Minden-Hahlen (cwb). Es war bestes Wetter beim Hahler Kranzreiten. Für Sebastian Ruhe wurde der Tag aber auch im übertragenen Sinn überaus sonnig: Er siegte nach einem harten Wettkampf beim Kranzreiten und wurde neuer Präsident. Zuvor hatte er auch das sogenannte Flaschenreiten gewonnen. Damit ist Ruhe ein doppelter Sieg gelungen, den es seit 2005 nicht mehr gegeben hat. Als Präsidentin holte er Maria Schneider an seine Seite.
"Basti" Ruhe hatte im Endkampf im Kranzreiten zwei scharfe Konkurrenten: Christian Steffen (ihm war 2005 der Doppelsieg gelungen) und Lars Niemann. Dabei hatte Ruhe die schlechtere Ausgangsposition. Denn als der Endkampf einsetzte, hatte er bereits zwei Fehlgriffe auf dem Negativkonto, seine Mitbewerber aber jeweils erst einen Fehler. "Basti" Ruhe durfte deshalb nicht mehr daneben greifen. Im siebten Durchgang hat er dann den höher hängenden Kranz gerissen, Steffen und Niemann schafften dies hingegen nicht.
So gingen alle drei gleichermaßen belastet in den achten Durchgang, in dem es aber keinem, gelang den Kranz zu reißen. Im neuntem Durchgang als erstem Stechen rissen zwar Steffen und Niemann am Eichenlaubkranz, doch dieser blieb in der Halterung hängen – der verhängnisvolle dritte Fehler für die beiden. Als letzter Reiter galoppierte Ruhe an, sprang vom Pferderücken zum Kranz empor und riss ihn aus der Halterung. Als neuer Präsident löste er den Vorjahressieger Hendrik Steffen ab.
Einige Reiter unterschätzten offensichtlich, wie schwer ein "ungerupfter" Kranz aus seiner Klammer zu reißen ist: So berührten im ersten Durchgang mehrere Reiter zwar den Eichenlaubkranz, brachten ihn aber nicht zu Fall – obwohl der Kranz dann noch im Sattel sitzend zu erreichen war und noch nicht in rund fünf Metern Höhe baumelte. Sechs der 26 Teilnehmer handelten sich somit bereits einen zu dem Zeitpunkt noch leicht zu vermeidenden Fehler ein.
Anders als beim eigentlichen Kranzreiten nahmen am Vorwettkampf – dem so genannten Flaschenreiten – dieses Jahr 27 Reiter teil. Sechs Durchgänge wurden geritten, um den Sieger zu ermitteln. Auch hier berührten viele Reiter oftmals die Holzflasche, ohne sie der Halterung zu entreißen. Schließlich war es Sebastian Ruhe, der sich gegen Hendrik Steffen, Christian Steffen und Finn Höltkemeier, durchsetzte und damit "Flaschenpräsident" wurde.
Normalerweise gibt es beim Kranzreiten mehr Teilnehmer als beim Flaschenreiten. Dieses Mal war es anders, weil bereits im Vorwettkampf zwei Reiter durch Knochenbruch an der Hand beziehungsweise Bänderriss ausfielen. Als Ersatz ließ sich ein bislang nicht gemeldeter Reiter fürs Kranzreiten nachtragen – der aber ebenfalls Pech hatte und mit Verdacht auf eine Fraktur des Schlüsselbeins aufhörte. Darüber hinaus erlitten fünf weitere Reiter Verstauchungen, Prellungen und Platzwunden, so dass die Sanitäter vom DRK einiges zu tun bekamen.
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