Steigende Nachfrage bei Banken / Verkäufe bei Juwelieren / Warnung vor fliegenden Händlern mit "Spezialangeboten"
Goldrausch auch in Minden: "Die Zahl der Käufe ist größer als in den vergangenen Zeiten", sagt Gerald Watermann, Pressesprecher der Sparkasse Minden-Lübbecke, zum derzeitigen Geschäft mit Barren und Münzen. Es sei durchaus zu beobachten, dass eine Umschichtung von Vermögenswerten stattfinde. "Auch Silber weckt bei Kunden das Interesse."
Gleiches weiß Anke Veil, Pressesprecherin der Deutschen Bank, zu berichten. "Da gibt es durchaus eine Nachfrage", meint sie. Engpässe auf dem Markt seien aber nicht festzustellen. Kunden erhielten auch weiterhin zügig die bestellten Münzen oder Barren.
Veil merkt an, dass Gold zwar als "sicherer Hafen" gelte, aber kein Zahlungsmittel sei. Es gebe beim Edelmetall keine Zinsen und keine Dividende - lediglich den steigenden Kurswert.
Davon wollen vor allem jetzt diejenigen profitieren, die ihren Altschmuck aus Gold beim Juwelier verkaufen. "Wir merken deutlich den steigenden Goldpreis", meint der Mindener Juwelier Peer Schwarz. "Die Leute verkaufen zum Teil ihren Altschmuck bei mir, um sich von dem Geld anschließend Goldbarren als Anlageobjekt zu besorgen."
Wie Schwarz erklärt, habe er vor dem "Goldrausch" davon abgesehen, das Edelmetall von Privatleuten anzukaufen. Jetzt allerdings diene es auch zur Verrechnung mit Neukäufen. Wenn früher ein Paar Trauringe 1000 Euro gekostet habe, dann liegt der Preis der vergleichbaren Ware nun bei 2500 Euro. "Da kann man gut Gold mitbringen, um das gegenzufinanzieren."
Der Juwelier hat beobachtet, dass sich in der Goldankäuferszene verstärkt Schwarze Schafe tummeln. Lockangebote im Internet und mobile Händler vor Geschäften - das gebe es jetzt auch in Minden. Manche wollten nur die Kunden übervorteilen. Oft würden dabei auch noch die Edelsteine in Verbindung mit dem Goldschmuck von den fliegenden Händlern als wertlos bezeichnet, ohne dass die Verkäufer dies beurteilen könnten. "Ich kann nur raten, sich bei solchen Geschäften an einen Fachmann zu wenden", sagt Schwarz.
Derartige Tendenzen beo- bachtet auch der Mindener Juwelier Thomas Döring seit zwei Jahren. "Ich stelle immer wieder fest, dass Kunden von Aufkäufern ein viel zu geringer Betrag geboten wird."
Da der steigende Goldpreis den Schmuck aus Edelmetall zunehmend verteuert, müssen die Juweliere gegensteuern. Döring macht darauf aufmerksam, dass man neben Rabatten die eigene Bestandsware zum Tageskurs des früheren Erwerbsdatums abgeben und Altschmuck zum aktuellen Tageskurs ankaufen könne.
Ausgedientes Gold für humanitäre Projekte
Mit Gold zu tun haben übrigens auch die Zahnärzte. "Gold ist bei Inlays meist das beste Material", meint beispielsweise Dr. Wolfgang Panthenius. Trotz anderer Materialien wollten Patienten auch weiterhin das Edelmetall für ihren Zahnersatz. "Aber immer weniger können sich das noch leisten."
Entfernte Goldfüllungen nehmen die Patienten mit nach Hause. "In anderen Praxen stehen mitunter Sammelbüchsen für den guten Zweck", meint Panthenius, der auch Vorsitzender der Mindener Organisation "Hilfe für Burkina Faso und weltweit" ist. Zahnmediziner sammelten ausgediente Füllungen, um humanitäre Projekte zu unterstützen. Davon sehe er allerdings ab.