Erstes Containerschiff aus niederländischem Welthafen legt in Minden an / "Hinterland der Weserstadt erschließen"
Neun Uhr morgens im Mindener Hafen: Es ist kalt, der Boden des Geländes gefroren, eisiger Wind weht. Trotzdem liegt Spannung in der Luft: Sebastian Jezek, Projektkoordinator des Hafenbands am Mittellandkanal, und Hans-Jürgen Hansch, Ex-MEW-Geschäftsführer und Berater der Mindener Hafen GmbH, warten gespannt auf ihren Ehrengast.
Esmee, das Schiff aus Rotterdam, ist mit rund 1120 Tonnen Mineralien an Bord unterwegs nach Minden. Die Fracht lagert in 40 Containern, die in der Weserstadt auf Lkw verladen und dann zu einer 60 Kilometer entfernten Firma gebracht werden. "Eine Premiere", wie Sebastian Jezek sagt. Ein Containerschiff aus dem größten Hafen Europas hat noch nie Halt in Minden gemacht.
Dabei ist an Esmee erst mal wenig besonders: Das 85 Meter lange Gefährt ist nur minimal größer als die Kähne, die sonst auf dem Mittellandkanal unterwegs sind (15 Zentimeter). Auftraggeber ist das niederländische Unternehmen Distri Rail, das zwar täglich Waren auf Schienen und Wasserstraßen nach Deutschland bringt, Minden bis jetzt aber noch nicht auf der Agenda hatte. "Schiffswege hierher gelten in den Niederlanden als unlogisch", sagt Inhaber Johan Booij.
Bei Nachfrage eigene Linie möglich
Reedereien aus Rotterdam würden nach Bremen, Hamburg oder ins Ruhrgebiet schiffen, um Waren von dort auf Laster oder Schienen umzuladen. Der Auftrag für die Weserstadt war eher ein Zufall. "Herr Booij hat vor einer Woche angerufen, dass das Schiff kommt, wir haben dann schnell alles klar gemacht", sagt Sebastian Jezek.
Wenn es nach ihm und Hansch geht, soll Minden künftig häufiger von den Niederlanden angesteuert werden. "Wir hätten nicht gedacht, dass das so schnell geht", sagt Hansch. Auch Booij war überrascht, das Esmee innerhalb von dreieinhalb Tagen in Minden war, wenn auch mit drei Stunden Verspätung auf den letzten Metern. "Die Schiffe von Bremen oder Hamburg aus brauchen hierher fast genauso lang", sagt Hansch.
Die dreieinhalbtägige Route der Esmee. MT-Grafik: Hoffmann
Esmee, so sagt er, eröffnet neue Möglichkeiten und hat die drei Männer auf eine Idee gebracht. "Minden hat ein riesiges Hinterland", sagt Booij. Von der Weserstadt aus könnte die Region von Ostwestfalen bis Magdeburg abgedeckt werden. Erst per Schiff oder Schiene, später per Laster. "Wir werden sehen, ob unsere Kunden das nachfragen", sagt Booij. Auch Jezek will die Verbindung zwischen dem Mindener Hafen und Rotterdam vermarkten. "Wir werden heimische Firmen ansprechen", sagt er.
Am Ende lassen sich die drei noch zum Träumen hinreißen: "Wenn die Nachfrage sehr groß ist, könnten wir jede Woche Rotterdam-Minden und zurück mit dem Schiff fahren und auch eine Tour auf der Schiene anbieten", sagt Booij. Wenn es so kommt, wäre die Esmee wohl auch im umstrittenen Regioport ein gern gesehener Gast.
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