Auf den Sattel, fertig, los: Moderne Elektroräder fahren im Trend / Schulung der Verkehrswacht
"Die Verkaufszahlen gehen steil nach oben", sagt Günther Becker, Vorsitzender der Verkehrswacht Minden-Lübbecke. 2011 seien in Deutschland 800000 Elektroräder verkauft worden, für das laufende Jahr werde mit einem Absatz von zwei Millionen Stück gerechnet. Besonders für ältere Radfahrer seien sie interessant: Dank elektrischer Motorunterstützung sind Gegenwind und Steigungen kein Problem mehr. Die Hersteller bieten inzwischen nahezu jeden Typ an: ob Hollandrad, Trekkingbike oder Cityflitzer - Käufer haben die Qual der Wahl.
Pedelec oder E-Bike:
- Die Welt der Elektroräder ist groß. Käufer sollten sich umfassend informieren.
- Generell unterscheidet man zwei Typen: Wird das Bike mit Muskelkraft und unterstützendem Elektromotor betrieben, so spricht man gemeinhin vom Pedelec (Pedal Electric Cycle) mit einem Tempolimit bei 25 km/h. Radwege sind erlaubt. Keine Helmpflicht.
- Räder, die ohne eigene Anstrengung und nur mit Motorleistung betrieben werden, kennt man als E-Bikes. Sie verstärken bei über 25 km/h den Tritt und dürfen nur mit Führerschein gefahren werden. Pflichtversicherung und Kennzeichen sind nötig. Helmpflicht.
- Zum Preis: Weil bei Elektrorädern viel moderne Technik auf engstem Raum untergebracht ist, sind sie nicht ganz billig. 2200 Euro kostet das günstigste von der Stiftung Warentest geprüfte Rad.
Aber: "So ein Elektrorad muss auch beherrscht werden", sagt Dieter Saul, Vorstandsmitglied der Verkehrswacht. Wer ein E-Bike kauft, muss sich mit dem Thema noch eingehender beschäftigen als beim Kauf eines "normalen" Rads. Der Händler sollte auf jeden Fall eine Probefahrt - am besten schon unter den gewünschten Einsatzbedingungen - ermöglichen. Denn ein E-Bike ist nicht nur schwerer als ein herkömmliches Rad, es ist unter Umständen auch deutlich schneller. Daran müssen sich auch die übrigen Verkehrsteilnehmer erst gewöhnen. Kaum ein Autofahrer rechnet damit, dass sich so ein E-Bike mit 45 Kilometern pro Stunde nähern kann. "Sie unterschätzen die Geschwindigkeit, wie es früher oft bei Motorrädern der Fall war", sagt Dieter Saul. Die steigende Zahl von Elektrorädern birgt ein neues Risiko im Straßenverkehr, wie Crashtests gezeigt haben. Darüber hinaus sind die E-Bike-Fahrer oft älter als 55 Jahre und damit eingeschränkt, was Koordination, Reaktion und Gleichgewicht angeht.
Schon heute verunglückt in Nordrhein-Westfalen alle 33 Minuten ein Radfahrer. Damit auch ältere Radler sicher mit ihrem Hightech-Rad unterwegs sind, bietet die Verkehrswacht jetzt erstmals ein Seminar für E-Bikes an. Dieter Saul (66), Technik- und Radfan, wird die Schulung am 10. und 11. Mai leiten. Höchstens 14 Radler können teilnehmen, die Gebühr beträgt 20 Euro pro Person. Interessierte können sich ab sofort bei der Verkehrswacht Minden-Lübbecke, Telefon (0571) 44055, anmelden. Wichtig: Die meisten Teilnehmer sollten ihr eigenes Elektrorad mitbringen. Vier Räder hält die Verkehrswacht zum Ausprobieren bereit.
Das Gelände rund um das Gebäude an der Verkehrswacht in Minderheide bietet auf dem Verkehrssicherheitsplatz und der Umgebung genug Platz, um die Elektroräder in wechselnden Situationen auszuprobieren. Seminarleiter Dieter Saul plant, das Bremsen auf wechselnden Straßenverhältnissen zu üben, in Gruppen zu fahren und darüber hinaus eine längere Radtour (20 bis 30 Kilometer) zu unternehmen.
Kontakt: Verkehrswacht Minden-Lübbecke, Otto-Lilienthal-Weg 23, Tel. (0571) 44055 (10 bis 14 Uhr).