Führung auf Wittekindsberg stellt Frühblüher und historische Sehenswürdigkeiten ins Zentrum
Abschweifende Blicke sind ein Muss
VON DORIS CHRISTOPH
Minden (dc). Abschweifen erlaubt: Bei der gestrigen Wanderung auf dem Wittekindsberg war starres geradeaus Blicken nahezu verboten. Denn am Wegesrand gab es überall kleine Schätzchen zu entdecken. Auf dem Areal der historischen Wittekindsburg kamen Natur- und Geschichtsfreunde nicht mehr aus dem Staunen heraus.
"Natur und Kultur auf dem Wittekindsberg" war die Veranstaltung überschrieben, bei der festes Schuhwerk eine gute Idee war. Die Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen (GeFAO) und das regionale Forstamt führten mehr als 40 Zuhörer über den Bergkamm und machten auf die heimischen Schönheiten aus Flora und Geschichte aufmerksam.
"Die Pflanzenwelt in Verbindung mit den historischen Gebäuden gibt es so nur ein Mal in Nordrhein-Westfalen", begrüßte Franz Stockmann die Gruppe. Der Leiter des Forstamtes Ostwestfalen-Lippe mit Sitz in Minden lenkte die Blicke immer wieder auf den Boden und die seltenen Frühjahrsblüher, die den Wanderweg säumen. "Dieses Dornröschen muss mal wach geküsst werden", warb der Fachmann für die Verbindung von Natur und Kultur.
Für den historischen Nährwert der Wanderung sorgte Jürgen Schünemann von der GeFAO. Wie bei einem Duett wechselten er und Stockmann sich mit Berichten ab. Zwischen Kreuzkapelle, Wallanlage, Häverstädter Tor und Margarethenkapelle wies Stockmann immer wieder auf die "Bodenschätze" hin: Gelbe Buschwindröschen, Lerchensporn, Bärlauch und Bergahorn oder Feigwurz sind im Naturschutzgebiet vor der Tür zu finden. Selten fallen sie den Besuchern in den Blick, denn das Verlassen des Weges ist hier ja auch verboten.
Weil auf dem Wittekindsberg die Steinplatten nicht waagerecht liegen, sondern sich aufstellen, werden verschiedene Bodenarten miteinander vermischt, zum Beispiel Sand- und Kalkstein. Die immer wieder aus dem Erdreich ragenden Steine zeugen davon. Für Pflanzen ist das Bodengemisch eine tolle Spielwiese.
Die historischen Sehenswürdigkeiten fesselten die Wanderfreunde nicht weniger. Gespannt lauschten sie Schünemann, wie der von der Entdeckung der Kreuzkirche mit den vier Gräbern berichtete.
Das Zusammenspiel von Natur und Kultur wurde besonders deutlich beim Wall. Ein umgestürzter Baum hatte aufeinandergestapelte Steine freigegeben: die alte Wallanlage der einstigen Wittekindsburg. Steine aus dem 9. Jahrhundert kamen so zum Vorschein und regten die Vorstellung von einer vergangenen Zeit an.
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