Reihenhäuser im Simeonscarré umstritten / Einzug nur mit Wohnberechtigungsschein möglich / Belegung durch den Bauherren
Mertin ist für den Vertrieb der Firma Wilczek Immobilien Management zuständig, der die 17 Häuser gehören. Der Mann aus Hamm geht durch die Räume, die sich auf drei Ebenen verteilen. Im Wohnzimmer liegt Parkett, die Küche ist großzügig und die Bäder verfügen über moderne Armaturen. Es gibt einen (winzigen) Garten mit Terrasse und viele Fenster. Kurz: Das Reihenhaus strahlt zwar keinen Luxus aus, besitzt aber gewissen Charme.
"Es ist ideal für eine ganz normale Familie", sagt Mertin. Darunter seien die Durchschnittsbürger zu verstehen und keine armen Leute. Vermietet werde auch an Alleinerziehende, Selbstständige, junge Familien oder Hartz IV-Empfänger. Mertin spricht von einem Spiegelbild der Gesellschaft, das Generationen übergreifend in den Reihenhäusern im Simeonscarré lebt.
Doch um Mieter zu werden, braucht man einen Wohnberechtigungsschein. Alleinstehende Angestellte dürfen brutto beispielsweise nicht mehr als 27 965 Euro pro Jahr verdienen. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind liegt die Grenze bei 40 550 Euro und bei einer vierköpfigen Familie bei 50 395 Euro. "Das sind alles Werte, die das Land ermittelt hat", sagt Mertin.
Ob das viel oder wenig Geld ist, sei dahingestellt. Fakt ist, dass das Wohnen in den Reihenhäusern an Bedingungen geknüpft ist, damit deren Bau überhaupt mit öffentlichen Mitteln gefördert werden durfte. Vom sozialen Wohnungsbau zu sprechen scheint daher okay, doch Mertin schüttelt mit dem Kopf. "Der Begriff ist doch total negativ behaftet", sagt er. Man denke sofort automatisch an einfachste Ausstattungen und wenig Komfort. "Das ist doch hier wirklich nicht der Fall", sagt der Mann aus Hamm. Die Häuser sind nach neuesten technischen Gesichtspunkten gebaut - und es entstehen dank Wärmepumpen kaum Energiekosten.
Mertin fordert ein Umdenken. Man dürfe nicht das Bild von Bedürftigen zeichnen, wenn es um öffentlich geförderten Wohnraum gehe. So können unter anderem auch junge Menschen in den Reihenhäusern leben, die sich als Berufseinsteiger noch kein Eigenheim zulegen wollen. "Oder die durch ihren Job möglicherweise früher oder später wieder umziehen müssen."
Wer in die neuen Häuser im Simeonscarré einziehen darf, entscheidet aber der Bauherr. "Wir machen die Belegung selbst", sagt Rebecca Goetz, die in dem Unternehmen für die Hausverwaltung zuständig ist. Beschwerden aus den benachbarten hochwertigen Eigentumswohnungen kann sie in keiner Weise nachvollziehen. "Hier wohnen überall ordentliche Leute", sagt sie und: Kinder finden ausreichend Platz zum Spielen und Toben.
Dennoch ist nicht zu übersehen, dass im Simeonscarré jeder Zentimeter für den Wohnungsbau ausgenutzt worden ist. "Das ist bei dieser Lage mitten in der Stadt schon aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht anders möglich", sagt Mertin. Er ist allerdings fest davon überzeugt, dass die Wohnqualität in keiner Weise dadurch beeinträchtigt ist. Wenn erst einmal alles begrünt und fertig ist, werde keiner mehr meckern. "Hier ist es doch schön, oder?"
Mertin schließt die Haustür des Reihenhauses wieder hinter sich zu. Er geht nach nebenan, wo zurzeit das "Haus Wesertal" entsteht - eine Wohnanlage für Senioren, in der ältere Menschen selbstbestimmt und barrierefrei leben können. "Es sind 33 Wohneinheiten zu vermieten", sagt Mertin. Bezugsfertig ist das Gebäude wohl im Juli.
Wer in das "Haus Wesertal" einziehen möchte, muss mindestens 60 Jahre alt sein. Bei Paaren muss ein Teil diese Voraussetzung erfüllen. Während jedoch das Alter unumkehrbar ist, können sich wirtschaftliche Verhältnisse schlagartig ändern. Müssen daher Mieter nach einem Aufstieg der Karriereleiter aus ihren Reihenhäusern wieder ausziehen? Mertin wiegelt ab. "Es zählt allein die wirtschaftliche Situation beim Vertragsabschluss."
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