Sie ist bis Mitte April geöffnet: genügend Zeit für interessante Entdeckungen. Das farbenfrohe Acrylbild "Blickpunkt" mit dem schwebenden Auge hat Uwe Jauch (45) gemalt. Für ihn ist es das Auge Gottes, aber die Interpretation möchte er eigentlich jedem Besucher selbst überlassen. Uwe Jauch malt die meisten seiner Bilder im Kunstatelier Wittekindshof (Bad Oeynhausen-Volmerdingsen). Als Assistent gibt er sein Wissen dort auch an den Nachwuchs weiter. Auch die Diakonie Stiftung Salem (Minden) bietet Kunsttherapie für Menschen mit Behinderungen an. Die beiden evangelischen Einrichtungen haben sich für die neue Ausstellung zusammengetan.
Keine Frage: Die vielen Farbtupfer an den Wänden tun der Atmosphäre im Gerichtszentrum gut. Das ist auch dem "Hausherrn" Klaus Peter Frenzen, Präsident des Verwaltungsgerichts, bewusst: "Wer es mit uns zu tun bekommt, empfindet den Kontakt als eher trist", sagte er gestern anlässlich der Ausstellungseröffnung. Dem stimmte Ulrich Strothmann, Vorstandssprecher der Diakonie Stiftung Salem, zu: Das Gebäude sei "ein Stück betonierte Tristesse", dem die farbenfrohe Kunst außerordentlich gut tue. Umso erfreulicher sei es außerdem, dass mit der neuen Ausstellung die so häufig geforderte Inklusion (Dazugehörigkeit) gelebt wird. Die Idee der Inklusion besteht darin, dass kein Mensch mehr als "andersartig" angesehen werden soll.
"Behindertenhilfe sollte sich nicht nur um sich selbst drehen", ergänzte Professor Dr. Dierk Starnitzke, Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Für die 20 beteiligten Künstler bedeutet diese Möglichkeit der Präsentation eine Anerkennung ihres Schaffens. "Und schon das Anschauen der Bilder schafft eine Verbindung zwischen Künstler und Betrachter", so Starnitzke.
Einige der Bilder stehen auch zum Verkauf. Uwe Jauch konnte sich gestern darüber freuen, dass sein Bild "Ein Herz für Behinderte", das bereits beim Kirchentag in Dresden zu sehen war, schon kurz nach der Eröffnung verkauft worden ist. Nicht nur der 45-Jährige hat unter den etwa 60 Gästen der Eröffnung schnell Fans gewonnen. Er selbst hingegen sei "sehr streng" mit sich selbst und auch detailverliebt, sagt er. Wenn er auf seine Werke schaut, sieht er auf Anhieb, was er hätte besser machen können. Inspiriert wird er von den Großen seines Fachs: "Hundertwasser, Picasso, Vincent van Gogh ..." Das weltberühmte "Nachtcafé" seines Lieblingskünstlers van Gogh hat er sogar mal ziemlich detailgetreu kopiert.
Weil sein Talent schon früh entdeckt wurde, hat Uwe Jauch bis heute an die tausend eigene Bilder gemalt. Nachdem er länger im Metallbetrieb des Wittekindshofes gearbeitet hat, hat er sich inzwischen ganz auf die Kunst spezialisiert. Beim Malen vergisst er Zeit und Raum. "Auch wenn das Atelier voller Leute ist, die durcheinanderreden - ich habe die Ruhe weg." Er ist eins mit sich und seinem Tun. Andererseits seien aber auch die Gespräche über die Malerei wichtig, um sich weiterzuentwickeln. Die Auseinandersetzung mit Kunst fördert kreatives Denken und neue Ideen.
Die Ausstellung "Das Leben ist bunt" ist von Montag, 6. Februar, bis einschließlich Freitag, 13. April, im Gerichtszentrum Minden (Königswall 8) zu sehen. Die Zeiten: montags und dienstags von 7.30 bis 16 Uhr sowie mittwochs bis freitags von 7.30 bis 15.30 Uhr.