BVO will 800000 Euro von kommunalen Auftraggebern / Geringere Ticket-Einnahmen als Grund genannt
Auf 800 000 Euro soll sich die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben bereits belaufen. Für die Stadt Minden sind das rund 300000, die Stadt Porta Westfalica hat eine Rechnung über rund 120000 Euro bekommen.
Und das werden sie wohl bezahlen müssen, denn anders als bisher ist die Vereinbarung zwischen dem Linienbetreiber und den Aufgabenträgern (Kreise für die Kommunen) eine gemeinwirtschaftliche, nicht mehr eine eigenwirtschaftliche. Der Unterschied: Bei der eigenwirtschaftlichen wird eine feste Förderung für einen bestellten Lieferumfang vereinbart und der Linienbetreiber, hier VMR, muss damit auskommen. VMR konnte das nicht mehr und gab die Lizenz zurück.
Beim gemeinwirtschaftlichen Vertrag, hier mit BVO, versprechen die Kreise die Übernahme einer Deckungslücke zwischen Einnahmen und Kosten.
Die zu erwartenden Einnahmen wurden von der MHV, als von den Kreisen beauftragte Trägergesellschaft, nach kommunalen Angaben errechnet. Ihre Kosten schrieben die Wettbewerber in die Angebote zur Ausschreibung. Das ist ihre Stellschraube. Das Angebot mit den niedrigsten Kosten bekam den Zuschlag. Laut Angabe des Unternehmens sollen fehlende Einnahmen Auslöser für das Loch in der Kasse sein.
Für die Mindener Linien nennt BVO dafür als Gründe, die unattraktive Lage des Ausweich-ZOB und den Streik vor ihrer Zeit, der das Busimage geschädigt habe. Kritiker halten eher Service- und Leistungsmängel für wenig Anreiz, in den Bus zu steigen. Als jüngstes Beispiel nennen sie die verpasste Werbechance fürs Busfahren bei der Einweihung des neuen ZOB.
Während für die Bürger die Defizitnachricht der BVO überraschend kommt, ist für die Eingeweihten nur der frühe Zeitpunkt überraschend. Kreiskämmerer Hartmut Heinen, gleichzeitig im Aufsichtsrat der MHV, hat es schon in den Haushaltsentwurf 2012 geschrieben. "Dass wir noch zuschießen mussten, war uns von vornherein bewusst," sagt er. Bei den anderen seinerzeitigen Lizenzbewerbern läge das heute noch höher und unter den Vertragsbedingungen zu VMR-Zeiten hätte man ein um 2,5 Millionen Euro höheres Defizit, weiß Heinen.
Jedenfalls ist eingetreten, was Kritiker bei der Vergabe befürchtet hatten, und erinnern sich an ein "über Jahre auskömmliches Angebot" wie es damals die Verkehrsbetriebe Extertal abgegeben hatten. Auch die kreiseigenen MKB gehörten zu den Unterlegenen der Ausschreibung.
Die sah als Bedingungen für den Zuschlag eine "Steigerung der Fahrgastzahlen und Sicherstellung einer hohen Wirtschaftlichkeit" vor - neben modernen Fahrzeugen, nach Tarif bezahlten, geschulten Fahrern, auch bei den Subunternehmen.
Verwunderung löst auch aus, dass seitens des Unternehmens die geringeren Fahrgastzahlen mit der demografischen Entwicklung erklärt werden, zum Beispiel im Schulverkehr. Das sei wohl so plötzlich gekommen wie Weihnachten, spotten sie. Jetzt gerade mal sieben Monate nach Betriebsstart nach öffentlichem Geld des Auftragsgebers zu rufen, sei doch etwas seltsam.
Nach MT-Informationen hat es keine drei Monate gedauert, bis die Probleme deutlich geworden sind.
Fakten
84 Jahre hatten die Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg (VMR) den größten Teil des öffentlichen Personennahverkehrs im Altkreis Minden bedient. Zuletzt verkauft von Eon an die Üstra in Hannover, die VMR an den Entsorgungskonzern Rethmann weiterleitete. Der weigerte sich Geld zuzuschießen, als VMR mit den Kosten nicht mehr zurechtkam. Die Belegschaft leistete einen Sparanteil von 1,5 Millionen Euro vergeblich. Zum 30. Juni 2011 wurde der Betrieb geschlossen.
Am 12. Juni 2011 nahm die Busverkehr Ostwestfalen GmbH (BVO) den Betrieb auf den in einer Ausschreibung gewonnenen Linienbündeln in Minden, Porta Westfalia und im Kreis Herford auf,
BVO hatte 2008/2009 Linienbündel im Altkreis Lübbecke an die Mindener Kreisbahnen verloren und daraufhin in Lübbecke den Betriebshof geschlossen.
Die seit Juni laufenden Verträge gelten bis 2017 (Kreis Herford) und 2018
(Altkreis Minden).
BVO beschäftigt nach eigen Internet-Angaben 204 Busfahrer und 63 Angestellte, fährt mit 119 eigenen Bussen und etwa gleichviel angemieteten. BVO befördert 30 Millionen Fahrgäste im Jahr.
gebe dir recht, als Busfahrer arbeitest du heutzutage Vollzeit auf Hartz4-Niveau