Vor allem Migranten machen bei Angebot des Kreises für Langzeitarbeitslose mit / Qualifizierer sehen weiteren Bedarf
In Reih und Glied sind die Bildschirmarbeitsplätze im Seminarraum der "Competenz- Factory" an der Pionierstraße aufgestellt. Wasserfarbenbilder mit Mindener Motiven zieren die Flure der Einrichtungen, die als Tochtergesellschaft des Vereins Fach-Werk e.V. Landzeitarbeitslosen bessere Chancen für den Arbeitsmarkt geben soll. Hier bieten Magdalena Stoentcheva und Andreas Möhring - beide nach entsprechendem Fachstudium in der Erwachsenarbeit tätig - die Kurse an. Vermittelt wird PC-Erfahrung mit den gängigen Programmen, Motivations- und Bewerbungstraining und vieles mehr. Kontakte zur Wirtschaft sorgen dafür, dass die Teilnehmer Plätze für ein Praktikum erhalten. Zum Teil helfen sich die Teilnehmer untereinander bei Problemen der Integration.
Im vergangenen September hatte das Amt Pro Arbeit des Kreises Minden-Lübbecke in einer öffentlichen Ausschreibung örtliche Träger für die Maßnahme "Aktivierung, Beschäftigungserprobung und Vermittlung für Mitglieder großer Bedarfsgemeinschaften" in Minden, Bad Oeynhausen und Lübbecke gesucht. Die meisten Interessenten hatten damals ihre Wurzeln im Ausland.
Netzwerke helfen nur im Herkunftsland
Seit Oktober 2009 machen nun 35 Zuwanderer bis zum Herbst des laufenden Jahres allein in der Competenz-Factory in Minden mit. Ihr Alter reicht von 29 bis 55 Jahren. Viele von ihnen sind Kurden. Zudem sind weitere Zuwanderer aus arabischen Ländern, aus Europa oder Russland in den Kursen dabei. Die meisten sind Männer.
"Diese Art von Maßnahmen gab es bisher noch nie", meint Reinhold Sander, Fach-Werk-Geschäftsführer. Es sei weniger eine arbeits- als vielmehr eine sozialpolitische Aufgabe, die seine Organisation ausübe. Denn oftmals fänden die Arbeitssuchenden in ihren Herkunftsländern durch Netzwerke im Verwandten- oder Bekanntenkreis den Zugang zur Arbeitsstelle. Mit der Situation in Deutschland aber seien sie überfordert. Hier gebe es Personalchefs, denen gegenüber sich der Stellensuchende entsprechend darzustellen habe. Migranten müssten für eine erfolgreiche Stellenbewerbung wissen, wie Staat und Gesellschaft funktionierten, welche Rechte und Pflichten sie in Deutschland hätten.
Im Schnitt hatten sich die Zuwanderer 15 Jahre in Deutschland aufgehalten, als sie mit dem Projekt in der Competenz-Factory begannen. Als sie nach Deutschland kamen, brachen sie wenig Berufserfahrung und Qualifikation mit - überwiegend im landwirtschaftlichen Bereich hatten sie in ihren Herkunftsländern gearbeitet. Hierzulande blieben dann zunächst nur Hilfstätigkeiten im Metall-, Holz-, Lebensmittel- oder Lagerbereich übrig - bevor die Arbeitslosigkeit auf Dauer begann.
"Wir sind jetzt auf einem guten Weg", meint Andreas Möhring zur Halbzeitbilanz des Projektes. Der Diplom-Sozialpädagoge verweist auf fünf Teilnehmer, die bereits jetzt schon wieder in das Arbeitsleben integriert seien. Denn aus ihren Praktika hatten sich feste Arbeitsverhältnisse in den Betrieben ergeben.
Bedarf weiterhin vorhanden
Auch wenn das Seminar ursprünglich nicht als ein besonderes Angebot für ausländische Langzeitarbeitslose geplant war, sehen die Mitarbeiter der Competenz-Factory hier große Chancen für die Integrationsarbeit. Nach Einschätzung von Reinhold Sander komme generell auf Integrationskurse eine zunehmende Bedeutung zu. Schon in diesem Jahr käme in den Großstädten jeder Zweite aus einer Einwandererfamilie. Im Jahr 2025 seien von 100 Neugeborenen 65 Migrantenkinder. Und die alternde deutsche Gesellschaft bräuchte noch mehr Zuwanderung, um zu verhindern, dass Deutschland vergreise.
Am 31. Oktober läuft das Projekt des Kreises aus. Für Andreas Möhring ist jetzt schon deutlich: "Wir könnten das Ganze mindestens 15-mal fortsetzen."
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