieren sich im Coaching: Bei der AG Wirtschaft ging es um Wissen rund um die SWOT-Analyse, beim MT gab es Know-how zu Pressemitteilungen. | MT-Foto: Manfred Otto
Auch wenn der 35-jährige Belgier seit diesem Jahr als "Managing Director German Plants" für die drei deutschen Grohe Werke Porta Westfalica, Hemer und Lahr verantwortlich ist und damit nicht mehr ganz so oft vor Ort: "Die Zeit nimmt er sich schon." Zur Not werden die Schüler eben zur Videokonferenz gebeten.