"Zahlen Sie bitte Innerhalb von 10 Tagen (04.09.2011", stand unmissverständlich unter der Referenznummer, als Sabine Düker am Montagmorgen die Geschäftspost öffnete. Der Rest machte die Geschäftsfrau gleich stutzig.
248 Euro plus 47,12 Euro Umsatzsteuer, insgesamt 295,12 Euro, forderte der Kundenservice der OfficeMarkt 24 GmbH von dem Portaner Wasser- und Heizungsinstallationsunternehmen - für eine Software-CD. "Das haben wir nicht bestellt", war sich die Handwerkersgattin sofort sicher und ärgerte sich über das wie eine Rechnung aufgemachte Schreiben.
Anfragen bei IHK und Verbraucherberatung
Beim Blick ins Kleingedruckte erkannte Sabine Düker, dass es sich um ein Angebot der GmbH mit Hamburger Adresse handelte. Sauer blieb sie trotzdem. "In wie vielen größeren Betrieben wird so ein Schreiben durchgewunken und das Geld überwiesen?", fragt sie sich.
In der Hoffnung, dass irgendwo genau das passiert, haben die Abzocker ihr trügerisches Angebot großflächig gestreut und bundesweit Firmen angeschrieben. Die Welle kam Anfang vergangener Woche ins Rollen, wie entsprechende Einträge im Internet zeigen. "Wir hatten seit Montag mehrere Anfragen", sagte am Mittwoch Ursula Thielemann von der Verbraucherberatung in Minden. "Die Absender nutzen offensichtlich gezielt die Urlaubsphase in vielen Betrieben aus", mutmaßt sie dabei. Denn Urlaubsvertretungen gehen unter Umständen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe, und überweisen den Betrag.
Allerdings kann die Verbraucherberaterin den Unternehmen nicht helfen. "Das ist nach unserer Satzung nicht zulässig", sagt Ursula Thielemann. "Wir sind ausschließlich für Verbraucher zuständig, aber ich verweise die Anrufer an die IHK."
In der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld schrillen die Alarmglocken bereits seit einer Woche. "Wir hatten schon mehrere Anfragen und Beschwerden", berichtet Rechtsreferentin Morenike Throl. Für die fingierte Rechnung zur Urlaubszeit habe der Dachverband am vergangenen Freitag eine Warnmeldung abgegeben.
Kontor verlangt 40 Euro für Blumensträuße
Throl macht auch noch eine andere, aber irgendwie ähnliche Masche zu schaffen. "Ein sogenanntes Blumenkontor mahnt die Zahlung von gelieferten Blumen." Da der Betrag wesentlich geringer sei - knapp 40 Euro - und Unternehmen schon mal Blumensträuße für diverse Anlässe bestellten, sei die Tendenz, das Geld zu überweisen, wahrscheinlich größer als bei fast 300 Euro für eine noch zu liefernde CD. "Wenn die überhaupt kommt", hat Sabine Düker berechtigte Zweifel.
Unter der angegebenen Hamburger Telefonnummer läuft nur ein Ansageband. Es weist darauf hin, dass es sich bei dem Schreiben um ein "einmaliges Angebot für ermäßigte Produkte" handelt. Das Angebot sei "in keiner Weise verpflichtend und nicht von Ihnen bestellt". Bei Nichtinteresse könnten Adressaten das Schreiben "ignorieren und wegwerfen" - damit wäre dann auch das Beweismittel weg, falls sich noch jemand an die Polizei wenden will. In Minden habe dies aber noch niemand getan, sagte Polizeisprecher Werner Wojahn.