Redaktionen des Mindener Tageblattes stellen ihre Buch-Präsente vor / Literarische Tipps für Kurzentschlossene
Monika Jäger, Lokalredaktion
Teenager, 15 Jahre - da schenke ich Tödliche Spiele, den ersten Band der Trilogie "Die Tribute von Panem" von Suzanne Collins und Lesefutter pur. In einer düsteren Welt der Zukunft lebt die junge Katniss in bitterer Armut. Sie kämpft mit allen Mitteln um das Überleben ihrer Familie. Doch da wird sie zusammen mit zwölf anderen Jugendlichen für die grausamen Spiele ausgesucht, mit der die Regierung ihr Volk ruhig zu halten sucht. Die Gruppe wird ohne Hilfsmittel in einer feindlichen Umgebung ausgesetzt. Zu ihr gehört auch Peeta, der für Katniss seit Langem eine unerwiderte Liebe hegt. Doch nur einer darf überleben. (Oetinger, 17,90 Euro)
Ulrike Mißbach, Lokalredaktion
Mord und Totschlag unterm Weihnachtsbaum? Als krimibegeisterte Familie ist das bei uns durchaus gang und gäbe. "Grappa und die acht Todsünden" heißt das Werk, das für meinen Freund in diesem Jahr auf dem Gabentisch liegen wird. Sieben Menschen werden bei einem vornehmen Dinner umgebracht. Maria Grappa, die Polizeireporterin des Bierstadter Tagblatts erfährt von dem Mord und trifft sich am Tatort mit ihrem Fotografen. Die beiden können sich an der Polizei vorbei schleichen und den Tatort besichtigen. In Grappa erwacht der Jagdinstinkt und gemeinsam mit ihrem Fotografen macht sie sich auf die Jagd nach dem oder den Mördern.
Für meinen Vater gibt es einen weiteren Roman der Krimiautorin Gabriella Wollenhaupt "Grappa dreht durch". Dieses Mal ermittelt Grappa in der Glitzerwelt von Film und Fernsehen. Einfallslose Präsente? Keinesfalls, denn ich weiß, dass sich die beiden Beschenkten sehr über den jeweiligen Krimi freuen werden. Und außerdem ist es enorm praktisch, da die Bücher später untereinander ausgetauscht werden.
Elke Büsching, Bildarchiv
Der erste Band der Trilogie "Das Lügenhaus" von Anne B. Ragde um drei Brüder auf einem norwegischen Schweinezüchterhof steht dieses Jahr auf jeden Fall auf dem Geschenkeplan. Hört sich komisch an? Ist aber wunderbar geschrieben und die skurrilen Charaktere mit viel Liebe zum Detail gezeichnet.
Am Sterbebett der Mutter treffen sich die ungleichen Brüder wieder. Tor, der Anerbe des heruntergekommenen Hofes, führt die finanziell desaströse Schweinezucht mit Hingabe fort. Margido, der mittlere Bruder, betreibt ein florierendes Bestattungsunternehmen und ist der eigentliche Seelsorger des Dorfes. Der Jüngste schließlich, der homosexuelle Erlend, ist schon vor Jahren nach Kopenhagen ausgewandert, dort angesehener Schaufensterdekorateur und leidenschaftlicher Sammler von Swarovski-Figuren.
Anne B. Ragde schafft es, den Leser mitten in die jeweiligen Lebenswelten der Brüder zu katapultieren. Sie schreibt so mitreißend, dass man sich kaum vom Buch lösen kann, dann aber trotzdem froh ist, aus der Geschichte wieder aufzutauchen. Übrigens: Selbst habe ich den zweiten Teil, "Einsiedlerkrebse", längst verschlungen. Den dritten Teil, "Hitzewelle", erhoffe ich mir vom Weihnachtsmann. (Btb, 9,00 Euro)
Uwe Vinke, Lokalredaktion
Wie verbinde ich den heute üblichen Fernseh-Serienkonsum einer Jugendlichen mit der selbst zu empfindenden Fantasie beim Lesen? Ganz einfach, ich verschenke ein Buch, das eine Fernsehserie ergänzt.
