Seit Oktober 2008 fungiert das Bildungswerk als Träger eines regionalen Beratungsnetzwerkes gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold. Dessen Mitarbeiter Rouven Schäfer informierte am Mittwoch über seine Arbeit. Zu Gast im AKE waren Ute Koczy (MdB Bündnis 90/Die Grünen für Lippe und Minden-Lübbecke), Vertreter der Grünen Liste Vlotho (GLV) sowie Mitglieder des Vlothoer Bündnisses gegen das Collegium Humanum und vom AKE.
Mit Sorge blicken Rouven Schäfer und Ute Koczy nach Höxter, wo eine sogenannte "Freie Kameradschaft" aktiv ist. "Die lassen sich mit dem Collegium nicht vergleichen. Das ist eine Gruppe von rund 25 Personen, die 18 bis 30 Jahre alt sind. Sie organisieren Aufmärsche, verteilen Flugblätter in Schulen und versuchen, Jugendliche zu gewinnen", so Rouven Schäfer. Gleichwohl speisen sie sich aus der gleichen rechten Ideologie, die das CH verbreitet hatte, ergänzte Koczy.
Die Ausbreitung der Kameradschaft bis in den Kreis Herford hinein hat das AKE bislang noch nicht beobachtet. Dennoch gebe es im Kreis Minden-Lübbecke immer wieder Aufmärsche aus der rechten Szene. Die rechte Partei "Pro NRW" habe zudem in Minden zu Wahlkampftreffen aufgerufen. "Es wird versucht, die Bürger mit populären Themen zu locken, wie der Islamkritik", erläuterte Ute Koczy. Es müsse verhindert werden, dass rechte Parteien an Boden gewinnen.
Das machte auch Bianca Arnold (GLV) deutlich und forderte ebenfalls eine wache Bürgerschaft. Sie erinnerte an den vergangenen Kommunalwahlkampf in Herford, wo die Verbindung eines Mitgliedes der "Liste 2004" zu "Pro NRW" öffentlich gemacht wurde. Sie fand es sehr wichtig, Aufklärungsarbeit in den Schulen zu betreiben. Besonders über die Musik - Rechts-Rock - würden junge Menschen beeinflusst. Und: Die ehemalige CH-Vorsitzende Ursula Haverbeck trete nach wie vor öffentlich auf, zum Beispiel bei der Frankfurter Buchmesse. Rouven Schäfer hat bei der Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus eine halbe Stelle - eigentlich zu wenig, meinte er. Gleichwohl begrüßten alle Gäste, dass es diese Einrichtung gebe. Schäfer sah die Situation in OWL aber nicht schwarz. Es gebe viele Bestrebungen gegen Rechts, wie die Verlegung von Stolpersteinen, so auch in Minden oder in Kürze in Petershagen, und die Einrichtung von Gedenkstätten oder die Schaffung von Bündnissen.
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