Mittellandkanal komplett gesperrt / Transport Richtung Bremen nicht mehr möglich / Eisschollen keine Gefahr
So etwas hat es seit Jahren nicht mehr gegeben: Eisschollen mit einem Durchmesser bis zu zwei Metern treiben jetzt auf der Weser stromab. Beim derzeitigen Dauerfrost konnte weder die Kalilauge durch das Bergbauunternehmen Kali+Salz noch die Erwärmung des Flusses durch das Kühlwasser von zwei Kraftwerken dem Gefrieren Einhalt gebieten.
Nach Auskunft von Henning Buchholz, Leiter des WSA Minden, stellen im Einzugsbereich seiner Behörde - von Rinteln bis Petershagen - die Eisschollen auf der Weser bislang keine Gefahr für die Schifffahrt dar. Allerdings ist der Wasserweg für den Transport eingeschränkt und unwirtschaftlich geworden, da die Strecke zu den Seehäfen nicht mehr angefahren werden kann. Der für die Passage nach Bremen erforderliche Schleusenkanal Langwedel ist mittlerweile eingefroren.
Im Norden ist die Gefahr durch gefrierendes Wasser auf der Weser wesentlich größer. So war ein Binnenschiff vermutlich wegen des Eisgangs bei Brake (Landkreis Wesermarsch) leckgeschlagen. Der Kapitän und seine Familie blieben bei dem Vorfall am Dienstagabend unverletzt. Nach ersten Ermittlungen ging gestern die Polizei davon aus, dass der Eisgang das Schiff gegen den Anleger drückte und dadurch ein Loch in den Rumpf gerissen wurde. Wasser drang in den Maschinenraum ein, teilte die Wasserschutzpolizei in Brake mit. Die Feuerwehr setzte Pumpen ein. Das Schiff wurde zur Reparatur in den Binnenhafen geschleppt. Umweltschaden entstand nicht.
Der Mittellandkanal ist am Mittwoch komplett zugefroren. "Wir haben ihn gesperrt", sagte Henning Buchholz. In Ostwestfalen fahre kein Schiff mehr. "Wir können mit unseren Eisbrechern das Eis auch nicht mehr wegschieben. Das Problem ist, dass die Eisdecke sehr hart ist und schnell wächst." Festgefahren ist die Situation auch auf dem Dortmund-Ems-Kanal, wo die Eisbrecher nur noch bis Mittwoch unterwegs sein sollten, um eine Handvoll Schiffe von Münster ins Ruhrgebiet zu begleiten. Danach fahre zwischen Datteln und der Ems nichts mehr, sagte Manfred Winter vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Rheine. "Das Eis ist zu dick - bis zu 30 Zentimeter, wenn Schollen übereinanderfrieren."
Ein bis zwei Wochen bleiben die Kanäle jetzt zu, sind sich die Experten sicher. Für die Binnenschiffer wäre das zwar noch keine Katastrophe. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen für einzelne Unternehmer können aber gravierend sein", sagte Jens Schwanen, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Binnenschiffer. Die meisten Schiffer und die verladende Wirtschaft seien jedoch gut auf eine "normale Eiszeit" eingestellt.
Die Binnenschiffer können nun nur auf Tauwetter hoffen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Essen lässt das aber noch auf sich warten. Die Temperaturen bleiben auch in den kommenden Tagen unter null Grad. "Ideal wäre Regen, dann taut das Eis schnell und wir würden die Eisbrecher wieder rausschicken", sagte Buchholz. "Solange wir Minusgrade haben, tut sich gar nichts."