Martin Fechner und Christian Jelken steuern einen Eisbrecher auf dem Mittellandkanal
Lärm, Schlangenlinien, lautes Krachen, Vibrieren unter den Fußsohlen: Mal brechen sie Eisflächen auf dem Kanal auf, mal helfen sie Binnenschiffern, die im Eis stecken, aus der Klemme. Zwischendurch müssen sie die Maschine kontrollieren.
In den letzten Tagen waren Fechner (41) und Jelken (36) viel unterwegs. Der Mittellandkanal war zugefroren. So sehr, dass die Binnenschiffer ohne die Eisbrecher keine Chance gehabt hätten (das MT berichtete). Jetzt drehen die Schiffsführer vom Wasser- und Schifffahrtsamt wahrscheinlich ihre letzten Runden. Der Mittellandkanal ist so gut wie frei. Das Schiff schwappt bei 13 Kilometern pro Stunde nur noch ein wenig hin und her.
Einige Eischollen schwimmen noch auf dem Wasser. Ein bisschen sieht es aus wie durchgerührter Wackelpudding. Auf dem Eisbrecher namens "Flut" ist es gemütlich. Unten in der Kabine sind zwei kleine Schlafkojen, eine Küchenzeile und ein Klo mit Waschbecken. Kommt es hart auf hart, arbeiten sie bis zu 16 Stunden am Stück. Dazwischen legen sie sich unten schlafen oder machen sich Würstchen heiß.
Jetzt, wo das Eis gebrochen ist, kommt es nur noch drauf an, die Brocken gut durchzurühren, aufzupassen, dass nicht doch jemand festsitzt und besonders die Häfen und Drehpunkte frei sind.
Bald ist die Eissaison zu Ende. Zeit für den nächsten Job auf dem Wasser. Fechner arbeitet auf einer Mehrzweckfähre mit Kran. Im Winter springt er auf der "Flut" ein und verwandelt die dicke Eisflächen zu gestoßenem Eis. Jelken arbeitet mal hier mal da. Er ist Springer und hilft auf sämtlichen Schiffen des WSA aus. Seit drei Jahren allerdings jeden Winter auf dem Eisbrecher.
Fechner und Jelken haben ähnliche Lebensläufe. Die Väter waren Binnenschiffer und fuhren wochenlang auf dem Wasser. Als Jungs sind sie in den Ferien mit den Vätern mitgefahren. Später haben sie ihre Ausbildung zum Binnenschiffer dort gemacht. Kfz-Mechaniker und Elektroniker probierte Jelken aus - das war nichts. Auch Fechner, der ein Jahr lang in einer Lagerhalle arbeitete, wollte zurück aufs Wasser. "Das Draußensein vermisst man", sagt er. Das findet auch sein Kollege. Auf dem Schiff würden sie mehr Eigenverantwortung haben - ein bisschen das Gefühl von Freiheit.
Am Steuer: Christian Jelken.
Fechner und Jelken sitzen entspannt in dem Führerhäuschen. Im Gegensatz zu den Einsätzen der letzten Tage werden sie heute pünktlich Feierabend machen. Fechner fährt nach Quetzen, dort ist er auch geboren. Jelken muss nach Nienburg, ursprünglich stammt er aus dem Norden.
Jelken steuert die "Flut" an Land, Fechner wirft das Seil und bindet es um den Poller. Ob die beiden Schiffsführer auch heute noch mal ausrücken müssen oder schon der nächste Job wartet, wissen sie noch nicht.