Medizinischer Notdienst bald zentralisiert / Wege für Kranke am Wochenende teilweise weiter / Ärzte entlastet
Die Ansprechpartner bleiben trotzdem die gleichen: Der ärztliche Bereitschaftsdienst am Wochenende und an Feiertagen wechselt reihum unter den Medizinern, die Praxisräume sind jedoch immer die gleichen. Adresse Hans-Nolte-Straße 1, Johannes-Wesling-Klinikum (JWK).
Damit ziehen die Allgemeinmediziner nach, was Fachärzte teilweise schon praktizieren. Auch der kinder- und jugendärztliche Notdienst ist bereits am JWK angesiedelt. Hals-, Nasen-, Ohrenärzte sollen folgen. Allgemeinmediziner dürfen ihre Patienten derzeit noch in den eigenen Praxen behandeln.
Der Grund für die Neuregelung hängt mit einer Reform in Westfalen-Lippe zusammen. Andreas Daniel von der Kassenärztlichen Vereinigung erklärt: "Ab Februar 2011 werden die Notdienste komplett neu geregelt." Ab dann gebe es nur noch zentrale Anlaufstellen, meistens würden Räume an Kliniken angemietet. Hausbesuche werden durch einen Fahrdienst abgewickelt. Ärzte werden von zu Hause abgeholt und zu den Patienten gebracht.
Dass Kranke aus dem ganzen Kreisgebiet bald nach Minden kommen müssen, ist für Daniel keine Verschlechterung. "Wenn man Pech hatte, musste man früher von Petershagen nach Hille zum Notdienst. Das war auch nicht näher", so Daniel. Außerdem sei das Angebot an Fachärzten besser. Daniel: "Früher gab es in manchem Regionen keinen Kinder- oder Augenarzt am Wochenende." Ansprechpartner war der Allgemeinmediziner. "Jetzt sind manche Wege zwar weiter, dafür gibt es überall Fachärzte im Notdienst", so der Sprecher.
Unter den Medizinern stößt die neue Regelung nicht überall auf Begeisterung. Der Internist und Allgemeinmediziner Dr. Friedrich-Wilhelm Erffmeier aus Barkhausen war mit der bisherigen Regelung, dem Notdienst in der Feuerwache, jedenfalls zufrieden. "Das Krankenhaus hat auf die neue Regelung gedrängt, weil es Patienten gab, die wegen Bagatellerkrankungen ins Klinikum gefahren sind." Die Krankenhausärzte hätten die Behandlung allerdings nicht adäquat erstattet bekommen. "Jetzt können sie die Patienten direkt an uns weiterleiten." Einen Vorteil hat die neue Regelung aus seiner Sicht auch: "Wenn ein Patient mit einer schweren Erkrankung kommt, können wir ihn eine Tür weiterschicken." Aber: "Das kommt nicht häufig vor."
Allgemeinmediziner Dr. Bodo Heier dagegen begrüßt den zentralen Notdienst. Er verspricht sich davon Arbeitsentlastung. Heier: "Weil sich mehr Ärzte am Notdienst beteiligen, muss der einzelne weniger Dienste machen."
So sieht das auch Allgemeinmedizinerin Heike Hannen aus Petershagen. "Ich hatte fast jedes dritte Wochenende Bereitschaft", sagt sie. Mit der Zentralisierung sei sie nur noch etwas jedes sechste Mal dran. Da bleibe mehr Zeit für die Familie.
Auch Kinderarzt Henry Boss findet die neue Regelung gut. "Für das Gesundheitswesen ist es von Vorteil, wenn Kliniken und niedergelassene Ärzte zusammenarbeiten." Eltern wüssten nun, wo sie mit ihren Kindern hinfahren müssten.
Vorteile sieht auch Tilo Polonius, Allgemeinmediziner aus Hille. Er kritisiert allerdings die Mehrbelastung für Patienten. "Die Qualität der ärztlichen Versorgung bleibt gleich, auf dem Land dünnt das Angebot aus." Man entlaste Ärzte und belaste Kranke. Auch mahnt er an, dass es ab Februar zentrale Rufnummern gibt. Kranke werden dann nicht mehr in Minden, sondern von einem Callcenter im Ruhrgebiet koordiniert. Polonius: "Das kann zu Fehlplanungen führen, weil sich die Menschen am anderen Ende der Leitung nicht in der Region auskennen." Außerdem sei fraglich, ob es Sinn mache, einen Hiller Arzt von einem Mindener Fahrdienst nach Wasserstraße zu bringen.
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