Unbekannte vergreifen sich an Gedenksteinen für deportierte und getötete Mindener Juden / Staatsschutz informiert
Am Montagmorgen stellte eine Mitarbeiterin das Loch im aufgebrochenen Pflaster fest und informierte Hans Langescheid von der Friedenswoche, der zu den Initiatoren des Arbeitskreises Stolpersteine gehört. Denn Langescheid wollte am Morgen eine Besuchergruppe vom Wittekindshof auf dem Erinnerungspfad entlang der Stolpersteine durch die Innenstadt führen.
Nach Beschädigungen an mehreren Stolpersteinen ist der Diebstahl der bislang schwerste Fall von Intoleranz gegenüber dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. "Carl Cramer wurde in doppeltem Sinne Opfer", sagte Langescheid. Der seit 1912 in Minden lebende Cramer war als Jude und aufgrund einer psychischen Erkrankung, die er vermutlich in den 1930er Jahren erlitt, Zielscheibe der Verfolgungen durch die Nazis. Er wurde am 27. September 1940 im Alter von 68 Jahren als Euthanasieopfer in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel vergast.
Die Polizei hat Ermittlungen wegen Diebstahls aufgenommen. "Auch der Staatsschutz wurde informiert", teilte Polizeisprecher Ralf Steinmeyer mit.
"Wir sind traurig über diese Tat, wissen aber zurzeit noch nichts über die Hintergründe", sagte Bürgermeister Michael Buhre und fragte sich, ob es sich um einen Dummejungenstreich oder eine politisch motivierte Tat handele. Sollte Letzteres zutreffen, sei dieses vor allem vor dem Hintergrund der zentralen Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit am 13. März als bedenklich zu bewerten, so die Stadt. Minden werde sich mit einem umfassenden Rahmenprogramm als weltoffene und tolerante "Stadt der Vielfalt" präsentieren. Zu den zahlreichen Veranstaltungen gehören unter anderem auch zwei Verlegungen von Stolpersteinen in Minden und Petershagen mit dem Künstler Günter Demnig am 12. März.
Hinweise an die Polizei, Telefon (0571) 88660.