Volker Echtermeyer als medizinischer Berater der Organisation "Help - Hilfe zur Selbsthilfe" vor Ort
Mit ungeheurer Wucht traf am 12. Januar 2010 das bislang verheerendste Erdbeben dieses Jahrhunderts eines der ärmsten Länder der Welt. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hatte es 250000 bis 300000 Todesopfer gegeben. Eine etwa gleichgroße Zahl wurde verletzt. 1,2 Millionen Menschen verloren ihre Wohnung. Es folgten Hunger und Unruhen. "Es ist mittlerweile alles Negative eingetreten, das ich vor einem Jahr befürchtet habe", meint Echtermeyer heute. Nur an die Cholera habe er damals noch nicht gedacht.
Auf Vermittlung der Hilfsorganisation "Help - Hilfe zur Selbsthilfe e. V." war der 66-Jährige im Januar 2010 zusammen mit Dr. Arslan Asadi, Facharzt an der Allgemeinchirurgie des Klinikums, zwei Wochen lang im Hilfseinsatz. Sie operierten ein Dutzend Schwerverletzte und nahmen eine Vielzahl anderer medizinischer Eingriffe vor. Patienten mit Wirbelsäulenfrakturen, Knochenbrüchen oder schweren Weichteilverletzungen wurden außerhalb eines Klinikgebäudes unter aufgespannten Planen behandelt. Verband- und Nahtmaterial, Desinfektionsmittel und Medikamente waren knapp.
Als die beiden vor einem Jahr von ihrem Einsatz aus Haiti zurückkehrten, war ihnen bereits deutlich, dass das humanitäre Engagement nicht nachlassen dürfe. Den Aufbau einer Führungsstruktur für eine flächendeckende medizinische Versorgung der Bevölkerung sah Echtermeyer damals bereits als dringlich an. Eine Wasserversorgung und die Entsorgung durch Kläranlagen formulierte er ebenfalls als Aufgaben in der Region, die seit drei Monaten nun auch von der Cholera heimgesucht wird. "Die administrative Not des Landes werden nur die USA lindern können", meint der Mediziner auch heute.
Am kommenden Donnerstag steigt Echtermeyer nun erneut ins Flugzeug, um Menschen in Haiti zu helfen. Der Verein Help hat ihn als medizinischen Berater zur Bestandsaufnahme der laufenden Projekte vor Ort eingeladen. Zusammen mit der Geschäftsführerin der Hilfsorganisation Karin Settele und Help-Landeskoordinator Gregor Werth wird er das ländliche Petit Goave besuchen, wo der Verein das Landesbüro unterhält. Soweit es möglich ist, will sich der Mindener Mediziner auch um die Patienten kümmern, die er vor einem Jahr in Saint-Francois de Sales behandelt hat. Erneut operieren wird er in Port au Prince und in Petit Goave. Zu klären ist auch, wie Prothesen, Rollstühle und anderes Material nach Haiti gelangen.
Die derzeit fünf internationalen und 25 lokalen Mitarbeiter von Help haben bislang 100 Häuser und eine Krankenstation wiederaufgebaut. Mindestens 900 weitere Häuser und sowie medizinische Versorgungszentren und eine Schule sollen folgen. Help will eine eigene Produktionsstraße errichten, in der Fertigteile hergestellt werden, die den Bau eines Wohnhauses von 18 Quadratmetern innerhalb von fünf Tagen ermöglichen. Die Wiederaufbauprojekte dienen gleichzeitig der Ausbildung von Zimmerleuten und Metallfacharbeitern. Für das Engagement stehen Help bislang drei Millionen Euro zur Verfügung. Es soll in Haiti mindestens drei Jahre dauern.
"Help - Hilfe zur Selbsthilfe e. V.",
www.help-ev.de, Spendenkonto 240003000 Commerzbank Bonn, Bankleitzahl 37080040.
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