Paul Klassen beliefert aus Minden Kunden mit gehobenen Bedürfnissen / Vor 22 Jahren aus Tschetschenien eingewandert
Man kann es kaum glauben, doch ist diese Aussage wohl nicht übertrieben, und davon überzeugte schnell ein Besuch bei Paul Klassen, dem Inhaber des Unternehmens, der gern bereit war, über seine Produkte und insbesondere die eindrucksvolle Firmenphilosophie zu berichten. Hier werden Luxusautos hergestellt für Menschen mit außergewöhnlichen Wünschen und ebensolchem Vermögen. Ein Fahrzeug dieser Art wurde gerade fertiggestellt, ein kleiner Bus, der äußerlich zwar sehr gut aussieht, dem man aber auf den ersten Blick nicht ansieht, was in ihm steckt.
Bei der Innenausstattung der Fahrzeuge wird jeder Kundenwunsch erfüllt. | Foto: pr
Das "Grundgerüst" ist ein Mercedes Sprinter, alles andere trägt aber die Handschrift der Firma Klassen, die das Fahrzeug nach den speziellen Wünschen eines prominenten russischen Kunden, dessen Name vielen bekannt sein dürfte, der aber nicht genannt werden soll, ausgebaut wurde. Sehr bequeme, weiche, lederbezogene Sitze, die in alle Richtungen verstellt oder gedreht werden können, sorgen für das körperliche Wohlbefinden der Mitfahrer. Auch die eingebaute kleine Bar und der Kühlschrank dienen diesem Zweck. Die Musikanlage kann für Unterhaltung sorgen und natürlich auch ein großer Fernseher. Ein Knopfdruck, und schon erscheinen kyrillische Zeichen - noch einmal tasten und ein Spielfilm in russischer Sprache beginnt. Kaffee gefällig? Die Kaffeemaschine schwenkt aus und wie von Geisterhand folgen die kleinen Tische vor jedem Sitz.
Man kann die vielen Funktionen kaum erfassen. Alles in diesem Fahrzeug kann per iPad zentral gesteuert werden. Und doch sieht alles nicht nach einer technischen Superkonstruktion aus, es hat vielmehr den Charme eines gemütlichen Wohnzimmers, das allerdings in allen Details als "edel" und keineswegs überladen bezeichnet werden kann.
"Wir erfüllen jeden Wunsch"
"Wir erfüllen jeden irgendwie zu realisierenden Wunsch, der Kunde ist bei uns König", so Paul Klassen, der gern über seine Lieferungen berichtet, die oftmals nach Russland oder die Emirate, nach Afrika und auch Vietnam erfolgten. Inzwischen fahren seine Fahrzeugen in 40 Ländern, natürlich auch in Deutschland.
So hatte sich eine 82-jährige Dame, die in Baden-Baden ihr Schloss als Hotel betreibt, ihr persönliches Traumfahrzeug bestellt. Auf einem Video ist zu sehen, wie für die wohl nicht mehr so bewegliche alte Dame ein Sitz gebaut wurde, der nicht nur Komfort bietet, sondern sie auch durch die Tür nach außen zur ebenen Erde transportieren kann.So eindrucksvoll die technischen Leistungen der Fahrzeuge sind, so beeindruckend sind auch der Lebensweg und der berufliche Aufstieg des heute 33-Jährigen. Vor 22 Jahren kam Paul mit seinen Eltern und vier Geschwistern von Tschetschenien nach Päpinghausen. Es fehlte an allem, und so war man froh, mit Manfred Jahnke einen Menschen zu finden, der ihnen helfen wollte. "Ich löste gerade die Wohnung meiner verstorbenen Eltern auf und konnte für den Haushalt der großen Familie vieles zur Verfügung stellen", berichtet Jahnke.
Vater Peter Klassen arbeitete bald als Tischler und erzog seine Kinder zu Fleiß und Zielstrebigkeit. Ein Haus wurde gebaut, und schon mit zwölf und dreizehn Jahren haben die Jungen die Wände gemauert. "Nachbarn vermuteten, dass die nur krumm und schief werden könnten", sagt Paul Klassen, für den nichts unmöglich erscheint. Sein erstes Geld verdiente er bei einem Bauern in Päpinghausen, wo er für wöchentlich 20 D-Mark den Stall ausmistete. "Wir haben alles durch unsere eigene Arbeit geschafft und zu keiner Zeit Sozialhilfe oder andere öffentliche Leistungen in Anspruch genommen", sagt der junge Unternehmer, der schon mit 17 heiratete, inzwischen fünf Kinder hat, immer für den Unterhalt seiner Familien selbst gesorgt und sich "nebenbei" noch in der Ukraine durch ein Fernstudium zum Maschinenbauingenieur weitergebildet hat.
"Das Geld liegt nicht auf der Straße"
"Das Geld liegt nicht auf der Straße, Du hast es zwischen den Ohren" hatte Paul von seinem Vater gelernt, der ihn früh dazu erzog, sich eigene Ziele zu setzen. So mietete Paul Klassen dann im Jahre 2001 an der Pionierstraße eine Garage und begann mit dem Im- und Export von Transportern. Der Ausbau von Reisebussen folgte, inzwischen in den Gebäuden der früheren Firma Ackmann am Schwarzen Weg. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse hat Klassen bald Verbindungen in Russland geknüpft, erkannte schnell eine Marktlücke und ging mit der Lieferung von Luxusautos eigene Wege.
Heute sind 15 Mitarbeiter in seinem Betrieb in Minden tätig, Fachleute, deren Können sich nicht nur auf ein bestimmtes Gebiet beschränken dürfe, doch die wären kaum zu bekommen. "Wir sind wie eine große Familie", berichtet Klassen, jeder würde seine Leistung im Betrieb nicht nur als Pflicht sehen, sondern sich mit "seinem" Betrieb identifizieren.
Die Arbeit in Minden beschränke sich auf die wichtigsten Dinge, insbesondere mit allem, was die Sicherheit der Fahrzeuge betreffe. Dann würden sie in die Türkei zum weiteren Ausbau transportiert und kämen zum Schluss wieder nach Minden. Dann aber werden einzigartige Luxusautos ausgeliefert, deren Preis oftmals mehr als 300000 Euro beträgt, und trotzdem kann die Nachfrage kaum befriedigt werden.
Gibt es Konkurrenten? "Wir haben die Spur in den Schnee gemacht, andere können in dieser Spur laufen", lächelt Paul Klassen verschmitzt.