Bildungsausschuss empfiehlt schweren Herzens eine von drei dringenden Baumaßnahmen
Die Situation ist schwierig: Drei Schulen haben extrem drückende Platzprobleme, die nur durch teure An- oder Umbauten gelöst werden können. Für alles wären rund 8,8 Millionen Euro nötig. In 2012 vorhanden sind allerdings nur 600000 Euro. Und so empfahl die Steuerungsgruppe für die Schulentwicklungsplanung (SEP) dem Bildungsausschuss das Projekt, das tatsächlich kurzfristig und mit in den kommenden Jahren vorhandenem Geld realisiert werden kann: den mit 800 000 Euro veranschlagten Mensa-Anbau für die Freiherr-von-Vincke-Realschule. Diese Mensa soll später auch das benachbarte Besselgymnasium mit nutzen können.
Abschied von Modell der Mensa im Keller
Damit nahmen die Bildungspolitiker gleichzeitig Abstand von einem zunächst vorgestellten Modell: der Schulmensa im Keller des bestehenden Vincke-Gebäudes.
Durch den Anbau wird die Mensa sehr viel breiter pädagogisch nutzbar. Gegen die Keller-Lösung hatte die Schulgemeinde nachdrücklich protestiert (das MT berichtete). Nach Besichtigung der Schule und ausführlicher Beratung schlossen sich die SEP-Mitglieder der Meinung an, dass der Keller nicht für eine Mensa geeignet sei. So empfahl der Bildungsausschuss jetzt die Anbaulösung.
Das Nachsehen haben zunächst Hohenstaufenschule und Ratsgymnasium. Die Hohenstaufenschule wartet seit Jahren darauf, dass der mit der ersten Welle der Schulentwicklung in Minden geplante Anbau realisiert wird. Probleme hier: Der Ganztag im Keller platzt aus allen Nähten; die sanitären Anlagen sind so, dass die Kinder gar nicht mehr darauf gehen mögen und sich nach Angaben der Schulleiterin Evelyn Blum extrem davor ekeln, ein Forum fehlt, und erst 50 Prozent der Schule sind energetisch saniert. Geschätzte Kosten: vier Millionen Euro.
Rund 70 Prozent der Kinder dieser Schule haben einen Migrationshintergrund. Neue pädagogische Konzepte, Unterrichtsdifferenzierung, kleine Räume für Sprachtherapie und ähnliches fehlen. "Wir wollen ein Begegnungszentrum für Migrationsfamilien werden", sagte sie im MT-Gespräch. "Das gelingt unter solchen Voraussetzungen sicher nicht." Hartmut Günther, stellvertretender Elternpflegschaftsvorsitzender: "Hier fangen Kinder mit ihrer Bildung an – da muss man doch gute Voraussetzungen schaffen und ein Zeichen setzten." Beide sind sich einig: "Es kann doch nicht sein, dass eine Schule so runtergewirtschaftet wird."
Das Ratsgymnasium braucht Räume, die die pädagogische Arbeit im gymnasialen Ganztag unterstützen. "Wir arbeiten in drangvoller Enge und sind enttäuscht darüber, dass zwei Jahre verstrichen sind, ohne dass die bauliche Ganztagsplanung weiter geführt worden ist", sagt Schulleiter Karl-Friedrich Schmidt.
Auf drei, vier Jahre hinten runterfallen
"Wir möchten die pädagogische Arbeit und unsere Visionen weiter entwickeln." Ohne zuverlässige Raumplanung gehe das nicht. Nachdem die Stadt hier nicht weiter geplant hat, hat die Schulgemeinde jetzt selbst einen Anbau entworfen. Kostenpunkt: ebenfalls vier Millionen Euro. Für Schmidt ist klar: "Die Stadt muss in die Kreditaufnahme gehen, alle Möglichkeiten ausloten."
Den Mitgliedern des Bildungsausschusses ist jedoch völlig klar. Über kurz oder lang müssen sie sich zwischen Hohenstaufenschule und Ratsgymnasium entscheiden. Noch hoffen sie, irgendwie für beide Projekte Zusatzgelder zu bekommen. Ausschussvorsitzender Michael Jäcke warnte vor einer vorzeitigen Entscheidung zwischen den beiden Bildungseinrichtungen: "Wenn wir uns für eine entscheiden, würde unweigerlich die andere auf drei, vier Jahre hinten runterfallen." Um sich einer Entscheidungsfindung zu nähern, besichtigt die SEP-Gruppe Ende des Monats beide Schulen. Die Verwaltung soll unterdessen nach Geldquellen suchen.