Die Serie "Vampire Diaries" ist gerade bei Mädchen ein Renner. Den Folgen wird entgegengefiebert. Wie geht die Geschichte um Elena und Damon weiter? Die ersehnte Fortsetzung der Vampirsaga und der Geschichte um Elena und Damon bietet der sechste Band des Tagebuchs eines Vampirs von Lisa J. Smith mit dem Titel "Seelen der Finsternis".
Elena ist verzweifelt: Ihre große Liebe Stefano Salvatore wurde von Dämonen in ein grausames Reich verschleppt. Nun muss Elena ihn befreien und dafür nimmt sie alles in Kauf. Sie lässt sich dafür sogar mit Stefanos Bruder und ewigem Widersacher ein: Damon Salvatore. Zusammen mit ihm begibt sie sich auf die Reise und muss nun auch eine große Entscheidung treffen: Welchen Bruder will sie wirklich?
Thomas Kühlmann, Sportredaktion
Bei den Rolling Stones erschuf Keith Richards die Songs, die die Welt veränderten. Sein Leben ist purer Rock 'n' Roll. Jetzt endlich erzählt er in dem Buch "Life - Ein großes Leben" selbst seine atemberaubende Geschichte inmitten eines "crossfire hurricane". Und er tut dies mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit, die bis heute sein Markenzeichen geblieben ist. Die Geschichte, auf die wir alle gewartet haben - unverwechselbar, kompromisslos und authentisch.
Wie er als Kind in England die Platten von Chuck Berry und Muddy Waters rauf und runter hörte. Wie er Gitarre lernte und mit Mick Jagger und Brian Jones die bis heute größte Rockband aller Zeiten gründete - die Rolling Stones. Er berichtet von dem frühen Ruhm und den berüchtigten Drogen-Razzien, die ihm sein Image als ewiger Rebell und Volksheld einbrachten.
Wie er die unsterblichen Riffs zu Songs wie "Jumpin´ Jack Flash" oder "Honky Tonk Women" erfand. Für mich als Liebhaber der Musik und von spannenden Tatsachen-Geschichten allemal ein Grund, diesen Schmöker unter den Weihnachtsbaum zu legen.
Sabine Otterbeck, Beilagenredaktion
Dieses Jahr möchte ich einem lieben Menschen ein Buch schenken, das mich zugleich sehr bewegt und in seiner literarischen Qualität überrascht hat. Als ich mich auf die Lektüre von Julia Francks Roman "Die Mittagsfrau" einließ - ich hatte das Buch in einer Buchhandlung im modernen Antiquariatskasten günstig ergattert - wusste ich noch nicht, dass es sich um den Empfänger des deutschen Buchpreises 2007 handelte.
Anreiz für mich war vielmehr die auf dem Cover vermerkte Ausgangssituation: In den Wirren der Nachkriegszeit des Jahres 1945 lässt Helene Würsich ihren siebenjährigen Sohn auf dem Bahnhof in Pasewalk stehen - angeblich, weil sie die Fahrkarten erwerben muss. Sie kehrt nicht zurück.
Sehr genau geht die Autorin vor, fängt die psychologische, familiäre und soziale Situation der Hauptprotagonistin ebenso ein, wie verschiedene prägende Stationen ihrer Kindheit und Jugend, die in Bautzen beginnt und später in das Berlin der wilden Zwanziger Jahre führt. Lässt man sich auf den ruhigen, oft sehr detaillierten Erzähltstil ein, wird "Die Mittagsfrau" zu einem sehr spannenden Buch auf der Suche nach einem besonderen Menschen.
