MT-Serie: Ausschreibung im Auftrag der Politik bringt nur wenig Resonanz/Zwei Altbekannte unter den Interessenten
VON HANS-JÜRGEN AMTAGE
Minden (mt). Vier von 28. Auf diese kleine Menge ist die Zahl der Investoren geschrumpft, die Interesse bekundet haben, sich für ein abgespecktes Einkaufszentrum im Rathausquartier zu engagieren.
Im Juni 2011 hatte die Stadtverwaltung im Auftrag der Politik Exposés an rund 170 Projektentwickler versandt. Darin enthalten die Bitte, die Investoren mögen eine "große" Einkaufscenter-Lösung mit etwa 6400 Quadratmetern Verkaufsfläche unter Einbeziehung von Teilen des sogenannten Neuen Rathauses erarbeiten. Einen Monat später lagen 28 Interessenbekundungen, drei Absagen und ein potenzieller Mietinteressent in der Verwaltung vor. Der Rest der angeschriebenen Entwickler ignorierte das Ansinnen der Stadt.
Anfang August ging dann die Aufforderung an die Interessenten, sie mögen Ideenskizzen und ein Grobkonzept für ein Einzelhandelsprojekt im Rathausquartier vorlegen. Jetzt die Bilanz: nur vier Investoren reichten die gewünschten Unterlagen fristgerecht ein.
Darunter zwei in Minden altbekannte Projektentwickler. Zum einen die Multi Development Germany GmbH, die bis zum Bürgerentscheid im November 2007 plante, eine Domhof-Galerie im Zentrum der Innenstadt zu errichten. Zum anderen die Management für Immobilien AG (MFI), die im Jahr 2006 zum Auftakt der Planungen für eine große Einkaufsgalerie im Rathausquartier gemeinsam mit dem Mitbewerber, dem Hamburger Projektentwickler ECE, Entwürfe vorgelegt hatte.
Neu dabei ist die MAB Development Deutschland mit 40 Jahren Erfahrung auf dem Immobilienmarkt und die WP Real Estate, die seit 20 Jahren Erfahrungen in der Projektentwicklung mitbringt und auf studentisches Wohnen und kleinere Handelsimmobilien spezialisiert ist.
Dass die vorgelegten Entwürfe tatsächlich nur Ideenskizzen sind, wird darin deutlich, dass es keine Angaben zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gibt. Außerdem sind Kundenströme nicht genau kalkuliert, da bis Ende März noch in der Schwebe ist, ob der Projektentwickler ECE an der Bäckerstraße eine Wesertor-Galerie realisieren kann oder nicht.
So wollen Stadt und Verwaltung die vier Vorschläge in die weitere Diskussion mit einbeziehen. Dabei erklärte Bauausschuss-Vorsitzender Peter Düster (BBM) bereits mit Blick auf die Zukunft des Neuen Rathauses: "Es kann nicht sein, dass wir eine Lösung wählen, in dem wir zwei Rathaus-Museen schaffen." Es müsse auf jeden Fall eine Verbindung beim sogenannten Deilmann-Bau geben, der in weiten Teilen bestehen bleiben soll. Der Bündnisgrüne Horst Idelberger empfahl, der Rat solle vor dem Hintergrund eines solchen Projektes die Bürgerschaft mit einem eigenen Begehren einbeziehen.
blaublütiger hochadel schrieb am 14.01.2012 20:42 Uhr
@Nestbeschmutzer,
Minden ist gewiss nicht die einzige Stadt mit leerstehenden Geschäften. Davon gibt es viele Städte in Deutschland. Kaum vorstellbar, dass in sämtlichen Fällen ein Versagen der Kommunalpolitik vorliegt. Auf mögliche Ursachen hatte ich unten kurz hingewiesen. Ich denke nicht, dass diese Uraschen unbedeutend sind, führen sie doch zu den Grundlagen der Rahmensetzung der Handlungsweisen der Gesellschaftsakteure - wobei die Handlungsweisen eben durch die Folgen und Wirkungen insbesondere der Arbeits-, Sozial- und Steuergesetze - auch - auf kommunalpolitischer Ebene eingeschränkt wurden.
Was kann man tun, wenn Optionen wegbrechen? Schadensbegrenzung? Davon nehmen die Bürger allerdings nicht viel wahr. Ob dann das Heil in Großprojekten liegt, dürfte fraglich sein. Falls doch Großprojekte geplant und realisiert werden sollen, wäre schon ein möglichst weiter Blick in die Zukunft erforderlich. Dazu gibt es Determinanten. Natürlich wäre die Fiktionsbereitschaft nicht nur nicht zu vernachlässigen, sondern kontinuierlich zu fördern - in stetem transparenten Austausch mit den Bürgern. Schließlich braucht Minden keine Meckerkästen, sondern Ideen-Aggregate. Sie sehen also, lieber Nestbeschmutzer, dass ich Ihre Meinung nicht grundsätzlich ablehne, aber etwas anders an die Thematik herangehe. Allen ein schönes Wochenende!
Nestbeschmutzer schrieb am 12.01.2012 09:51 Uhr
@blaublütiger hochadel zu: Die bestehenden Leerstände in der Innenstadt sind im Übrigen kaum von der Stadtregierung zu verantworten,.....
man geht doch zur Kommunalwahl, um sich seine Volksvertreter vor Ort auszusuchen, in der Erwartung, das sich diese in kommunalen Krisen an die Front stellen um dort ihr gesamtes Wissen und ihre Weisheit zum Einsatz bringen. Macht aber keiner. Lieber tut man so, als ob das gesammte Geschick der Stadt einzig und allein von äußeren Faktoren abhängt.
A.S. schrieb am 12.01.2012 09:50 Uhr
WAS hilft dann??? Es schließt doch ständig irgent ein Geschäft !!! Da hat man doch keine Lust mehr zum Shoppen.
Roli schrieb am 12.01.2012 08:54 Uhr
Mit dieser völlig überdimensionierten Fußgängerzone wird Minden systematisch kaputt gemacht - da hilft auch kein Einkaufszentrum.
Alter Mindener Junge schrieb am 11.01.2012 22:50 Uhr
Ohne Parkplätze direkt bei den Geschäften oder einer Strassenbahn mit guter Anbindung bzw. "Park & Ride" - Plätzen wird das nichts. Betrachtet man die Reklame gewisser Entwicklerfirmen, sieht man - Strassenbahnschinen. Haben wir aber nicht, hatten wir mal. Also denn - träum' weiter, Heimatstadt!
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Was kann man tun, wenn Optionen wegbrechen? Schadensbegrenzung? Davon nehmen die Bürger allerdings nicht viel wahr. Ob dann das Heil in Großprojekten liegt, dürfte fraglich sein. Falls doch Großprojekte geplant und realisiert werden sollen, wäre schon ein möglichst weiter Blick in die Zukunft erforderlich. Dazu gibt es Determinanten. Natürlich wäre die Fiktionsbereitschaft nicht nur nicht zu vernachlässigen, sondern kontinuierlich zu fördern - in stetem transparenten Austausch mit den Bürgern.
Schließlich braucht Minden keine Meckerkästen, sondern Ideen-Aggregate. Sie sehen also, lieber Nestbeschmutzer, dass ich Ihre Meinung nicht grundsätzlich ablehne, aber etwas anders an die Thematik herangehe. Allen ein schönes Wochenende!