"Endlich Montag!" - Der Weg zum Traumberuf / Heiko Link vermittelt Schülern Spaß bei der Berufsfindung
Spaß bei der Berufsfindung vermittelt Heiko Link. Der 37-jährige Trainer aus Hiddenhausen erklärt den Jugendlichen die Methode "Life/Work Planning" - also Lebens- und Arbeitsplanung. Sie wurde in den USA entwickelt. Es handelt sich dabei um ein Verfahren zur beruflichen Orientierung mit zwei Besonderheiten.
Erstens: "Der Mensch steht im Mittelpunkt - und nicht etwa der Arbeitsmarkt oder die Beschäftigungsprognosen", erklärt Heiko Link. Das bedeutet auch, dass vermeintliche Schwächen weder gesucht noch wegtrainiert werden. Gesucht wird ein Arbeitsumfeld, in das der Mensch - so wie er ist und ohne sich zu verbiegen - hineinpasst. Um das zu verdeutlichen, verweist Heiko Link auf das "Pinguin-Prinzip" des Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen: "Du kannst aus einem Pinguin keine Giraffe machen - aber du kannst ihn ermutigen zu schwimmen."
Zweitens: Wer von der Methode überzeugt ist, sucht auf dem "verdeckten Arbeitsmarkt". Damit sind Ausbildungsplätze und Stellen gemeint, die nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Die Erfahrung, dass jemand einen Ausbildungsplatz über Eltern, Freunde oder Bekannte bekommt, hat fast jeder schon gemacht. Einzelfälle? Mitnichten. "Nur bis zu 33 Prozent der Stellen werden ausgeschrieben." Der verdeckte Arbeitsmarkt sei also um ein Vielfaches größer als der offene Arbeitsmarkt. Heiko Link bringt den Schülern bei, sich in einer Branche ihrer Wahl gezielt ein persönliches Netzwerk aufzubauen. Vielleicht entstehen dabei nicht nur neue Kontakte, sondern auch Freundschaften: "Das ist dann der Spaßfaktor an der Sache."
Einfach so auf wildfremde Leute zugehen und sie ausfragen? Dass viele Jugendliche dazu eine hohe Hemmschwelle zu überwinden haben, ist dem Seminarleiter natürlich klar. Darum rät Heiko Link, sich zunächst im Bekanntenkreis oder Sportverein umzuhören und dort ein bisschen zu üben. Die vier Fragen seien immer gleich: Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen? Was ist das Beste an dem Job? Was ist nicht so toll? Und: Wen kennen Sie, der mir weitere Tipps geben könnte? So sammelt man Insiderwissen und knüpft Bekanntschaften. Dabei werden die Schüler sich klar, was ihnen wirklich Spaß macht und welche Leistungen sie folglich auf dem Arbeitsmarkt anbieten wollen.
Gute Kontakte seien unbezahlbar, denn: "Die guten Jobs bekommen die Leute mit Namen und Gesicht." Heiko Link glaubt, dass die Methode Life/Work Planning sogar schriftliche Bewerbungen überflüssig macht - sofern sie konsequent und geduldig verfolgt wird. Denn Zufall passiert nicht, wenn man zu Hause herumsitzt und darauf wartet, dass jemand an die Tür klopft.
Das Seminar wurde vom Arbeitgeberverband ermöglicht. Dort sorgt man sich über die hohe Zahl der Jugendlichen, die ihre Ausbildung frustriert abbrechen. "Diese Situation gilt es - gerade in Zeiten des aufkommenden Fachkräftemangels - unbedingt zu vermeiden", so André M. Fechner, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Minden-Lübbecke (AGV). Gastgeber war die Firma Wago, die für die Schüler einen Raum im sechsten Stock - mit bestem Ausblick über Minden - zur Verfügung stellte. Dass Schüler oft falsche Vorstellungen von Berufen haben, weiß auch Thomas Heimann. Der Ausbildungsleiter bei Wago plant daher einen Tag der Ausbildung vor den Sommerferien 2012. Dort können sich die Jugendlichen einen Eindruck von den 17 Ausbildungsberufen und Studiengängen machen.
www.lifeworkplanning.de www.endlich-montag.net