Familienpass nicht mehr gültig / Bei Auslandsfahrten benötigen Eltern bereits für Babys spezielle Dokumente
Wer sein Kind - selbst ein Neugeborenes - demnächst mit auf eine Auslandsreise nehmen möchte, braucht ab dem 26. Juni für den Nachwuchs ein eigenes Reisedokument. Aufgrund einer neuen EU-Passverordnung sind dann Kindereinträge im Familienpass nicht mehr gültig. Die Verordnung schreibt vielmehr vor: eine Person - ein Pass.
"Wir fahren zwar erst im Herbst nach Holland, aber wir wollten uns lieber rechtzeitig um die Ausweise für die Kinder kümmern", meinen Sonja und Sven Illgin, Eltern von Samira und Stella. Im Bürgerbüro sei alles sehr schnell und problemlos über die Bühne gegangen. "In knapp einer halben Stunde hatten wir die Ausweise", so die Eltern.
Leider seien längst nicht alle Bürger so weitsichtig wie Familie Illgin, bedauert Helmut Kruse, Leiter des Bürgerbüros. "Ich habe hier schon Leute stehen gehabt, die erst kurz vor ihrer Abreise gemerkt haben, dass ihre Ausweise abgelaufen sind." Und das sei leider kein Einzelfall, so Kruse.
Doch insbesondere kurz vor Ferienbeginn, während der Schulferien sowie an Brückentagen könne es im Bürgerbüro schon mal eng werden. An diesen Tagen würden an einem Tag bis zu 170 Kunden registriert, die in der Regel nicht nur einen, sondern zwei oder drei Pässe beantragten. "Wir sind zwar stets darum bemüht, alles zügig abzuwickeln, aber irgendwann stoßen auch wir an unsere Grenzen, da während dieser Zeit ja auch einiger unserer Leute Urlaub haben", erklärt Helmut Kruse.
Um möglichst viele betroffene Familien auf die Änderung aufmerksam zu machen, will der Amtsleiter in den nächsten Tagen entsprechende Schreiben verschicken. Rund 180 Familien haben zurzeit noch einen Familienreisepass. Das sind dann mindestens drei Personen, die ein neues Reisedokument benötigen.
Besonders für Familien, die für ihre Reisen ein Visum beantragen müssten, sei das bitter, führt Helmut Kruse weiter aus. Bislang reichte ein Visum für Eltern plus Kinder, ab sofort muss für jedes Familienmitglied ein eigenes Visum beantragt werden. "Das kostet natürlich", so der Amtsleiter.
Biometriefähiges Foto auch für Kinder
Vor dem Gang ins Bürgerbüro muss der Nachwuchs für das neue Dokument fotografiert werden. Doch ganz so einfach ist das nicht, denn auch für Kinder heißt es "Lächeln verboten" und das Passbild muss biometriefähig sein. Und das kann besonders bei Kleinkindern mitunter dauern. "Die Bildforderungen bei Säuglingen und Kindern sind jedoch nicht ganz so streng wie bei Erwachsenen", beruhigt Helmut Kruse. Ratsam sei es jedoch, das Dokument nach einigen Jahren durch ein neues Bild auf den aktuellen Stand zu bringen. Um einen Kinderreisepass beantragen zu können, brauchen Eltern neben dem Bild auch die Geburtsurkunde. Zudem müssen beide Erziehungsberechtigten den Antrag unterschreiben. Im Falle eines alleinerziehenden Elternteils ist eine Negativbescheinigung des Sozialamtes notwendig.
Außerdem muss das Kind beim Antrag mitgebracht werden. Sind alle Kriterien erfüllt, kann der Kinderreisepass sofort mitgenommen werden. Die Ausstellung des Dokumentes kostet 13 Euro. Der Pass ist dann sechs Jahre gültig, höchstens allerdings bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres.
"Zur Einreise in die USA oder Thailand reicht ein solcher Kinderreisepass aber nicht aus", erklärt Helmut Kruse. Für diese Länder ist ein regulärer Reisepass notwendig, darauf muss man mindestens drei Wochen warten. Er kostet 37,50 Euro. Rechtzeitig um neue Ausweise gekümmert hat sich Familie Christoph. "Wir planen im Sommer eine Reise in die USA", erzählt Beate Christoph. Und dafür brauchten ihre Söhne Jan (17) und Jonathan (14) entsprechende Pässe. Im Vorfeld habe sie sich umfangreich informiert.