Mit ihren Guy-Fawkes-Masken und einer Hüpfeinlage auf dem Scharn sorgten sie unter den Passanten vor allem für eines - Verblüffung.
Der Protest ist Teil eines bundesweiten Aktionstages gegen das Handelsabkommen. In Berlin gingen 1500 Demonstranten auf die Straße, deutschlandweit waren in rund 60 Städten Demonstrationen angemeldet worden.
In Minden begleitete die Polizei den Protestzug mit lediglich zwei Beamten. "Das sind doch mehr, als wir erwartet hätten", gibt einer der Beamten zu, "aber die Kooperation mit dem Veranstalter läuft sehr gut, wir erwarten, dass das hier reibungslos über die Bühne geht."
Und das ging es dann auch, sogar viel schneller als geplant: Anderthalb Stunden waren für den Marsch vom Kleinen Domhof über Markt, Scharn, Bäckerstraße un zurück zum Domhof geplant - doch schon nach einer Dreiviertelstunde war alles vorbei.
Mit Sprechchören wie "Wir sind hier, wir sind laut - weil man uns die Freiheit klaut" und Aktionen wie "Wer nicht hüpft, ist für Acta - hüpf, hüpf, hüpf" zieht die bunte Truppe gut gelaunt durch die Innenstadt und erntet neugierige Blicke. Etliche der Teilnehmer mit den selbst gemachten Schildern und den am heimischen Computer ausgedruckten Masken sind dabei erkennbar in einem Alter, in dem man noch nicht einmal wählen darf.
Eigentlicher Anlass Passanten kaum bekannt
"Ach, guck mal diese Masken, die habe ich schon mal im Fernsehen gesehen", sagt ein Rentner zu seiner Begleiterin. Und so wie er reagierten am Samstagnachmittag viele. Die Guy-Fawkes-Maske, bekannt aus dem Film "V wie Vendetta", taucht seit einigen Jahren auf Demonstrationen auf - sie gilt als Kennzeichen der Internet-Aktivisten von Anonymous, wurde aber auch von den Protestierenden der Occupy-Wallstreet-Bewegung benutzt.
Weniger bekannt scheint allerdings der eigentliche Anlass des Protestzuges zu sein: "Acta? Nie gehört!", ertönt es ein ums andere Mal, wenn einer der Demonstranten den neugierig guckenden Passanten ein Flugblatt in die Hand drückt. Kein Wunder, immerhin geht es um eine rechtlich einigermaßen komplizierte Materie.
Mit dem "Anti Counterfeiting Trade Agreement", einem Handelsabkommen zwischen der EU, Japan und den USA soll vor allem der Produktpiraterie und Raubkopiererei der Kampf angesagt werden. Die meisten Kritiker befürchten allerdings, dass es einer verstärkten Überwachung und Zensur aller Internetaktivitäten Tür und Tor öffnet. Darauf reagieren vor allem die allergisch, die mit dem Netz groß geworden sind und sich täglich darin tummeln. Zur Demonstration in Minden kamen auch Schüler aus Lübbecke und Porta.
Für die Veranstalter ist jedenfalls ein wesentliches Ziel schon erreicht - Präsenz zeigen und ein paar Leute mehr auf das Thema aufmerksam machen. Alexander Jäger hält sich denn auch nicht mit einer langen Abschlussrede auf. "Wir bleiben in Kontakt - über Facebook", heißt es zum Abschied. Er und Mitorganisatorin Susanne Schnake von der Mindener Wählergemeinschaft Reboot 2014 sind mehr als zufrieden mit der hohen Teilnehmerzahl. "Und das, obwohl die Regierung gestern bekannt gegeben hat, dass sie Acta vorerst nicht unterschreiben will - Wahnsinn", meint Schnake.
@wann, daher hoffe ich, dass Sie dann VORHER informiert werden und uns durch Ihre Anwesenheit unterstützen können! :-)