Rund 500 Menschen beim Trauermarsch für die ermordete 18-jährige Kurdin Arzu Ö. in Detmold / Große Fassungslosigkeit
Die Frau mit der Strickmütze verziert mit einem Hermannsdenkmal auf dem Kopf schiebt die Hände in die Hosentaschen, dann blickt sie zu Boden. Ja, sagt sie, die Arzu. Weiter kommt sie nicht. Ein Kopfschütteln. Ein langer Atemzug. Eine Handbewegung, die ins Leere geht. Und sie taucht auf der Straße vor der Bäckerei Müller, wo der Trauermarsch startet, in der Menge unter.
Still ist es auf dieser Straße, wo sonst viele Fahrzeuge fahren. Still und nasskalt. Die Stille wird auch nicht dadurch gestört, dass immer mehr Menschen auf die Straße strömen. Sie kommen in Gruppen, den Blick leicht gesenkt, viele haben Blumen in der Hand. Selten war eine Massenveranstaltung eine so lautlose Sache wie beim Trauermarsch für die ermordete Arzu Ö., der vom Verein für Integration "Peri" organisiert wurde.
Die junge Kurdin, die am 1. November 2011 von ihrer eigenen Familie verschleppt wurde, ist am 13. Januar tot aufgefunden worden. Die an der Entführung beteiligten fünf Geschwister sitzen in Untersuchungshaft und schweigen. "Arzu musste sterben, weil sie sich in den falschen Mann verliebt hat", sagte Peri-Vorsitzende Serap Cileli. Bislang hätten diese Frauen und Mädchen in Deutschland den Status von Mordopfern zweiter Klasse: Gedenkveranstaltungen fänden entweder erst gar nicht statt oder könnten nur eine geringe Teilnehmerzahl aufweisen, wobei die Politprominenz häufig mit Abwesenheit glänze.
Doch unter den 500 Trauernden, die sich in Remmighausen versammelt haben, sind auch Ute Koczy (Bündnisgrüne), Dennis Maelzer (SPD) und Landrat Friedel Heuwinkel (CDU). Sie alle eint eins: Abschied von Arzu Ö. wollen sie nehmen, ihr die letzte Ehre erweisen, wie sie sagen.
Ingrid Seger ist auch gekommen. Sie hat gar keine Meinung, sagt nur, dass sie es einfach nicht fassen könne, sie habe doch immer bei Arzu ihre Brötchen gekauft. Es klingt etwas unwirklich hier, inmitten der erleuchteten Innenstadt Detmolds, wo die Geschäfte mit der neuen Frühjahrsmode werben und die Restaurants und Kneipen auf ihre Gäste warten. Auf dem Detmolder Marktplatz endet der Trauermarsch. Dort sprechen Detmolds Bürgermeister Rainer Heller, Friedel Heuwinkel und Serap Cileli noch einmal in die Mikrofone und Kameras, auch sie reden von Unfassbarem, aber auch davon, dass die Gemeinschaft jetzt zusammenstehen müsse.