Familienförderung und erzieherische Hilfen in der Stadt Minden erfordern rund 1,4 Millionen Euro zusätzlich
Für das Haushaltsjahr 2011 werden im Bereich der Familienförderung und erzieherischen Einzelhilfen letztendlich nun fast 13 Millionen Euro gebraucht. Mit dem Geld finanziert die Stadt Hilfe für Kinder und Jugendliche, deren Familien mit der Erziehung überfordert sind. Da es für die Stadt überraschend zu dem Mehrbedarf von 1,4 Millionen Euro gekommen war, stimmte in der vergangenen Woche der Jugendhilfeausschuss für die außerplanmäßige Ausgabe. Wie Jugendamtsleiter Rainer Mohnfeld in der Ausschusssitzung erklärte, sei zuvor die Kalkulation der Ansätze für das Haushaltsjahr 2011 "äußerst restriktiv" erfolgt.
Zum Teil mehrere Tausend Euro monatlich erfordert die Hilfe im Einzelfall, wenn eine Heimbetreuung von Kindern aus Problemfamilien vermieden werden soll. Zahlreiche Experten von Familientherapeuten bis Sozialpädagogen sind eingebunden, um Heranwachsenden einen stabilen Verbleib bei ihren Eltern zu ermöglichen. Zu Beginn des Jahres 2011 bestanden 144 derartige Hilfen in Minden - 104 weitere Fälle kamen im Jahresverlauf hinzu. Trotz positiver Veränderungen waren am Ende des Jahres 35 Personen mehr auf die Unterstützung angewiesen als am Anfang 2011.
Einen Zuwachs gab es auch bei der Zahl der Eingliederungshilfe. Zwölf Fälle wurden Ende 2011 gezählt. Hierbei geht es darum, Kinder mit seelischer Behinderung durch Fachexperten bei der Bewältigung ihres Alltags und der Schule zu unterstützen.
Zu Beginn des vergangenen Jahres waren 106 Kinder in Heimen untergebracht. Bis Mitte 2011 erhöhte sich die Zahl auf 121 Fälle und sank bis zum Ende auf 108. Insbesondere im ersten Halbjahr war es zu massiven Aufwandssteigerungen gekommen, was sich im gesamten Haushaltsjahr negativ ausgewirkt hatte.
Auch junge Volljährige brauchten verstärkt die Hilfe der Stadt. Hierbei wird pädagogische Unterstützung beim Weg in das Erwachsenenleben gewährt wie beispielsweise beim Abschluss von Schule oder Berufsausbildung.
Wie die Mitarbeiter des Jugendamtes nun aber feststellen mussten, ist der Finanzbedarf für all diese Leistungen immer schwerer einzuschätzen. Zur Ermittlung zukünftig notwendiger Summen wird unter anderem der Bestand an Betroffenen und deren weitere biografische Entwicklung zugrunde gelegt. Umzüge von hilfebedürftigen Familien stellen die Planungen jedoch immer wieder auf den Kopf. So kamen beispielsweise im vergangenen Jahr die Eltern von neun Kindern nach Minden. Drei befanden sich in auswärtigen Pflegefamilien und der Rest in Heimen anderer Kommunen. Da das Elternpaar den neuen Wohnsitz in Minden genommen hatte, muss die Stadt auch für den auswärts wohnenden Nachwuchs aufkommen.
Zu einer Steigerung der Effizienz der Arbeit des Jugendamtes soll zukünftig ein Beratungsunternehmen aus Essen beitragen. Ziel ist, die Wirkung der eingesetzten Mittel zu verbessern.