Jürgen Langenkämper, Lokalredaktion
Wenige leicht verdauliche Bücher haben mich in den vergangenen Jahren so nachhaltig bewegt wie John Tanners "30 Jahre unter den Indianern". Als Neunjähriger von Ottawa-Indianern entführt und in deren Stamm aufgenommen, lebte Tanner in dem weiten Gebiet um die Großen Seen herum. Er wuchs zu einem guten Jäger heran und heiratete eine Indianerin. Mit mehr als 40 Jahren kehrte er in die Gesellschaft der Weißen zurück und erzählte seine Lebensgeschichte. Auf Deutsch erschien die Autobiografie zuerst in den 1950er-Jahren in der DDR, herausgegeben von Eva Lips, die mit ihrem Mann Julius 1934 mit der Hilfe des gebürtigen Mindeners Franz Boas vor den Nazis in die USA flüchtete.
Das Buch schildert anschaulich das harte Leben, besonders im Winter oft am Rande des Verhungerns, aber auch die schönen Seiten in freier Natur. Meine Entscheidung, mein wunderbares antiquarisches Exemplar auf den Gabentisch zu tun, fiel kürzlich bei einem Aufenthalt in Kanada. In einem Ort zwischen dem Lake Huron und dem Eriesee eingeschneit, stiegen die Bilder aus dem Buch Tanners vor meinem inneren Auge auf. Nur in einer abenteuerlichen Taxi-Fahrt entkam ich der Schneehölle, immer eingedenk, was John Tanner wohl 200 Jahre früher wohl durchgemacht hatte. Das lässt mich das gegenwärtige Schneegestöber hierzulande viel entspannter sehen - diese existenzielle Erfahrung werde ich Weihnachten in gedruckter Form weitergeben.
Kristy Netzeband, Lokalredaktion
Ich verschenke in diesem Jahr zu Weihnachten das Buch "Vorsicht vor Leuten" von Ralf Husmann. In diesem Roman geht es um die Gegensätze zwischen dem unbeliebten Sachbearbeiter Lorenz und dem erfolgreichen Geschäftsmann Alexander Schönleben. Und doch sind sich beide irgendwie ähnlich. Ich habe das Buch des Stromberg-Autors selbst gelesen. Und da viele meiner Freunde auch diese Art von Humor schätzen, denke ich, dass der Roman von Husmann gut ankommen wird.
Henning Wandel, Nachrichtenredaktion
Wenn der Schnee fällt, wird das Leben nicht nur leiser, sondern manchmal auch langsamer. Mitunter bleibt die Zeit für einen Moment auch ganz stehen - und in solchen Momenten kann das Leben aus den Fugen geraten. Orhan Pamuks "Schnee" ist kein weihnachtliches Buch, aber es passt in den Winter. Die türkische Provinzstadt Kars - ganz weit im Osten, kurz vor Armenien - erlebt einen solchen Moment ohne Zeit, dafür aber mit einer großen Liebe und einer blutigen Revolution. Ganz nebenbei malt Pamuk ein großes Sittengemälde, das gerade westlichen Lesern neue Dimensionen von Islamismus und Atheismus bietet.
Jan Henning Rogge, Onlineredaktion
Eigentlich sind es zwei Bücher und ich verschenke und verleihe sie immer wieder - was in diesem Fall komischerweise öfter auf das Gleiche hinausläuft. Die Rede ist von Kurt Tucholskys "Rheinsberg" und "Schloß Gripsholm". Und weil es beide Erzählungen in einem Band gibt und ich über beide an der Uni in einer Prüfung befragt wurde, gehören sie für mich zusammen. Beide Geschichten üben unter dem Dach der entzückendsten Liebesgeschichten, die ich kenne, ordentlich Zeitkritik, glänzen mit schöner Sprache. Das damals skandalöse der Beziehungen ist zwar kaum noch nachvollziehbar, der Witz und die Zuneigung sind aber bis heute spürbar.
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