Frauen suchen Rat in Sachen Schmerzen / Mediziner machen Mut zur genauen Abklärung
Die Experten am MT-Telefon machten den Anruferinnen immer wieder Mut zur Abklärung. "Letztlich lässt sich die Diagnose sicher nur durch eine Bauchspiegelung stellen", so Professor Dr. Ulrich Cirkel, Leiter der Frauenklinik am Johannes-Wesling-Klinikum.
Er betont am Rande der Telefonaktion, dass er der Endometriosewoche große Bedeutung zumisst. "Oft vergehen leider neun bis zwölf Jahre, bis die Diagnose gestellt ist", berichtet er. Das belegten internationalen Studien zum Thema - diese Zahlen würden auch in Deutschland gelten. Darum sei es wichtig, darüber aufzuklären. Denn die Lebensqualität vieler Frauen sinkt, wenn die Regel ständig mit heftigen Schmerzen verbunden ist. "Manchmal rechne ich mit einer Patientin zusammen: 31 Tage hat der Monat, mindestens elf davon geht es ihr nicht gut. Das ist doch kein Dauerzustand."
Über Mittel gegen die Schmerzen informierte auch der niedergelassene Frauenarzt Dr. Rüdiger Schulte die Anruferinnen. Oft sind die Pille oder die Hormonspirale Mittel, die verwendet werden. Nachteil: Auch wenn sie nachweislich oft gegen die starken Schmerzen bei der Regel helfen, bezahlt die Krankenkasse sie nicht. Selbst, wenn nachweislich eine Endometriose vorliegt, muss die Frau die Medikation über die Pille selbst finanzieren. Anders ist das bei einem Mittel, dass in sehr schweren Fällen Verwendung findet. Außerdem soll noch in diesem Jahr ein Hormonmedikament auf den Markt kommen, das die Krankenkassen bezahlen, wenn es bei Endometriose eingesetzt wird.
Regelschmerzen müssen nicht sein - darin sind sich die Mediziner einig. Bis zu 30 Prozent der Frauen würden so stark unter ihrer Menstruation leiden, dass sie während dieser Tage nicht zur Arbeit oder zur Schule gehen können - oder zumindest nicht voll leistungsfähig seien, schildert Cirkel. "Es ist kaum zu berechnen, was das nicht nur an individueller, sondern auch an gesellschaftlicher Belastung bedeutet."
Rund 30 Prozent aller Frauen mit Beschwerden
In der Tat kämen auch rund 30 Prozent der Patientinnen wegen Menstruationsbeschwerden in die Frauenarzt-Praxen, sagt Dr. Rüdiger Schulte. Wieviel Schmerz ist normal? "Schmerz ist ja objektiv nicht zu messen", sagt er - "messen kann man aber die Menge der Blutung. Wer beispielsweise Tampons und Binden zusammen benutzen muss, sollte definitiv mit dem Arzt sprechen." Und was ist normal? "Sechs normale Tampons an den Haupttagen der Regel." Da nicken die beiden anderen Mediziner zustimmend.
Dr. Onno Buurman sieht als Reproduktionsmediziner ungewöhnlich viele Frauen mit Endometriose in seiner Praxis. Denn die Wucherungen können die Empfängnis deutlich erschweren oder verhindern. Zwischen 25 und 35 Jahren alt sind die meisten der Frauen, die hier Hilfe suchen - mit Ausnahme der Frauen mit Migrationshintergrund oder aus den Reihen der Russlanddeutschen. Da werde deutlich früher geheiratet, und wenn es mit dem Kind nicht klappe, kämen die schon mit Anfang 20 zu ihm.
Nachweis mit einer Bauchspiegelung
Endometriose lässt sich nachweisen - mit einer Bauchspiegelung - und behandeln. Vielen Frauen könne so geholfen werden. Und die Therapien sind inzwischen grundsätzlich andere als früher. Eine der Anruferinnen - heute 76 - berichtete Dr. Cirkel von ihrer Therapie in den 60er Jahren. Damals wählte man den Weg der Bestrahlung, operierte mehrfach. "Diese Dame leidet seither an heftig den Folgen der Therapie." Da habe sich inzwischen zum Glück vieles geändert.
Für die Mediziner ist es ein Anliegen, dass Frauen nicht jahrelang unter der möglicherweise unerkannten Krankheit leiden.
"Wir wissen bis heute nicht genau, was die Ursache für Endometriose ist. Sie kann sich in jedem Lebensalter entwickeln, solange die Eierstöcke noch aktiv sind. Doch betroffenen Frauen, den können wir helfen."
Informieren können sich interessierte Frauen auch im Internet. Die europäische Endometriose-Liga stellt auf ihrer Homepage nicht nur viele Informationen, sondern auch einen Test zur Verfügung, mit dem eine Frau selbst die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung überprüfen kann.
www.endometriose-liga.eu
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