Jugendliche müssen beim Projekt "Baby-Bedenkzeit" 72 Stunden lang für eine Simulations-Puppe sorgen / Puppe mit beim Einkaufen dabei
Bei der "Baby-Bedenkzeit" bekommen die Teilnehmer für 72 Stunden eine Simulations-Puppe mit nach Hause, die sie wie einen richtigen Säugling versorgen müssen. Über Computer wird im Anschluss ausgewertet, wie die Kommunikation beziehungsweise Versorgung funktioniert hat.
Sechs Schüler in der Maßnahme "Aktivierungshilfen für Jugendliche" entschieden sich dazu, dieses Abenteuer einzugehen. Sie bekamen für ein Wochenende eine der Puppen von Jutta Bleckmann vom Schulungszentrum für innovative Gesundheitsförderung in Bielefeld, mit nach Hause.
Am Freitagmittag gab es eine Einführung für die Schüler, in der es um den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Kind, Auswirkungen von Alkohol und Drogen, Körperpflege, Ernährung, das Verhalten im Notfall und die Folgen eines Schütteltraumas bei einem Kind ging. Dann waren die Jugendlichen mit den programmierten Puppen auf sich allein gestellt und mussten den Alltag meistern. Am Montagmorgen durften die Teilnehmer ihre "Babys" dann wieder abgeben und bekamen das Ergebnis der Versorgung.
Jenny (18), Schülerin, in der 13. Woche schwanger
Einführung für die "Puppen-Eltern": Marian, Scarlett und Jenny (von links) üben den Umgang mit einem Neugeborenen.
Während die meisten Teilnehmer sich über das Wochenende eine Puppe teilte, hütete Jenny (18) das komplette Wochenende "Baby" Joell Jamal allein. "Ich bin selbst in der 13. Woche schwanger. So konnte ich schon mal schauen, was bald auf mich zukommt. Erst war ich mir nicht sicher, ob ich wirklich reif genug für ein Kind bin, aber nach diesem Wochenende habe ich weniger Panik und fühle mich viel besser vorbereitet", sagt die Schülerin und zeigt stolz die Auswertung der Versorgung.
Joell Jamal wurde über den kompletten Zeitraum bestens versorgt. Hilfe bekam die werdende Mama von ihrem Freund und dessen Vater. "Beide sind auch mal nachts aufgestanden und haben sich um die Puppe gekümmert, damit ich ein bisschen schlafen konnte. Erst war mein Freund gar nicht begeistert, dann hat er aber super mitgeholfen", sagt die 18-Jährige. Jenny ging sogar zusammen mit der Puppe zu einer Wohnungsbesichtigung. "Es war ein tolles Gefühl, wenn das Baby ruhig war und man wusste, dass man alles richtig gemacht hat", berichtet sie.
Rebecca (18), Schülerin, zukünftige Tante
Nur noch wenige Monate, dann ist Rebecca (18) eine frischgebackene Tante. Ihre zukünftige Schwägerin ist in ihrem Alter und bekommt ein Baby. Um auf dieses Ereignis so gut wie möglich vorbereitet zu sein, entschloss sie sich, an dem Projekt "Baby-Bedenkzeit" teilzunehmen."Am Anfang hatte ich total Panik, weil ich nicht wusste, was die Puppe jetzt gerade braucht. Dann klappte es aber immer besser. Eigentlich hätte ich die Puppe gerne noch länger gehabt", sagt Rebecca. Obwohl sie schon total gespannt auf das Baby ihrer Schwägerin ist, will sich Rebecca noch etwas Zeit lassen, bis sie selbst Mama wird. "Ich glaube, ich habe noch ein paar Jahre Zeit."
Scarlett (17), Schülerin
Relativ locker ging Schülerin Scarlett (17) an den Selbstversuch mit ihrem Puppen-Mädchen. "Ich habe total viele kleine Nichten und Neffen und bin den Umgang mit Kindern schon lange gewohnt", erklärt sie.
Bei dem Projekt "Baby-Bedenkzeit" wollte sie sich selbst einmal auf die Probe stellen. "Meine Auswertung ist ziemlich gut gewesen. Ich bin total zufrieden mit mir und würde das auch jedem sofort weiter empfehlen. Selbst will ich aber noch nicht Mutter werden", ist sich Scarlett sicher.
Cherylin (18), Schülerin
Ein bisschen mehr Stress hatte da schon Cherylin (18), die sich Puppe Dean Jason mit ihrer Freundin Barbara (19) teilte. "Am ersten Abend hat die Puppe glatte zweieinhalb Stunden durchgeschrien, weil der Chip kaputt war. Danach war die Versorgung eigentlich kein Problem mehr. Ich hätte es mir schlimmer vorgestellt", sagt die Schülerin.
Nachdem sie die Puppe auch mit zum Einkaufen genommen hatte, fiel ihr der Abschied am Montagmorgen sichtlich schwer. "Ich will ihn eigentlich gar nicht hergeben." Bei dem Projekt würde sie jederzeit wieder mitmachen.
Marian (18) wird in ein paar Wochen Vater
Nicht ganz so gut lief es dagegen bei Marian (18), der in ein paar Wochen selbst Papa wird. Er brach den Versuch ab und ließ die Puppe von Jutta Bleckmann abholen. "Es ging einfach nicht mehr. Die Nacht war total heftig und die Puppe hat andauernd geschrien. Ich war müde, genervt und hab das Baby auch nicht so ganz verstanden", gibt er zu. Trotzdem fühlt er sich jetzt viel besser auf die Geburt seines Sohnes vorbereitet. "Das war trotzdem eine gute Erfahrung für mich. Mir wurde gezeigt, was ich falsch gemacht habe." Jetzt freut er sich auf die Zeit, wenn sein Sohn auf der Welt ist.
Barbara (19), Schülerin
Erst lief alles total super bei Barbara (19), dann wurde alles zu viel und sie brach den Versuch mit Puppe Alex ab. "Die Nacht war ganz schön schlimm. Die Puppe hat oft geweint. Aber jetzt habe ich einen Kaffee getrunken und es geht mit der Müdigkeit", sagte sie noch am Mittag. Abends musste dann jedoch Freundin Cherylin einspringen und die Puppe abholen. Zu viel Stress und vor allem zu wenig Schlaf für die 19-Jährige. Am Montag um fünf Uhr morgens endete die Programmierung der Puppen. Joell Jamal, Dean Jason und Co konnten wieder beim Verein "Fach-Werk" abgegeben werden.
Allen Teilnehmern war wichtig, das Projekt ohne viel Hilfe von anderen zu bewältigen. "Ihr seht trotzdem alle etwas geschafft aus", stellte Jutta Bleckmann fest und entließ die Jugendlichen wieder in ihren gewohnten Alltag.
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